Aach (Rheinland-Pfalz)

Die kleine Kommune Aach mit derzeit ca. 1.000 Einwohnern liegt am Rande des Stadtgebiets von Trier.

Im beginnenden 15.Jahrhundert siedelten sich erstmals jüdische Familien in Aach an. Sie waren aus dem Erzstift Trier vertrieben worden und fanden nun in der Freien Reichsherrschaft Aach Aufnahme. Die Oberhoheit hatte hier die Äbtissin der Benediktinerabtei von St. Irminen, die - anders als der Kurfürst von Trier - den Juden gestattete, sich anzusiedeln.

Die Entstehung einer neuzeitlichen Gemeinde in Aach lässt sich bis in die Zeit des 18.Jahrhunderts zurückverfolgen. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts lebten in Aach knapp 20 jüdische Familien, die fast ein Drittel der damaligen Dorfbevölkerung ausmachte.

Im Jahre 1859 weihte die Aacher Judenschaft ihre neue Synagoge an der Neweler Straße ein, die vermutlich einen älteren Bau ersetzte. An der Nordseite des Gebäudes befand sich ein Treppenaufgang zur Frauenempore.

          Synagoge in Aach (hist. Aufn., Landesamt, 19 ?)

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörten auch eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Verrichtung der religiös-rituellen Aufgaben war ein Religionslehrer angestellt; die Besetzung der Stelle war einem häufigen Wechsel unterworfen.

   

Kleinanazeigen aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1884, vom 27.Sept. 1900 und vom 9.Okt. 1902

 „Seit jeher“ (?) stand den Juden auch ein Friedhofsgelände - am Ortsausgang in Richtung Trier - zur Verfügung.

Bis 1892 gehörten auch die Juden aus Butzweiler zur Synagogengemeinde Aach.

Juden in Aach:

       --- 1795 ................  3 jüdische Familien,

    --- 1808 ................ 57 Juden,

    --- 1828 ................ 68   “  ,

    --- 1830 ................ 80   “  ,*

    --- 1858 ................ 85   “  ,

    --- um 1900 ............. 14 jüdische Familien,

    --- 1933 ................ 38 Juden (in 8 Familien),

    --- 1938 (Okt.) ......... 15   “  ,

    --- 1942 ................  3   “  ,

    --- 1943 (Apr.) .........  keine.               * Um 1830 lebten etwa 20% aller Juden des Kreises Trier in Aach.

Angaben aus: Franz Scholl, Die Juden in Aach

Nach der Jahrhundertwende ging die Anzahl der in Aach lebenden jüdischen Bewohner deutlich zurück. Innerhalb der Aacher Dorfgemeinschaft war das Zusammenleben zwischen Christen und Juden problemlos, was sich darin zeigte, dass beide Konfessionen „in Freud und Leid“ zusammenstanden.

Aus dem Artikel von Franz Scholl, Die Juden in Aach (verfasst 1943):

„ ... Im Laufe der mehr als 40 Jahre meines Hierseins habe ich feststellen können, daß der Jude einer Modulation fähig ist, die durch Schule, Buch und Umgebung günstig beeinflußt werden kann. Nur so ist es zu verstehen, daß die Juden der jüngeren Generation zu meinen besten und dankbarsten Schülern zählten, die auch später in ihrem wirtschaftlichen, nationalen und moralischen Leben ihrem Lehrer und ihrem Heimatdorfe keine Schande bereiteten. ... ... Kein Aacher Jude stand in den Reihen der Marxisten. Kommunistische Redner fanden in der jüdischen Wirtschaft kein Versammlungslokal, ... Es darf auch gesagt werden, daß in den meisten hiesigen Judenhäusern Sauberkeit und Ordnung herrschte und daß die Juden - von wenigen Ausnahmen abgesehen - auch in Körperpflege und Kleidung der übrigen Bevölkerung gegenüber etwas voraus hatten. Im allgemeinen verstanden es die Juden, sich der Dorfgemeinschaft anzupassen. Sie nahmen teil an Freud und Leid, griffen mit ihrem Gelde helfend ein, wo die Not es erforderte und die Rückzahlung gesichert schien, mieden Zank und Streit, schlossen sich der Gesellschaft und dem Vereinsleben an, suchten überhaupt mit der Bevölkerung - von Religion und Rasse abgesehen - eins zu werden. Lästig war nur ihr Herumlungern auf der Straße in den müßigen Abendstunden und am Sabbat ... Es ist nicht falsch, wenn behauptet wird, daß in Aachen die Juden für unser Dorf kein Unglück gewesen sind. Die Bevölkerung hat dies allgemein anerkannt, indem sie 1933 nach der Machtübernahme ... sich an den Ausschreitungen gegen die Juden nicht beteiligte. Wohl sind damals auch hier in Aachen den Juden die Fensterscheiben eingeschlagen worden, jedoch nicht von Leuten aus Aach ...”

