Eckartshausen (Hessen)

Eckartshausen gehörte anfänglich zur Grafschaft Ysenburg-Meerholz und ab 1816 zu Hessen; heute ist es ein Ortsteil der Stadt Büdingen - im südöstlichen Wetterau-Kreis gelegen.

Ansiedlungen von Juden lassen sich in Eckartshausen bis ins 18.Jahrhundert zurückverfolgen; allerdings setzte sich die hiesige Dorfjudenschaft stets nur aus einer kleinen Anzahl von Familien zusammen. Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden in einem Betraum statt, der sich in einem Fachwerkhaus befand und ca. 35 Personen Platz bot.

                            Gebäude mit ehem. Betraum (Aufn. um 1985, Th. Altaras)

Der jüdische Friedhof, der auch als Beerdigungsstätte für die naheliegenden Ortschaften Altwiedermus, Himbach und Langenbergheim diente, wurde vermutlich zu Beginn des 19.Jahrhunderts angelegt. 

Die kleine Kultusgemeinde unterstand dem Provinzrabbinat Gießen.

Juden in Eckartshausen:

        --- um 1830 ................ 30 Juden,

    --- 1860 ................... 30   “  ,

    --- 1880 ................... 18   “  ,

    --- 1905 ................... 19   “  ,

    --- 1924 ................... 14   “  ,

    --- um 1933/35 .............  4 Familien,

    --- 1940 ...................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 148                      

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20297/Eckartshausen%20Israelit%2011041904.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20323/Eckartshausen%20FrfIsrFambl%2015021907.jpg zwei gewerbliche Anzeigen von 1904/1907

Anfang der 1930er Jahre lebten noch vier jüdische Familien in Eckartshausen, die aber bis Kriegsbeginn den Ort verließen und emigrierten.

Der südwestlich des Ortes liegende jüdische Friedhof weist heute ca. 80 bis 90 Grabsteine auf, die neben Verstorbenen aus Eckartshausen auch an die aus Altwiedermus, Langen-Bergheim und Himberg erinnern.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20389/Eckartshausen%20Friedhof%20IMG_6833.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Hessen01/Eckartshausen%20Friedhof%20050.jpg

Teilansicht des jüdischen Friedhofs Eckartshausen im Sommer und im Winter (Aufn. J. Hahn, 2015 bzw. Götz Emmrich, um 2005)

Eine Gedenktafel am „alten Rathaus“ erinnert an die Opfer der NS-Herrschaft. Zudem sind sog. „Stolpersteine“ im Ort verlegt, die den jüdischen Opfern gewidmet sind.

Auf der unmittelbar bei Altwiedermus liegenden Ronneburg lebten bis Anfang des 19.Jahrhunderts jüdische Familien, z.T. sephardischer Herkunft. Sie unterstanden bis 1816 dem Schutz der Ysenburger Herrschaft; noch um 1810/1820 sollen hier mehr als 70 Juden gewohnt haben und bildeten eine eigene Gemeinde. Mit der Auflösung der Ortsgemeinde Ronneburg gehörte das Gebiet nun zu Altwiedermus; allerdings waren die meisten jüdischen Familien inzwischen abgewandert. Die winzige Gemeinde in Altwiedermus hatte im 19.Jahrhundert stets kaum 30 Personen gezählt. Seit 1873 gab es im Dorf ein Bethaus; zuvor waren gottesdienstliche Zusammenkünfte in privaten Räumlichkeiten abgehalten worden. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten noch sechs jüdische Familien in Altwiedermus; wenige Jahre später löste sich die kleine Gemeinde ganz auf.

Am Fuße der Ronneburg erinnert heute noch ein altes Begräbnisgelände mit ca. 15 alten Grabsteinen an früheste jüdische Ansiedlung. Ab ca. 1850 wurden Verstorbene aus Altwiedermus dann auf dem jüdischen Friedhof in Eckartshausen beigesetzt.

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Beerdigungsgelände in Altwiedermus (Aufn. J. Hahn, 2009)

Am Gebäude des ehem. jüdischen Bethauses in Altwiedermus (Aufn. J. Hahn 2009), das noch vor der „Reichskristallnacht“ in private Hand übergegangen war und deshalb unzerstört blieb, ist eine Informationstafel zu dessen Geschichte angebracht:

Ehemalige Synagoge Altwiedermus. Diese Synagoge steht unter dem Denkmalschutz des Landes Hessen! Sie wurde während der Zeit der Reichsgründung 1871 erbaut. Mit einer Grundfläche von ca. 5 x 6 m ist sie eine der kleinsten Synagogen im Lande. Sie war der Ort des Gebetes der jüdischen Gemeinde und gleichzeitig 'Schul'. Im Innern befand sich der Betsaal mit den Männersitzplätzen. Eine Tür auf Sockelhöhe war einst der Eingang zu den Frauenplätzen. Ein rechteckiges Becken aus Naturstein im Boden, vermutlich eine Mikwe (Ritualbad), wurde nach dem Krieg zugemauert. Im August 1938 wurde in der Naziherrschaft die jüdische Gemeinde aufgelöst und das Gebäude verkauft.  Geschichts- und Heimatverein Ronneburg e.V." 

2012 wurden in Altwiedermus fünf sog. „Stolpersteine“ verlegt.

vgl. Altwiedermus (Hessen)

siehe auch: Hüttengesäß (Hessen)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 38/39 (Altwiedermus) und S. 148/149 (Eckartshausen)

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, o.O. 1988, S. 147/147 und Teil II (1994), S. 134

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt, 1995, S. 314  

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 36 (Altwiedermus) und S. 354 (Eckartshausen)

Eckartshausen, in: alemannia-judaica.de

Verlegung von “Stolpersteinen” in Düdelsheim und Eckartshausen, in: jungborn-buedingen.de vom 12.6.2011