Dahn (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für dahn karte postleitzahl Dahn ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 4.600 Einwohnern im Landkreis Südwestpfalz und Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland – ca. 20 Kilometer südöstlich von Pirmasens gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Der erste Hinweis auf einen in Dahn lebenden Juden stammt aus dem Jahre 1590. Ab der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts waren einige jüdische Familien in der südwestpfälzischen Kleinstadt ansässig; eine Steuerliste aus dem Jahre 1755 weist drei Juden aus, die Schutzgeld zahlen mussten. Gottesdienstliche Zusammenkünfte hielt die Gemeinde bis ca. 1815 in privaten Räumlichkeiten ab; danach stand in der Schäfergasse, der ehemaligen Judengasse ein Betraum zur Verfügung. Als das Gebäude mit dem Betraum baufällig geworden war, begannen die Planungen für einen Synagogenneubau, der durch eine Kollekte, Spenden und eine Umlage finanziert wurde. Um 1871/1873 wurde der Neubau in der Schäfergasse, vermutlich am Standort des abgerissenen Bethauses abgeschlossen; neben 60 Männerplätzen fanden auf der Empore etwa 35 Frauen Platz.

Neben der neuen Synagoge befand sich die jüdische Schule; in den Kellerräumen war eine Mikwe untergebracht.

  

Synagoge in Dahn (Zeichnungen um 1930, Reproduktionen von Helmut Repp)

In der Lokalpresse - im „Anzeiger für die Kantone Landau, Annweiler und Bergzabern" - wurde über die Einweihung der Dahner Synagoge vom 8.Juli 1873 berichtet:

Eine neue Synagoge in Dahn

Dahn, 8.Juli. Am 4.Juli hatte Dahn das Vergnügen, ein schönes herrliches Fest feiern zu können, dessen gelungene Ausführung und rege Theilnahme vom Geiste der Duldung und Nächstenliebe ... das trefflichste Zeugniß gab. Die Israeliten der hiesigen Gemeinde feierten nämlich die Einweihung ihrer neuerbauten prächtigen Synagoge. Glaubensgenossen aus Nah und Fern strömten herbei, ... Alle Häuser waren beflaggt, Arm und Reich, Katholiken und Protestanten, Bürger und Beamte, alle feierten mit. Da schwanden die religiösen wie confessionellen Unterscheide, das Band der Bruderliebe umschlang alle Festgenossen gleich einer großen Familie. Die Israeliten selbst hatten solche Feier nicht geahnt, und das stille Glück der Zufriedenheit und Dankbarkeit verlieh in Wort und That sich Ausdruck. ...

(aus: Anzeiger für die Kantone Landau, Annweiler & Bergzabern, No. 159/1873)

Ausschreibung einer Lehrerstelle  aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5.6.1872  

Ihre verstorbenen Glaubensgenossen beerdigten die Dahner Juden auf der zentralen Begräbnisstätte des Wasgau in Busenberg.

Zur jüdischen Gemeinde Dahn gehörten auch die in Vorderweidenthal lebenden jüdischen Einwohner. 

Juden in Dahn:

    --- 1784 .........................  42 Juden,

    --- 1802 .........................  72   “  ,

    --- 1823 .........................  93   “  ,

    --- 1836 ......................... 103   “  ,

    --- 1848 ......................... 134   “  (in 28 Familien),

    --- 1875 .........................  85   “  ,

    --- 1900 .........................  83   “  ,

    --- 1910 .........................  75   “  ,

    --- 1933 ..................... ca.  60   “  ,

    --- 1936 .........................  29   “  ,

    --- 1938 .........................  13   “  ,

    --- 1939 (Aug.) ..................   7   “  ,

             (Okt.) ..................   keine.

