Eich (Rheinland-Pfalz)

Datei:Verbandsgemeinden in AZ.svg Eich ist eine rheinhessische Kommune mit derzeit ca. 3.300 Einwohnern im Landkreis Alzey-Worms und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Wurzeln der kleinen jüdischen Gemeinde im pfälzischen Dorf Eich, nördlich von Worms gelegen, reichen vermutlich bis um 1700 zurück.

Da die Zahl der jüdischen Einwohner in Eich zunächst nicht zur Bildung einer selbstständigen Kultusgemeinde ausreichte, waren die hier lebenden Familien im 19. Jahrhundert der Nachbargemeinde Hamm angeschlossen bzw. bildeten zu dieser eine Filialgemeinde.

Nachdem dann um 1870/1875 im nahen Gimbsheim eine autonome Gemeinde gebildet worden war, schlossen sich die Eicher Juden dieser als Filialgemeinde an.

Zusammen mit den jüdischen Einwohnern des nahen Dorfes Hamm errichtete die hiesige Judenschaft 1890 ein bescheidenes Synagogengebäude in der Altrheinstraße, das von der Kommune mitfinanziert worden war. Auf dem Giebel des Backsteinbaus befanden sich die beiden Gebotstafeln.

                                

Front des Synagogengebäudes (Aufn. aus: Arnsberg, um 1970 und G.Hannah, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts bildeten Eich, Alsheim, Gimsheim und Hamm einen gemeinsamen Unterrichtsbezirk; so wurden die jüdischen Kinder aus Eich vom Lehrer in Alsheim unterrichtet.

 

Stellenangebote aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 7.6.1865 und 20.6.1889

Die jüdischen Friedhöfe in Osthofen bzw. Alsheim dienten den verstorbenen Juden aus Eich als letzte Ruhestätte.

Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Worms.

Juden in Eich:

         --- 1722 .........................   4 jüdische Familien,

    --- 1745 .........................   3     "        "    ,

    --- 1804 .........................  14 Juden,

    --- 1830 .........................  19   “  ,

    --- 1861 .........................  17   “  ,

    --- 1880 .........................  23   “  ,

--- 1890 .........................  38   “  ,

    --- um 1900 .................. ca.  50   “  ,*   * ’Gemeinde Eich-Hamm’

    --- 1910 .........................  40   "  ,

    --- 1924 .........................  38   "   (ca. 2% d. Bevölk.)

    --- 1933 .........................  35   “  ,

    --- 1934 (Dez.) ..................  12   “  ,

    --- 1937 (Dez.) ..................   ein “ ().

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “ , S. 144

Die Synagoge wurde bis Anfang der 1930er Jahre genutzt; nachdem 1934/1936 fast alle jüdischen Bewohner ihr Heimatdorf verlassen hatten, wurde das Gebäude verkauft; es wurde danach als Lagerraum genutzt und dient heute Wohnzwecken.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20127/Eich%20Israelit%2005111935.jpgNotiz in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Nov.1935

Von den gebürtigen jüdischen Bewohnern Eichs sind nachweislich vier Personen Opfer der Shoa geworden.

Die Gebotstafeln haben ihren alten Platz auf dem Giebel des ehemaligen Synagogengebäudes.

                                  Gebotstafeln auf dem Dachfirst (Aufn. ? , 2010)

[vgl. Alsheim (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag Frankfurt 1971, Bd. 1, S. 151

Günter Reich, Jüdische Familien in Alsheim, Eich (Rhh.), Gimsheim, Hamm a.Rh. und Mettenheim von 1529 – 1939, Selbstverlag, Eich o.J.

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 144/145

Eich mit Hamm am Rhein, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

W. Bürkle/G. Hannah/H.-D. Graf (Red.), Sturm mit Äxten und Pistolen, in: „Allgemeine Zeitung Mainz“ vom 27.1.2016 (betr. Hamm)

G. Hannah/M. Graf/H.-D. Graf, Die Juden vom Altrhein: Biografische Dokumentation von den Anfängen bis zum Holocaust und dem Weiterleben in der Emigration, hrg. von den evangelischen Kirchengemeinden und den katholischen Pfarrgemeinden Hamm, Eich und Gimbsheim, Mainz 2018

Sanford Jacoby (Red.), Die ehemalige Synagoge in Eich: „Schockiert und traurig“, in: „Wormser Zeitung“ vom 1.3.2019

Pascal Widder (Red.), Die ehemalige Synagoge in Eich: Verfall eines Gotteshauses, in: „Wormser Zeitung“ vom 1.3.2019