Großsteffelsdorf/Rimavská Sobota (Slowakei)

Bildergebnis für rimavska sobota mapa Die unter der deutschen Bezeichnung geführte Stadt Großsteffelsdorf ist das slowak. Rimavská Sobota (ung. Rimaszombat), das nahe der ungarischen Grenze gelegen ist und derzeit ca. 24.000 Einwohner zählt (Karte ?, aus: wikipedia.org, CC BA-SA 3.0).

Jüdische Erstansiedlung erfolgte hier gegen Mitte des 19.Jahrhunderts, nachdem die Zuwanderung in städtische Siedlungen erlaubt worden war. In den Zeiten zuvor hatten sich jüdische Handelstreibende nur an den Markttagen in der Stadt aufhalten dürfen und mussten dann nach Tätigung ihrer Geschäfte wieder in ihre Wohnsitze umliegender Dörfer zurückkehren.

Durch zahlreiche Zuzüge – die meisten kamen aus dem Dorf Janos, in dem sich der jüdische Friedhof der Region befand - bildete sich zu Beginn der 1850er Jahre eine organisierte, später relativ große Gemeinde, die im Jahre 1868 ihre Synagoge einweihte. Mehrheitlich war die jüdische Bevölkerung der orthodoxen Richtung zugewandt.

Jüdische Kinder besuchten - zusammen mit allen anderen - die lokale Elementarschule; eine eigene Religionsschule öffnete im ausgehenden 19.Jahrhundert ihre Pforten.

       Synagoge in Großsteffelsdorf Bildergebnis für rimavska sobota synagoga (hist. Aufn., aus: rimava.sk)

Zur Gemeinde gehörten auch die jüdischen Bewohner umliegender Dörfer.

Juden in Großsteffelsdorf (Rimavská Sobota):

--- 1869 ........................ 278 Juden,

--- 1900 ........................ 595   “  ,

--- 1930 ........................ 816   “  ,

--- 1941 ........................ 635   “  .

Angaben siehe: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), S. 1083

Die hier lebenden Juden besaßen in der Stadt zahlreiche Geschäfte/Unternehmen (im Handel und Handwerk) und vier Fabriken; auch in freien Berufen waren Juden tätig. Zudem zeichneten sich einige Juden durch ihr Engagement im öffentlich-sozialen Leben aus.

Im Jahre 1918 kam es in Großsteffelsdorf/Rimavská Sobota zu antijüdischen Ausschreitungen, bei denen Personen angegriffen und ihr Eigentum geplündert wurde.

Zionistische Ideen fielen besonders bei der Jugend auf fruchtbaren Boden; so entstand hier auch ein Ausbildungslager für auswanderungswillige Juden.

Nach der Annexion durch Ungarn (Nov. 1938) wurden die jüdischen Geschäfte geschlossen und die Männer zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Ab Frühjahr 1942 richteten die Behörden ein Ghetto ein; über Mischkolz (Miskolc) wurden die allermeisten Großsteffelsdorfer Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert; insgesamt wurden mehr als 600 Personen Opfer der "Endlösung".

Überlebende gründeten nach dem Krieg eine neue Gemeinde, die aber nur wenige Jahre Bestand hatte, da die meisten ihrer Angehörigen in den neugegründeten Staats Israel emigrierten.

In den 1980er Jahren wurde das Synagogengebäude abgerissen; zu dieser Zeit lebten nur noch sehr wenige Personen mosaischen Glaubens in der Stadt.

Takto vyzerala rimavskosobotská synagóga, ktorú v roku 1978 zbúrali. Synagogengebäude kurz vor dem Abriss 1978 (aus: Archiv, pluska.sk)

Auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Holocaust.

Zudem findet man seit 2005 ein weiteres Denkmal inmitten der Stadt, das der ausgelöschten israelitischen Gemeinde gewidmet ist.

File:Rimavská Sobota - Pamätník obetiam holokaustu.jpg Aufn. Ladislav Luppa, 2013, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

Weitere Informationen:

The Jewish Community of Rimavská Sobota, Hrg. Beit Hatfutsot -The Museum of Jewish People (Hrg.), online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/rimavska-sobota (von 1996)

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1083

Maros Borský, Synagogue Architecture in Slovakia towards creating a memorial landscape of lost community, Dissertation (Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg), 2005, S. 194