Während des Novemberpogroms von 1938 demolierten zwei SA-Trupps, die aus Trier herantransportiert worden waren, die Inneneinrichtung der Synagoge, warfen Gegenstände auf die Straße und legten anschließend Feuer. Wegen der Gefahr eines Großbrandes wurde dieses aber wieder gelöscht. Anschließend diente das ehemalige Synagogengebäude als Pferdestall, und während des Krieges wurde es als Gefangenenunterkunft genutzt; später erfolgte dann der Umbau zu einem Wohnhaus. Im Zuge der Ausschreitungen wurde auch das Eigentum jüdischer Familien zerstört.

Franz Scholl schrieb dazu: „ ... Wenn auch die Juden bei dieser Strafaktion an Leib und Leben verschont blieben, so mußte umsomehr ihr Besitztum herhalten. Die verschlossenen Haustüren wurden eingerammt, Fenster zertrümmert, Möbel zerschlagen; in der Gastwirtschaft ließ man die Getränke auslaufen; in der Kolonialwarenhandlung wurden die Lebensmittel auf die Straße geworfen. ...” Im Jahr 1939 hatten die meisten jüdischen Bewohner Aach bereits verlassen; die letzten wenigen Juden wurden 1942 bzw. 1943 deportiert. Nachweislich wurden 28 gebürtige bzw. längere Zeit in Aach lebende Bewohner mosaischen Glaubens Opfer der Shoa.

Der jüdische Friedhof wurde 1942 völlig zerstört, alle Grabsteine abgeräumt. Ende der 1990er Jahre wurde das inzwischen denkmalgeschützte Synagogengebäude restauriert.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2073/Aach%20Synagoge%20100.jpg Ehem. Synagogengebäude (Aufn. J. Hahn, 2006)

Zum Jahrestag der Pogromnacht enthüllte man 1998 eine Gedenktafel, die an die ehemalige jüdische Gemeinde des Ortes erinnert.

(Aufn. J. Hahn, 2005)

Auf dem Gelände des ehem. jüdischen Friedhofs wurde nach Kriegsende ein Denkmal mit den Namen aller hier Begrabenen errichtet; denn die Grabsteine hatte man in der NS-Zeit abgeräumt bzw. "verschwanden".

In Welschbillig – nördlich von Aach – gab es eine kleine jüdische Gemeinde seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1930er Jahre. Im Ort haben maximal ca. 40 Personen mosaischen Glaubens gelebt. Seit den 1860er Jahren diente ein Betsaal den wenigen Gemeindeangehörigen als gottesdienstlicher Mittelpunkt, der durchgehend bis zu seiner Zerstörung im November 1938 genutzt wurde. Juden aus Sülm und zeitweilig auch aus Ralingen suchten diesen Betsaal auf. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Aach, später dann in Butzweiler beerdigt. 1933 lebten noch neun jüdische Personen in drei Familien am Ort. Namentlich sind 13 gebürtige bzw. länger am Ort lebende jüdische Personen bekannt, die Opfer der „Endlösung“ geworden sind.

Eine Gedenktafel am Gemeindehaus erinnert heute mit folgenden Worten:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20192/Welschbillig%20Gedenktafel%20100.jpg Gedenktafel (Aufn. Stefan Roos)

Im gleichnamigen württembergischen Dorf Aach -in der Nähe des Bodensees gelegen - gab es während des 16.Jahrhunderts eine kleine jüdische Gemeinde, deren Bewohner erstmals 1496 erwähnt werden. Ihr Betsaal befand sich in einem Haus beim Unteren Stadttor; ein Begräbnisgelände soll in der Flur „Hohenhalden“ gelegen haben. 1583 sollen in Aach zehn jüdische Familien gelebt haben. Im Jahre 1604 wurden die meisten jüdischen Familien aus Aach ausgewiesen.

Weitere Informationen:

Franz Scholl, Die Juden in Aach. Schulchronik der Schule Aach (Franz Scholl war Lehrer und verfasste den Artikel im Jahre 1943 !)

Richard Laufner, Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Gebiet des heutigen Kreises Trier-Saarburg, in: Kreisjahrbuch Trier-Saarburg 1979, S. 166 f.

Cilli Kasper-Holtkotte, Juden im Aufbruch - Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800, in: Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Juden e.V., Hrg. H.Castritius/u.a., Band 3, Hannover 1996

Gernot Kasel, Erinnerung an jüdische Mitbürger. Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in Aach, in: ‘Trierer Volksfreund’ vom 10.11.1998

Günter Heidt/Dirk S.Lennartz, Fast vergessene Zeugen - Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum 1321 - 1943, Saarburg 2000, S. 230

S.Fischbach/I.Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”. Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, Mainz 2005, S. 67/68

Willi Körtels, Die jüdische Schule in der Region Trier, hrg. vom Förderverein Synagoge Könen e.V., 2011, S. 165 - 171

Aach, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Welschbillig, in: alemannia-judaica.de