Angaben aus: Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden, Vom Untergang ihrer Gotteshäuser ..., S. 65

und            Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, S. 132

Bereits kurz nach der NS-Machtübernahme trug in Dahn die antijüdische Hetze Früchte: jüdische Gottesdienste wurden gestört, die Besucher in Angst und Schrecken versetzt und das Synagogengebäude beschmiert. Ab Ende 1937 fanden in der Synagoge keine Gottesdienste mehr statt, da die Zahl der dafür notwendigen Männer nicht mehr ausreichte; auch in den Jahren zuvor war das Gebäude nur sporadisch genutzt worden. Im Sommer 1938 wurde das Synagogengebäude an einen Tischler verkauft, der es - nach einem Umbau - in der Folgezeit als Sarglager nutzte; noch heute sind unter dem leicht übertünchten Innenanstrich die farbigen Ornamente der Synagogenausmalung erkennbar.

Aus dem Monatsbericht des Reg.präsidenten Pfalz (Juli 1939):

„ ... In Dahn (Lkr. Pirmasens) hatten nachts junge Leute das Haus des stets frech und provozierend auftretenden Juden Levy angegriffen und den Juden aufgefordert, sofort mit seiner Familie Dahn zu verlassen. Einige Burschen schafften ihn später mittels Kraftwagen nach Pirmasens. Im weiteren Verlauf der Aktion drangen einzelne Leute in das Judenhaus ein und entwendeten Lebensmittel und andere Gegenstände. 3 Personen mußten deshalb in Haft genommen werden. ...”

Über das Schicksal der Dahner Juden liegen kaum gesicherte Informationen vor; im Zuge der Räumung des grenznahen Raumes (der sog. „Roten Zone”) Anfang September 1939 mussten auch alle jüdischen Bewohner Dahn verlassen. Mindestens 21 gebürtige bzw. länger in Dahn wohnhafte jüdische Bürger wurden Opfer der Shoa.

Jahre nach dem Kriege kehrten zwei jüdische Familien wieder nach Dahn zurück. Synagogen- und Schulgebäude sind baulich erhalten geblieben. An der Außenwand des ehemaligen Synagogengebäudes erinnert seit 1991 eine Gedenktafel an die einstige Nutzung des Hauses; ihr Text lautet:

ZUM GEDENKEN

AN UNSERE JÜDISCHEN MITBÜRGER

Sie hatten bei uns über 200 Jahre ihre Heimat, bis sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurden.

Viele von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet.

An dieser Stelle erbauten Juden 1815 ihre erste Synagoge.

Sie wurde 1872 durch dieses Gebäude ersetzt, das bis 1938 der jüdischen Kultusgemeinde als Gebetshaus gedient hat.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2080/Dahn%20Synagoge%20200.jpgAufn. J. Hahn

2006/2007 wurden mehr als 20 sog. „Stolpersteine“ in Dahn verlegt.


 Stolpersteine“ für Familie Levy (Grabenstraße) und für das Ehepaar Katz (Marktstraße), Aufn. J. Hahn, 2006

 

Im Wasgau gab es noch drei weitere jüdische Gemeinden: in Busenberg, Erlenbach und Vorderweidenthal.

[vgl. Busenberg und Erlenbach (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Hermann Arnold, Juden in der Pfalz - Vom Leben pfälzischer Juden, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1986

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße, 1988, S. 64 - 66

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße, 1992

Otmar Weber, Zehn Tage mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern unterwegs. Gedanken zum Heimattreffen ehemaliger jüdischer Mitbürger in Dahn Juli 1991, in: Beiträge zur Jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz, Nr.3/1992, S. 45 f.

Ottmar Weber, Die Dahner Synagoge. Ein erhaltenswertes jüdisches Kulturdenkmal im Wasgau, Dahn 1993

Otmar Weber, Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte ... Der jüdische Friedhof Busenberg - Die zentrale Begräbnisstätte im Wasgau, Dahn 1998

Dahn, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 132/133

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 255 ff.

Otmar Weber, Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische Kulturdenkmäler im Wasgau. Synagoge in Dahn - Mikwe und Friedhof in Busenberg, Dahn 2006

Otmar Weber, Es geschah vor 70 Jahren – Die Reichspogromnacht in Dahn, Selbstverlag 2008

www.swr.de/swr2/stolpersteine/orte/akustische-stolpersteine-dahn

Auflistung der in Dahn verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Dahn