Ebelsbach (Unterfranken/Bayern)

Ebelsbach ist eine Kommune mit derzeit ca. 3.800 Einwohnern im unterfränkischen Landkreis Haßberge.

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde reichen bis ins 15.Jahrhundert zurück, als hier einzelne jüdische Familie sich unter dem Schutz der Adelsfamilie Rotenhan ansiedelten. Als ihre Behausung diente der um 1500 errichtete „Judenhof“ in der Nähe des Schlosses.

Bei der Erstellung der Matrikellisten (1817) wurden in Ebelsbach 30 Familienvorstände aufgenommen; im Schnittwaren- und Viehhandel bestritten die meisten Familien damals ihren Lebensunterhalt.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörten eine um 1715 erbaute Synagoge, ein Gemeindehaus mit Schulraum und ein um 1840 errichtetes Ritualbad.

Zur Besorgung religiöser Aufgaben hatte die Gemeinde (bis gegen Ende des 19.Jahrhunderts) einen Lehrer angestellt.

Ihre Verstorbenen begrub die Judenschaft auf dem Anfang des 18.Jahrhunderts angelegten jüdischen Verbandsfriedhof in Limbach, der auch Verstorbene aus Eltmann, Knetzgau und Westheim aufnahm. Die letzte Bestattung fand hier 1938 statt. Auf dem ca. 3.000 m² großen Begräbnisgelände haben mehr als 150 Grabsteine die Zeiten überdauert.

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2097/Limbach%20Friedhof%20205.jpg

Ansichten des jüdischen Friedhofs in Limbach (beide Aufn. J. Hahn, 2007)

Die Gemeinde gehörte dem Distriktrabbinat Schweinfurt an.

Juden in Ebelsbach:

         --- um 1685 ...............   4 jüdische Familien,

    --- um 1700 ........... ca.  25 Juden,

    --- 1723 ..................   2 jüdische Familien,

    --- 1813 .................. 114 Juden (ca. 30% d. Dorfbev.),

    --- 1825 .............. ca.  50   “ (?),

    --- 1853 .................. 144   “  ,

    --- 1867 ..................  93   "   (ca. 20% d. Dorfbev.),

    --- 1875 ..................  77   “  ,

    --- 1900 ..................  80   “  ,

    --- 1910 ..................  34   “  ,

    --- 1925 ..................  23   “   (ca. 4% d. Dorfbev.),

    --- 1933 ..................  27   “  ,

    --- 1938 (Dez.) ...........   2   “  ,

    --- 1939 (Apr.) ...........   keine.

Angaben aus: Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945, S. 284

und                 Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge

Ihren zahlenmäßigen Höchststand hatte die Kultusgemeinde gegen Mitte des 19.Jahrhunderts erreicht; danach wanderten immer mehr Juden ab, verstärkt noch nach 1900. Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch einige jüdische Familien in Ebelsbach.

Während des Novemberpogroms räumten SA-Angehörige die Synagoge aus und verbrannten Inventar und Bücher auf dem Vorplatz; wertvolle Ritualgegenstände waren zuvor von der Polizei beschlagnahmt und nach Schweinfurt überstellt worden. (Anm.: Die Synagoge war bereits 1935 aufgegeben und später (?) verkauft worden.) Die letzten verbliebenen Ebelsbacher Juden verließen in den Wochen nach den Novemberereignissen das Dorf.

Einige Mauerreste erinnern heute noch an das einstige, Anfang der 1960er Jahre abgerissene Synagogengebäude. Eine Gedenktafel - angebracht auf einem Felsblock - erinnert mit den folgenden Worten:

Zum Gedenken

an die jüdische Gemeinde unseres Ortes, die seit dem 18.Jahrhundert ansässig war.

Hier gab es eine Synagoge,

ein Ritualbad sowie ein Gemeindehaus mit Schulraum für den Religionsunterricht.

Während der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verließen die letzten Ebelsbacher Juden 1939 den Ort. Wieviele von ihnen in den Konzentrationslagern umkamen, ist nicht bekannt.

       Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung.

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 284/285

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 51

Michael Trüger, Der jüdische Friedhof in Limbach, in: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern, Nr. 64/Dez. 1994, S. 24

Theodor Harburger, Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, Band 2: Adelsdorf - Leutershausen, Hrg. Jüdisches Museum Franken - Fürth & Schnaittach, Fürth 1998, S. 167 - 170

Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge, Hrg. Landratsamt Hassberge, Hassfurt 1998

Ebelsbach, in: alemannia-judaica.de

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13, Würzburg 2008, S. 112/113

Lothar Mayer, Jüdische Friedhöfe in Unterfranken, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, S. 112 –115 (zahlreiche Fotos des Friedhofs in Limbach)