Embken (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Nideggen in DN.svg Embken ist heute ein Stadtteil des in der Eifel gelegenen Nideggen im Kreis Düren – ca. 15 Kilometer südlich der Kreisstadt (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Embken war mit Wollersheim und Berg-Thuir eine der Filialgemeinden im Synagogenbezirk Düren. Ihre Wurzeln liegen gegen Ende des 18.Jahrhunderts; zu Beginn der 1930er Jahre zählte die Gemeinde knapp 70 Angehörige. Seit ca. 1865/1867 stand den jüdischen Bewohnern ein Betraum in einem angekauften Fachwerkhause auf einem Grundstück in der Flur "Im Kirschland" (Neffeltalstraße) zur Verfügung; der Betsaal - mit einer Empore - war immerhin 90 m² groß. Um den Ausbau zum Synagogenraum zu finanzieren, durften die Embker Juden eine Kollekte in den Regierungsbezirken Köln, Aachen und Düsseldorf durchführen. In einer Beschreibung heißt es: „... (Die Synagoge) war einfach, unterschied sich äußerlich nicht von den anderen Häusern des Ortes. Der Giebel des länglichen Gebäudes zeigte zur Straße. Die Umfassungswände waren bis zur Erdgeschoßhöhe aus Bruchsteinmauerwerk, darüber aus Fachwerk. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt. Die Dachhöhe betrug ca. 2,50 m. Einen Keller hatte das Gebäude nicht. Die Giebelspitze zierte der Davidstern. ... Um zum Eingang auf der linken Hausseite zu kommen, mußte man den Straßengraben auf einem Steg überqueren. Der Boden der kleinen Diele, von der zwei Türen abgingen, war geplattet. Durch die rechte Tür betrat man den ... etwa 6 x 15 Meter großen Betraum ... Linke und rechts des mit einem Teppich ausgelegten Mittelganges standen jeweils 5 oder 6 Sitzbänke. Am Kopfende befand sich der Thoraschrein sowie ein Pult ... Kinder und Frauen folgten dem Gottesdienst von einer Empore aus, die man über eine Treppe erreichte, welche sich im Vorraum linke von der Eingangsdiele befand. “ (aus: Franz-Josef Brandenburg, Die Juden von Nideggen, Hrg. Heimat- und Geschichtsverein e.V., 1989, S. 100 f.)

In den 1880er Jahren wurde der jüdische Friedhof am Mühlenberg oberhalb des Neffelbachs angelegt; auf dem kleinen Areal wurden auch Verstorbene aus Berg und Wollersheim begraben.

Juden in Embken:

         --- 1812 ......................... 19 Juden,

    --- 1826 ......................... 23   “  ,

    --- 1857 ......................... 31   “  ,

    --- 1872 ......................... 38   “  ,

    --- 1885 ......................... 59   “  ,

    --- 1895 ......................... 46   “  ,

    --- 1905 ......................... 42   “  ,

    --- 1910/11 ...................... 48   “  ,

    --- 1933 ......................... 43   “  ,*   * andere Angabe: 69 Pers.

    --- 1939 ......................... 16   “  .

Angaben aus: Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederhein seit dem 17. Jh.

und                 Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Reg.bez. Köln, S. 117

Während des Novemberpogroms wurde die Synagoge in Brand gesetzt und mitsamt der Ritualien völlig zerstört; auch am Eigentum der wenigen jüdischen Bewohner vergriffen sich die marodierenden SA-Männer aus dem Dürener Raum.

Mindestens 13 Embkener Juden sollen dem Holocaust zum Opfer gefallen sein.

Seit Mitte der 1980er Jahre erinnert am Rande des Dorfplatzes ein Mahnmal an die jüdischen Opfer der NS-Herrschaft; es trägt unter einem Davidstern die Inschrift:

Unseren jüdischen Mitbürgern

den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 - 1945

zum ehrenden Andenken

Gedenktafel (Aufn. Reinhardhauke, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

2015 wurde eine Gedenktafel am ehemaligen Synagogenstandort enthüllt, die von privater Seite gestiftet worden war. Die Verlegung von ersten sog. „Stolpersteinen“ erfolgte 2015/2016.

Auf dem jüdischen Friedhof sind heute noch ca. 25 mit Steinen markierte Grabstellen erkennbar; etwa die Hälfte weist noch einen Grabstein auf. Der während der NS-Zeit verwüstete Friedhof war auch in den 1980er Jahren mehrfach Ziel von Schändungen.

Embken (Nideggen) Jüdischer Friedhof639.JPG Embken (Nideggen) Jüdischer Friedhof627.JPG Embken Jüdischer Friedhof623.JPG

Drei Grabsteine vom jüdischen Friedhof Embken (Aufn. Reinhardhauke, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

[vgl. Nideggen und Düren (Nordrhein-Westfalen]                            

Weitere Informationen:

Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederrhein seit dem 17.Jahrhundert, Düsseldorf 1972

Franz-Josef Brandenburg, Der Untergang der Embkener Synagogengemeinde, in: Jahrbuch des Kreises Düren 1988, S. 48 - 54

Regina Müller, Um Heimat und Leben gebracht. Zur Geschichte der Juden im alten Landkreis Düren 1830 - 1945, Düren 1989

Ludger Dowe, Die jüdischen Friedhöfe im Kreis Düren, in: Jahrbuch des Kreises Düren 1989, S. 87 - 96

Franz-Josef Brandenburg, Die Juden von Nideggen (hier auch Angaben zu Embken), Hrg. Heimat- und Geschichtsverein e.V., 1989 (Anmerkung: wenig strukturierte Arbeit mit zahlreichen Personenangaben)

Willi Dovern, Juden im Kreis Düren, Teil I: Die ältesten Nachrichten über jüdisches Leben im Kreis Düren, in: Jahrbuch des Kreises Düren, 1993, S. 124 - 134

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, J.P.Bachem Verlag, Köln 1997, S. 117 -120

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag. Bochum 1999, S. 149

Franz-Josef Baumbach, Embken - eine bedeutende Gemeinde am Neffelbach, o.O. 1999

Anneliese Lauscher (Red.), Auf den Spuren der jüdischen Mitbürger von Embken, in: „Aachener Nachrichten“ vom 24.2.2009

Gudrun Klinkhammer (Red.), Nideggen, Embken und Wollersheim: Stolpersteine gegen das Vergessen, in: „Aachener Zeitung“ vom 13.10.2015

Gudrun Klinkhammer (Red.), Nideggen gedenkt: Stolpersteine erinnern an die Schicksale, in: „Aachener Zeitung“ vom 21.6.2016