Friesen (Oberfranken/Bayern)

Datei:Kronach in KC.svg Nur wenige Kilometer nordöstlich von Kronach liegt die Ortschaft Friesen mit derzeit ca. 1.000 Einwohner, die seit 1978 der Stadt Kronach eingemeindet ist (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Im Dorf Friesen existierte ab dem ausgehenden 17.Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Die unter den Herren von Gailsdorf hier angesiedelten Juden besaßen in den 1730er Jahren sieben Häuser, eine Synagoge und eine „Judentauche“ (Mikwe). Die Einweihung der Synagoge erfolgte 1756; darüber hieß es: „Im Jahre 1756 fand daselbst eine Synagogenweihe statt. Der Vorsteher Salomon Simon, … , ließ durch den Schulmeister von Friesen den Stadtpfarrer von Kronach viermal um die Erlaubnis bitten, unter Begleitung von Musikanten an einem Sonntag 'ihre 10 geboth' (Anm.: die Thorarollen) in solenner Prozession durch das Dorf in die Schul (Anm.: Synagoge) tragen zu dürfen, was ihm aber jedes Mal verweigert wurde. Der Vorsteher schwindelte nun, so wenigstens erzählt der Bericht, dem Stadtvogt Heeger vor, der Pfarrer hätte unter Weglassung der Musik die Abhaltung der Prozession gestattet, worauf dieselbe denn auch unter Begleitung des zum Schutze bestellten Amtsknechtes stattfand. … Zugleich aber wurde beschlossen, in Rücksicht darauf, daß die neue Judenschule in Friesen der katholischen Kirche viel zu nahe gelegen und das Schreien der Juden in der Kirche gehört werde, die Synagoge in ein weiter entferntes Judenhaus zu verlegen. Diese Beschlüsse wurden vom Fürstbischof in Würzburg am 16. Oktober 1757 bestätigt." (aus: Adolf Eckstein, Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, Bamberg 1898, 134/135 )

Dass dieser Beschluss dann wirklich realisiert wurde, kann nicht nachgewiesen werden.

           Stellenanzeige aus der Zeitschrift Der Israelit“ vom 5.April 1865

Ein eigenes Beerdigungsgelände war nicht vorhanden; Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Küps begraben.

Die Gemeinde unterstand dem Distriktrabbinat Redwitz.

Juden in Friesen:

--- um 1755 ..................... ca. 20 jüdische Haushaltungen,

--- um 1825 ..................... ca. 70 Juden (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1840 ...........................  92  "    (ca. 13% d. Bevölk.),

--- um 1855 ..................... ca. 70  "  ,

--- 1875 ............................ 13  "  ,

--- 1880 ............................ 10  "    (in drei Familien),

--- 1895/1900 ....................... ein "  .

Angaben aus: Eva Groiss-Lau, Friesen, in: Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken ..., S. 164 f.

Ihren zahlenmäßigen Höchststand (ca. 120 - 140 Angehörige) hatte die in Friesen beheimatete religiös-orthodoxe Gemeinde um die Mitte des 18.Jahrhunderts erreicht; damals war fast jeder vierte Dorfbewohner jüdischen Glaubens. Die jüdischen Familien lebten vom Handel, insbesondere vom Schnittwaren- und Viehhandel; in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es auch einzelne Handwerker.

Innerhalb nur weniger Jahrzehnte löste sich die Gemeinde völlig auf (um 1890), nachdem nach Außerkraftsetzung des Matrikelparagraphen (1861) die meisten Familien ins nahe Kronach verzogen waren. 1910 starb der letzte in Friesen beheimatete jüdische Bewohner.

Das heute noch als Wohnhaus genutzte Synagogengebäude (Moschaweg) ging zunächst in den Besitz der Israelitischen Gemeinde Kronach über, um 1920 dann in Privatbesitz. 

Das Gebäude - in der Bayerischen Denkmalliste verzeichnet – wurde in den vergangenen Jahren renoviert, sodass es sich heute in sehr gutem Zustand befindet.

Einstiges Synagogegebäude in Friesen (Aufn. J. Hahn, 2007) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2097/Friesen%20Synagoge%20502.jpg

vgl. Kronach (Oberfranken)

Weitere Informationen:

Adolf Eckstein, Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, Bamberg 1898, 134/135

J.Böhnlein/M.Kramarz/u.a., 650 Jahre Friesen - Die Geschichte einer Frankenwaldgemeinde, Kronach 1978

Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942). Ein historisch-topographisches Handbuch, Bayrische Verlagsanstalt Bamberg, Bamberg 1988, S. 164 - 172

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 220

A. Hager/H.-Chr. Haas, Kronach, in: Mehr als Steine ... Synagogengedenkband Bayern, Band 1, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg/Allgäu 2007, S. 178 f.

Friesen (Oberfranken), in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Hans Götz (Red.), Der Friesener Moschaweg. 250 Jahre deutsch-jüdische Ortsgeschichte, in: Cranach. Zeitschrift des Vereins "1000 Jahre Kronach" e.V., No. 44/2011, S. 20 - 22