Daudleb (Böhmen)

Das im Nordosten Böhmens liegende Daudleb an der Adler – ca. sechs Kilometer von Reichenau (Rychnov nad Kneznou) gelegen - ist das heutige tschech. Doudleby nad Orlicí mit derzeit ca. 1.800 Einwohnern. Die Ortschaft soll eine der ältesten Ostböhmens sein.

Die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde liegen hier im beginnenden 18.Jahrhundert; bereits um 1650/1670 sollen Juden sich zeitweilig in Daudleb aufgehalten haben. Von einer Gemeindegründung kann vermutlich aber erst ab der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts ausgegangen werden, als jüdische Flüchtlinge hier Zuflucht fanden. Die jüdischen Familien lebten bis auf wenige Ausnahmen in ca. 30 Häusern ghettoartig im Südteil des Dorfes zusammen; Feuersbrünste und Überschwemmungen richteten mehrfach erhebliche Schäden im Ghetto-Bezirk an.

Zu Ausschreitungen kam es 1772 in Daudleb, als ein Jude des Mordes an einem Christenmädchen verdächtigt wurde und daraufhin die christliche Bevölkerung gewaltsam gegen die jüdischen Bewohner vorging; nur mit Mühe konnten die Juden vor größerem Schaden bewahrt werden.

Eine erste im Jahre 1777 gebaute Synagoge wurde Anfang der 1820er Jahre um einen Neubau erweitert. Bis 1890 bestand am Ort eine jüdische Schule, in der in deutscher Sprache unterrichtet wurde; ab den 1870er Jahren besuchten die meisten jüdischen Kinder allerdings die örtliche Volksschule.

Ein eigenes Friedhofsgelände besaß die Daudleber Judengemeinde nicht; verstorbene Gemeindemitglieder wurden auf dem jüdischen Friedhof nahe Wamberg (tsch. Vamberk) beerdigt.

Juden in Daudleb:

       --- um 1750 ........................   8 jüdische Familien,

    --- 1793 ...........................  24     “       “    ,

    --- 1834 ........................... 305 Juden (ca. 30% d. Bevölk.),

    --- 1852 ....................... ca. 400   “  ,

    --- 1869 ...........................  67   “  ,

    --- 1883 ...........................  24   “  ,

    --- 1902 ...........................  24   “  ,

    --- 1930 ...........................   2   “  .      

Angaben aus: G.J. Lasek, The Jewish Community in Duodleby. A cultural and Historical Picture

und                 Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts war die Zahl der hier lebenden Juden recht hoch und erreichte zeitweilig mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Die Juden in Daudleb spielten im dörflichen und regionalen Handwerk und Handel eine große Rolle; sie waren im späten 19.Jahrhundert auch für die Ansiedlung von Industrie verantwortlich. Zwischen 1850 und 1865 ging die Zahl der Gemeindeangehörigen erheblich zurück; mehr als 75% der jüdischen Bevölkerung war weggezogen, einige auch ausgewandert. Das lag auch an einem Großfeuer von 1860, das zahlreiche Familien im Ghetto-Viertel obdachlos gemacht hatte. 1896 wurde die Kultusgemeinde offiziell aufgelöst; damit endete ihre 250jährige Geschichte.

Bis zur deutschen Besetzung lebten nur noch vereinzelt jüdische Bewohner am Ort; die letzten beiden wurden deportiert.

Das Synagogengebäude überdauerte auch die NS-Zeit und wurde ab den 1950er Jahren von der Hussiten-Kirche als Versammlungsraum genutzt.

                                       ehemaliges Synagogengebäude (aus: castolovice-info.cz)

Weitere Informationen:

David Fanta, Judith, eine Ghettogeschichte aus Daudleb, Prag 1875

G.J. Lasek, The Jewish Community in Duodleby. A cultural and Historical Picture, o.O. 1902

Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn/Prag 1934

Rudolf Wlaschek, Zur Geschichte der Juden in Nordostböhmen, Marburg/Lahn 1987