Ediger (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für ediger karte postleitzahl Ediger-Eller ist heute eine Ortsgemeinde mit ca. 1.000 Einwohnern im Landkreis Cochem-Zell und gehört der Verbandsgemeinde Cochem an (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Jüdische Händler sollen sich bereits zu Beginn des 17.Jahrhunderts auf dem Markt in Ediger aufgehalten haben. Das geht aus der "Judenordnung" des Kurfürsten Phillip Christoph von 1624 hervor. Dauerhaft siedelten sich Juden aber vermutlich erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges in Ediger an; ein erster Beleg dafür stammt aus dem Jahre 1663. Die winzige jüdische Gemeinschaft in Ediger, die in den 1850er Jahren mit ca. 20 Personen ihren Höchststand erreichte, gehörte seit 1847 zum Synagogenbezirk Cochem; die Juden von Ediger, Bremm, Nehren und Senhals bildeten zusammen die Filialgemeinde Ediger. Ursprünglich befand sich die „Judenschule“ in einem Hause in der "Judengasse", der heutigen Rathausstraße; um 1850 wurde eine neue Synagoge im neugotischen Stil errichtet, die den jüdischen Bewohnern der vier oben genannten Orte als religiöses Zentrum diente. Wenige Jahrzehnte später baute man eine Frauenempore ein; aus dieser Zeit stammt auch die bunte Fensterverglasung.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20239/Ediger%20Synagoge%20212.jpgSynagoge Ediger, Skizze (Bürgerverein Synagoge Ediger e.V.)

Die Judenschaft Edigers verfügte über keinen eigenen Begräbnisplatz; ihre Toten begrub die Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof in Beilstein.

Juden in Ediger:

         --- 1773 .........................  7 Juden,

    --- 1808 ......................... 10   “  ,

    --- 1858 ......................... 21   “  ,

             ......................... 45   “  ,*   * Landbürgermeisterei Eller

    --- 1895 .........................  8   “  ,

    --- um 1915 ......................  3 jüdische Familien,

    --- 1925 .........................  9 Juden,

    --- 1933 .........................  5   “  ,

    --- 1939 .........................  4   “  ,

    --- 1943 .........................  keine.

Angaben aus: Angelika Schleindl, Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts bestritten die drei in Ediger lebenden jüdischen Familien ihren Lebensunterhalt im Einzelhandel.

Während der 1930er Jahre lebte dann nur noch eine einzige jüdische Familie in Ediger. Beim Pogrom im November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert; auch Schulkinder sollen sich an der Schändung des Gotteshauses beteiligt haben. Das Gebäude selbst ging wenig später in Privathand über. Die letzten vier in Ediger lebenden Juden wurden im Jahre 1942 deportiert und ermordet. An sie erinnert heute eine in der Friedhofskapelle angebrachte Gedenktafel.

1999 gründete sich der „Bürgerverein Synagoge Ediger e.V.“, der sich um die Wiederherstellung des über 100 Jahre alten Synagogengebäudes bemühte und zu diesem Zwecke das Gebäude 2003 ankaufte. In den Folgejahren wurde - außen und innen – die Restaurierung des Hauses betrieben. 2010 konnte das einstige Synagogengebäude als "Haus der Psalmen" eröffnet werden. Seither dient es als „Stätte des Gedenkens und der Besinnung sowie der respektvollen Begegnung im Bewusstsein der gemeinsamen Wurzeln jüdischen und christlichen Glaubens“.

  Ehem. Synagoge (Aufn. RomkeHoekstra, 2015, wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

In der Genisa der alten Synagoge wurden u.a. Fragmente jüdischer Gebetsbücher, illustrierte Schriften, Torawimpel entdeckt. Ein Teil der gefundenen wertvollen Stücke befindet sich heute in Trier.

Eine Gedenktafel erinnert heute in beiden Ortsteilen an die in der NS-Zeit ermordeten vier Gemeindeangehörigen der Familie Mayer.

Weitere Informationen:

Wolfgang Wolpert, 1350 Jahre Ediger-Eller. Ein historischer Überblick, in: Kulturausschuß des Heimat- u. Verkehrsvereins, Festschrift 1350 Jahre Ediger-Eller a. d. Mosel 1989, S. 13 - 20

Annegret Holl, Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung von Ediger im 19. und 20.Jahrhundert, Facharbeit im Fach Geschichte 1988/89, Gymnasium Cochem (Abdruck auch im Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell 1991, S. 88 ff.)

Angelika Schleindl, Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell, Briedel 1996

Wolfgang Wolpert, "Wisse, vor wem du stehst !" Ein hundertjähriges Zeugnis des Judentums aus Ediger, in: Freiburger Rundbrief 1/1997, S. 41 f.

Wolfgang Wolpert, Betreffend Abrahamen Juden in Ediger - Die ersten Vertreter jüdischer Bevölkerung seit 1663, in: Jahrbuch Kreis Cochem-Zell 1998, S. 114 - 118

Wolfgang Wolpert, Eine Illustration zur jüdischen “Fastnacht” aus Ediger, in: Jahrbuch Kreis Cochem-Zell 2001, S. 105

Ediger mit Eller sowie Bremm, Nehren und Senhals, in: alemannia-judaica.de

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 143/144

Rainer Pellenz, Die Bremmer Juden und die Synagoge von Ediger, in: bremm.info/historia/juden

Wolfgang Wolpert (Bearb.), Informationsflyer des Bürgervereins Synagoge Ediger e.V.