Culmsee (Westpreußen)

Bildergebnis für culmsee ostpreußen landkarte Karte des Landkreis Thorn (Abb. aus: wikipedia.org, CCO)

In Culmsee (auch Kulmsee, poln. Chelmza) - einem kleinen Städtchen etwa 30 Kilometer nördlich von Thorn (Torun), ab 1772 preußisch - existierte eine israelitische Gemeinde, deren Anfänge bis ins ausgehende 18.Jahrhundert zurückreichen. In den 1830er Jahren zählte die Gemeinde ca. 120 Angehörige; dies entsprach etwa 8% der hiesigen Bevölkerung. Die Zuwanderung nach Culmsee war vor allem aus der Provinz Posen und anderen westpreußischen Orten erfolgt.

Die Familien lebten vor allem vom Handel, aber ein Teil war auch als Handwerker tätig. Um 1900 setzte sich die Judenschaft Culmsees aus mehr als 300 Angehörigen zusammen. Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählte neben einem Friedhof, der unmittelbar zu Beginn jüdischer Ansässigkeit (um 1790) angelegt worden war, eine Synagoge, die in den 1880er Jahren erbaut worden war. Das mit orientalischen Stilelementen versehene, recht aufwändig gestaltete Gotteshaus bewies, dass die Angehörigen der hiesigen Gemeinde relativ wohlhabend waren.

                                 Synagoge in Culmsee (hist. Postkarte um 1900)

Ende der 1840er Jahre richtete man im Synagogengebäude notdürftig die neugegründete Schule ein; sie bestand nur etwa 20 Jahre.

Der Gemeinde waren die wenigen jüdischen Bewohner umliegender Dörfer angeschlossen, so die aus Biskupitz, Hermannsdorff, Reuschkau und Steinau.

Juden in Culmsee:

--- 1792 .......................    3 jüdische Familien,

--- 1812 .......................   16 Juden,

--- 1831 .......................  131   “  (ca. 11% d. Bevölk.),

--- 1840 .......................  180   "  ,

--- 1849 .......................  265   “  (ca. 14% d. Bevölk.),

--- 1871 .......................  234   “  (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1895 ................... ca.  280   “  ,

--- 1910 ................... ca.  240   “  ,

--- 1925 ................... ca.   70   “  ,

--- 1930 .......................   30   “  ,

--- 1939 (Dez.) ................    2   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Band 3, S. 721 f.

und                Chelmza, in: sztetl.org.pl

                     http://images.delcampe.com/img_large/auction/000/189/946/639_001.jpg hist. Ansichtskarte von Culmsee (Abb. aus delcampe.net)

Nach Ende des Ersten Weltkrieges war der jüdische Bevölkerungsanteil in Folge Abwanderung verschwindend gering geworden, sodass sich die Gemeinde offiziell auflöste (1932); die wenigen in der Kleinstadt verbliebenen Familien schlossen sich der Synagogengemeinde Thorn an. Im Herbst 1939 wurden die noch in Culmsee lebenden Juden – mit Ausnahme zweier Personen – ins "Generalgouvernement" deportiert.

Der 1792 angelegte jüdische Friedhof und die Synagoge wurden während der deutschen Okkupation im Zweiten Weltkrieges zerstört.

Seit 2008 erinnert eine Gedenkplatte an die einstige jüdische Gemeinde in der Stadt.

Im Sommer 1944 bestand in der Nähe von Culmsee ein Arbeitslager der "Organisation Todt" (OT), in dem mehrere tausend Jüdinnen Zwangsarbeit leisten mussten. Auch Häftlinge aus dem KZ Stutthof sollen in der Nähe Culmsees kurzzeitig gewesen sein.

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Der Anteil der Juden am wirtschaftlichen Leben Westpreußens um die Mitte des 19.Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Ostforschung 11/1962, S. 482 ff.

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfried Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 721 – 725

Chelmza, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Chelmza, in: kirkuty.xip.pl