Eisgrub (Mähren)

Die südmährische Ortschaft Eisgrub an der Thaya - im Grenzgebiet zu Österreich gelegen - ist das heutige tschechische Lednice mit kaum mehr als 2.000 Einwohnern.

In der seit 1629 zur Marktgemeinde erhobenen südmährischen Ortschaft Eisgrub sollen bereits im 14.Jahrhundert vereinzelt jüdische Familien Schutz unter der Herrschaft der Grafen von Liechtenstein gefunden haben.Die erste authentische Nachricht über die Existenz von Juden in Eisgrub taucht aber erst in einer christlichen Gemeinderechnung aus den Jahren 1592/1593 auf. Zur Bildung einer Gemeinde soll es in den 1670er Jahren gekommen sein, als aus Wien und Niederösterreich vertriebene jüdische Familien in Eisgrub Aufnahme erhielten und sich hier dauerhaft ansiedelten. In der Folgezeit besaß die jüdische Kultusgemeinde auch den Status einer selbstständigen politischen Gemeinde, der erst 1920 verloren ging. Über die Geschichte der Judengemeinde liegen nur wenige schriftliche Unterlagen vor, da häufige Brände die Aufzeichnungen vernichtet hatten. Die Eisgruber Judengemeinde unterhielt einen eigenen Rabbiner und Vorbeter. Zu den Kultuseinrichtungen gehörten eine Synagoge, eine Religionsschule, ein Friedhof und eine Mikwe. Zu hohen Feiertagen suchten auch die jüdischen Bewohner von Bischofswarth, Feldsberg, Prittlach, Pulgram, Seitz und Voitelsbrunn den Betsaal in Eisgrub auf.

Juden in Eisgrub:

        --- um 1800 ......................   30 jüdische Gewerbetreibende,

    --- um 1890 .................. ca.  160 Juden,

    --- 1900 .........................  142   “  ,*        *Einwohner der politischen jüdischen Gemeinde

             .........................   88   "  ,

    --- 1910 ..................... ca.  100   “  ,

    --- um 1925 ......................   10 jüdische Familien.

Angaben aus: Hugo Gold (Hrg.), Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens

http://www.europas-mitte.de/smpk/ei0022.jpg Ortsansicht von Eisgrub (hist. Postkarte)

Ihren Lebensunterhalt bestritten die meisten Juden von Eisgrub als Handwerker und Kaufleute. Um 1800 soll es in der Stadt neben 35 christlichen Gewerbetreibenden auch 30 jüdische gegeben haben. Im Jahre 1890 wurde die Kultusgemeinde Eisgrub aufgelöst und der von Kostel angeschlossen.

[vgl. Kostel (Mähren)]

1920 wurde die über Jahrhundert politisch autonome Judengemeinde Eisgrub gesetzlich aufgehoben und mit der gleichnamigen christlichen Kommune vereinigt. In den 1920er Jahren sollen in Eisgrub noch ca. zehn jüdische Familien gelebt haben.

Während der NS-Okkupation wurde die Synagoge niedergerissen. 

In Lednice sind heute noch Relikte des jüdischen Viertels vorhanden. Von dem im 17.Jahrhundert angelegten Friedhof sind aber kaum Spuren mehr zu finden; an dessen Stelle befindet sich heute eine Grünanlage.

Weitere Informationen:

Hans Hlobil/Ignaz Göth, Eisgrub, in: Sudetendeutsche Heimatgaue 33/1924, Reichenberg 1924

Isidor Herrisch (Bearb.), Geschichte der Juden in Eisgrub, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Verlag, Brünn 1929, S. 193 - 197

Hugo Gold (Hrg.), Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, Tel Aviv 1974, S. 48

Jan Herman, Jewish Cemeteries in Bohemia and Moravia, o.O. 1980