Altenschönbach (Unterfranken/Bayern)

Altenschönbach ist heute ein Ortsteil von Prichsenstadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen – ca. 35 Kilometer östlich von Würzburg gelegen.

Über die Anfänge jüdischer Besiedlung in Altenschönbach liegen keinerlei urkundliche Hinweise vor; dennoch kann davon ausgegangen werden, dass zumindest seit dem 18.Jahrhundert jüdische Familien hier gelebt und alsbald auch eine Gemeinde gegründet haben. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts machte der jüdische Anteil der Dorfbevölkerung immerhin fast 30% aus; laut der Judenmatrikel des Jahres 1816 war die Anzahl der Familien auf 36 begrenzt.

Seit 1843 verfügte die Kultusgemeinde über ein neues, zweigeschossiges Synagogengebäude, das einen älteren, vermutlich um 1710 entstandenen Bau ablöste; eine Schenkung hatte den Neubau ermöglicht, der aber nach 1900 nur noch gelegentlich für Gottesdienste genutzt wurde.

      aus: „Allgemeine Zeitung des Judentums“ vom 7.8.1838

           Ehem. Synagogengebäude (Aufn. um 1950, W. Steinhauser)  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20369/Altenschoenbach%20Synagoge%20120.jpg

Torakrone aus Altenschönbach - Jüdisches Museum Franken (Aufn. W. Sauber, 2017, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

In dem Gebäude waren auch eine Mikwe und ein Schulraum untergebracht.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2093/Altenschoenbach%20Israelit%2008021900.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2093/Altenschoenbach%20Israelit%2025101900.jpg

Stellenanzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Febr. 1900 und 25. Okt. 1900

Verstorbene wurden auf dem israelitischen Verbandsfriedhof in Gerolzhofen beerdigt.

Seit den 1880er Jahren zählten auch die wenigen jüdischen Familien aus Kirchschönbach und Oberschwarzach zur Altenschönbacher Gemeinde. Diese unterstand zuletzt dem Bezirksrabbinat Schweinfurt.

Juden in Altenschönbach:

         --- 1813 .......................  142 Juden (ca. 28% d. Bevölk.)

    --- 1830 .......................  147   “  ,

    --- 1857 ................... ca.  140   “  ,

    --- 1867 .......................  114   "   (ca. 22% d. Bevölk.),

    --- 1875 .......................  116   “   (ca. 18% d. Bevölk.),

    --- 1880 .......................  100   "   (ca. 18% d. Bevölk.)

    --- 1890 .......................   64   “   (ca. 14% d. Bevölk.),

    --- 1900 .......................   51   “   (11,5% d. Bevölk.),

    --- 1910 .......................   35   “   (ca. 8% d. Bevölk.),

    --- 1916 .......................   26   “  ,

    --- 1925 .......................   18   “  ,

    --- 1933 .......................   17   “  ,

    --- 1942 (Apr.) ................    5   “  ,

             (Okt.) ................    keine.

Angaben aus: Werner Steinhauser, Juden in und um Prichsenstadt, S. 47

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts nahm die Zahl der hiesigen jüdischen Bewohner deutlich ab; zunehmend war eine Überalterung festzustellen.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20369/Altenschoenbach%20Dok%20121.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2093/Altenschoenbach%20Israelit%2028021877.jpg Verkaufsangebote von 1877/78

Werbeanzeige (aus: "Bote vom Steigerwald", Juni 1911) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20369/Altenschoenbach%20Dok%20120.jpg

Anfang der 1930er Jahre lebten nur noch wenige ältere jüdische Bewohner am Ort.

Während des Novemberpogroms zerstörte ein SS-Trupp aus Prichsenstadt bzw. Kitzingen, dem sich auch Jugendliche angeschlossen hatten, die Synagogeninneneinrichtung mitsamt der Ritualien; anschließend wurden die Trümmer im Freien verbrannt. Das Gebäude selbst blieb unbeschädigt. Auch von Juden bewohnte Häuser wurden durchsucht und die Inneneinrichtungen zum Teil zerstört. Mehrere jüdische Bewohner wurden verhaftet und ins Gerichtsgefängnis von Gerolzhofen eingeliefert; eine Person überführte man ins KZ Dachau. Die letzten Bewohner mussten im Jahre 1942 den Ort verlassen und wurden nach Izbica bei Lublin bzw. nach Theresienstadt deportiert.

Nach Angaben des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945“ wurden 17 gebürtige bzw. länger in Altenschönbach wohnhafte jüdische Personen Opfer der Shoa.

In einem Prozess im Jahr 1950 in Schweinfurt, bei dem 20 Personen angeklagt waren, an den gewalttätigen Ausschreitungen im November 1938 beteiligt gewesen zu sein, wurde nur ein einziger schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die übrigen 19 wurden freigesprochen.

Das ehemalige Synagogengebäude in der Lochmühlstraße ist heute noch vorhanden; das zu Wohnzwecken genutzte Gebäude befindet sich in einem schlechten Bauzustand.

Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Monandowitsch, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)1 Synagoge Altenschönbach 2.jpg

Künftig sollen in Altenschönbach entweder sog. "Stolpersteine" oder ein Denk-/Mahnmal an ehemalige jüdische Dorfbewohner erinnern, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft geworden sind.

[vgl. Prichsenstadt (Bayern)]

Weitere Informationen:

Baruch Z. Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, München/Wien 1979, S. 250/251

Harm-Hinrich Brandt (Hrg.), Zwischen Schutzherrschaft und Emanzipation, in: Studien zur Geschichte der mainfränkischen Juden im 19.Jahrhundert, Band 39, Würzburg 1987

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 34

Werner Steinhauser, Juden in und um Prichsenstadt, Selbstverlag, Prichsenstadt 2002

Altenschönbach, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshisstorie)

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13, Würzburg 2008, S.135/136

Aus der Geschichte der in Altenschönbach beheimateten jüdischen Gemeinde, online abrufbar unter: altenschoenbach.de/unsere-juedische-gemeinde/ (Anm. mehrere Artikel)

Carol Lupu (Red.), Verein will keine „Stolpersteine“ - Altenschönbach diskutiert über Mahnmal für ermordete Juden, in: "Bayern 1" vom 9.7.2018