Egeln (Sachsen)

Bildergebnis für egeln karte postleitzahl Das kleine Bördestädtchen Egeln mit seinen gegenwärtig ca. 3.500 Einwohnern liegt ca. 30 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Magdeburg (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Bereits im Spätmittelalter sollen sich in Egeln Juden aufgehalten haben bzw. hier ansässig gewesen sein.

Anfang der 1850er Jahre erbaute die kleine jüdische Gemeinde eine Synagoge, die östlich des historischen Ortskerns stand und auch eine Frauenempore besaß.

                  Synagoge in Egeln (Computersimulation, Vladimir Levin)

Gemeinsam mit den jüdischen Familien aus Hadmersleben, Kroppenstedt und Seehausen hatte man um 1855 eine Synagogengemeinde gebildet.

Ein eigenes, am östlichen Ortsrand gelegenes Friedhofsgelände stand verstorbenen Gemeindeangehörigen seit Anfang des 19.Jahrhunderts zur Verfügung; es wurde bis 1920 belegt.

Im ersten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts lebten ca. 25 Juden in Egeln; die Anzahl blieb bis 1933 nahezu konstant.

Dieses Bild zeigt die Normaluhr an der Ecke Breiteweg-Eingang Markt. Sie war für die Egelner früher ein beliebter Treffpunkt. In der Bildmitte sieht man den Markt und das Rathaus. Foto: privat Markt u. Rathaus in Egeln, um 1920 (Aufn. aus: „Volksstimme“ vom 3.9.2011)

Während der „Kristallnacht“ wurde das vermutlich bereits nicht mehr benutzte Synagogengebäude verwüstet, doch blieb dessen Bausubstanz erhalten, weil ein Abriss nicht erfolgen konnte, da ein benachbarter Landwirt die Zufahrt zum Synagogengrundstück verwehrt hatte. Die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof wurden teilweise zerstört.

Nach Kriegsende diente das einstige Synagogengebäude jahrzehntelang als Lagerraum; gegen Ende der 1970er Jahre wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. Seit 2004 erinnert ein Gedenkstein an die ehemalige jüdische Gemeinde; zukünftig ist auch eine Inschriftentafel geplant.

Von dem mit einer Mauer umgebenen jüdischen Friedhof - an der Straße „Am Hunnengraben“ nahe des Schützenplatzes - zeugen heute nur noch ca. 20 bis 25 Grabsteine; zudem sind noch Relikte zerschlagener Steine zu finden.

        Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof zu Egeln (Aufn. H.-P. Laqueur, 2007)

 

In Kroppenstedt – ca. zehn Kilometer westlich von Egeln – weist ein kleinflächiges Friedhofsareal darauf hin, dass im Ort ehemals eine kleine jüdische Gemeinschaft gelebt hat. Diese israelitische Begräbnisstätte - unweit des kommunalen Friedhofs - soll um 1800 angelegt worden sein. Während der NS-Zeit wurden die Grabsteine entfernt; ein in den 1960er Jahren gesetzter Gedenkstein erinnert an den „Guten Ort“.

Weitere Informationen:

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 319

Aliza Cohen-Mushlin/Harmen Thies, Synagogenarchitektur in Deutschland vom Barock zum ‘Neuen Bauen’. Dokumentation zur Ausstellung, Selbstverlag TU Braunschweig, Fachgebiet Baugeschichte, 2002, S. 74/75

Auskunft von Uwe Lachmuth, Museum Egeln

Der jüdische Friedhof in Egeln, in: alemannia-judaica.de (mit Bildern)

Nadja Bergling (Red.), Bauer rettet Synagoge vor den Flammen, in: „Volksstimme“ vom 3.9.2011

Nadja Bergling (Red.), Pogromnacht 1938 löscht das jüdische Leben …, in: „Volksstimme“ vom 10.11.2011

Nadja Bergling (Red.), „Erst der Niedergang eines Landes eröffnete ...“, in: „Volksstimme“ vom 9.11.2013