Aidhausen (Unterfranken/Bayern)

Aidhausen mit derzeit ca. 1.700 Einwohnern ist heute Teil der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim im unterfränkischen Kreis Hassberge – ca. 25 Kilometer nordöstlich von Schweinfurt gelegen.

Der erste urkundliche Hinweis auf einen in Aidhausen lebenden Juden stammt aus dem Jahre 1595. Die jüdische Gemeinde, die sich vermutlich im 17.Jahrhundert hier gebildet hatte, besaß eine 1869 neuerbaute Synagoge mit Schulraum, Lehrerwohnung und Mikwe.

 

                           Ehem. Synagogengebäude mit zwei Eingängen - links für Männer, rechts für Frauen (Aufn. Schwierz, 1987 und J. Hahn, 2007)

Ein von der Gemeinde besoldeter Lehrer verrichtete die kultischen Tätigkeiten des Vorbeters und Schochets. Der letzte in Aidhausen tätige Lehrer, Julius Rosenfelder, übte sein Amt mehr als 50 Jahre aus - bis zu seinem Tod 1930.

                           aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 3.Nov.1921

Beerdigungen fanden auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Kleinsteinach statt. Die Kultusgemeinde Aidhausen war Anfang der 1930er Jahre dem Bezirksrabbinat Burgpreppach unterstellt.

Juden in Aidhausen:

        --- um 1800 .................... 54 Juden,

    --- 1814 ....................... 41   “   (ca. 7% d. Bevölk.),

    --- 1839 ....................... 12 jüdische Familien,

    --- 1867 ....................... 82 Juden (ca. 12% d. Bevölk.),

    --- 1880 ....................... 65   “  ,

    --- 1900 ....................... 53   “  ,

    --- 1924 ....................... 37   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

    --- 1933 ....................... 23   “  ,

    --- 1939 (Jan.) ................ 19   “   (ca. 3% d. Bevölk.),

    --- 1942 (Febr.) ............... 16   “  ,

             (Juli) ................ keine.

Angaben aus: Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945, S. 248

und              Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge

Laut der Matrikellisten von 1817 wurden für Aidhausen zwölf Familienvorstände genannt. Infolge Abwanderung in die Städte ging ab den 1870er Jahren die Zahl der im Dorf lebenden jüdischen Bewohner zurück.

Antijüdische Ausschreitungen begannen in Aidhausen schon Ende Oktober 1938, als die Fensterscheiben der Synagoge und jüdischer Wohnhäuser eingeworfen wurden. Während des Novemberpogroms wurde dann auch die Inneneinrichtung der Synagoge samt der Ritualgegenstände zerstört; das Gebäude blieb aber erhalten. Die meisten der noch im Dorf verbliebenen Juden wurden Ende April 1942 nach Würzburg gebracht; dort mussten sie sich einem großen Deportationstransport nach Izbica bei Lublin anschließen. Mit dem Abtransport der letzten fünf Juden nach Schweinfurt Ende Juni 1942 war Aidhausen „judenrein“; drei Monate später mussten sich diese fünf einem Deportationstransport nach Theresienstadt anschließen. Insgesamt 15 jüdische Bewohner Aidhausens wurden Opfer des Holocaust.

Nach 1945 ging das ehemalige Synagogengebäude in Privatbesitz über und wird seitdem zu Wohnzwecken genutzt.

Nordfassade der ehem. Synagoge (Aufn. GFreihalter, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Gegenüber dem Standort der ehemaligen Synagoge erinnert Stein mit einer kleinen Gedenktafel an die einstige jüdische Gemeinde.

In Aidhausen bestand bis 1942 eine jüdische Kultusgemeinde. Synagoge in der Dorfstrasse. Zur Erinnerung und Mahnung.

Im wenige Kilometer östlich gelegenen Dorf Friesenhausen existierte im 19.Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, die vermutlich in den 1870er Jahren aufgelöst wurde. Bei der Erstellung der Matrikel (1817) waren für Friesenhausen 14 Haushaltsvorstände aufgeführt; Erwerbsgrundlage der jüdischen Familien waren vor allem Schnitt- und Viehhandel. Nach Mitte des 19.Jahrhunderts setzte eine rasche Abwanderung der jüdischen Dorfbewohner ein.

Von den religiösen Einrichtungen (Synagoge/Mikwe) sind bis heute noch Spuren erhalten; so wird das einstige Synagogengebäude in der Drosselgasse als Wohnhaus genutzt.

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 248/249

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 32 und S. 58

Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge, Hrg. Landratsamt Hassberge, Hassfurt 1998

Aidhausen, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Friesenhausen, in: alemannia-judaica.de

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13, Würzburg 2008, S. 152/153 und S. 157/158