Eschenau (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für Obersulm baden-württemberg postleitzahl Eschenau mit seinen derzeit ca. 14.000 Einwohnern ist ein Ortsteil von Obersulm im Landkreis Heilbronn - etwa zehn Kilometer östlich der Kreisstadt gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

In dem reichsritterschaftlichen Ort Eschenau, dessen Herrschaft im 17./18.Jahrhundert mehrfach wechselte, siedelten sich seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts einige wenige jüdische Bewohner an. Der erste namentliche bekannte Jude war „Jud Aaron“. Nach vorübergehender Abwanderung ließen sich später erneut mehrere Familien hier nieder. Sie lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen und bestritten ihren Lebenserwerb zumeist als Metzger und „Schacherhändler“.

An Gottesdiensten nahmen die hiesigen Juden zunächst in der Synagoge zu Affaltrach teil; Streitigkeiten führten aber dazu, dass gegen Ende des 18.Jahrhunderts am Ort eine eigene Synagoge in der damaligen Reitgasse (heute Treudlinger Straße) eingerichtet wurde; ihre Nutzung erfolgte bis 1904. Im Gebäude waren auch die Schule und die Lehrerwohnung sowie im Keller ein rituelles Bad untergebracht. Über dem Eingang befand sich ein Holzbalken mit der hebräischen Inschrift: „Und Salomo baute das Haus 1797“.

Eine autonome Kultusgemeinde gründete die Judenschaft Eschenaus aber erst 1849/1850; zuvor gehörten sie als Filialgemeinde der Synagogengemeinde Affaltrach an. Das Verhältnis zwischen Eschenauer und Affaltracher Juden war jedoch stets gespannt, und es kam zu Streitigkeiten, in die auch die jeweiligen Ortsherrschaften verwickelt waren. Seit den 1840er Jahren gab es am Ort eine jüdische Konfessionsschule; in den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts betrieben Eschenau und Affaltrach gemeinsam eine Schule, deren Sitz zunächst in Eschenau, dann in Affaltrach war.

                                 Anzeige vom Juli 1874

Ihre Verstorbenen begruben die Eschenauer Juden auf dem Affaltracher Friedhof.

Juden in Eschenau:

         --- 1725 ...........................   2 jüdische Familien,

--- um 1770 ........................   9     “       “    ,

    --- 1807 ...........................  55 Juden,

    --- 1818 ...........................  73   “  ,

    --- 1845 ........................... 115   “  ,

    --- 1869 ...........................  81   “  ,

    --- 1900 ...........................  19   “  ,

    --- 1933 ...........................   7   “  .

Angaben aus: W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn

Das auch als Schulhaus genutzte Synagogengebäude wurde 1904 veräußert, als die jüdische Gemeinde sich wegen Mitgliedermangels aufgelöst hatte; die noch verbliebenen Personen schlossen sich der Affaltracher Gemeinde an.

                                           aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 30.Nov. 1903

Zu Beginn der NS-Zeit lebten nur noch sieben jüdische Bewohner im Ort; neben der Gastwirtschaft „Rose“ war noch eine Viehhandlung in jüdischem Besitz. Bei Kriegsbeginn war nur eine einzige Jüdin am Ort wohnhaft.

1941/1942 diente das Eschenauer Schloss als Sammelquartier für mindestens 110 hochbetagte Juden, die zumeist aus Stuttgarter Altersheimen hier vorübergehend untergebracht waren. Am 22.August 1942 wurden sie - inzwischen waren elf von ihnen verstorben - mit einem großen Transport nach Theresienstadt deportiert; die allermeisten kamen dort bzw. in den Vernichtungslagern im besetzten Polen ums Leben. Auch in anderen südwestdeutschen Orten wurden „Sammelquartiere“ für ältere Juden/Jüdinnen eingerichtet, so in Haigerloch, Buttenhausen, Jebenhausen und Oberstotzingen; damit sollten die allgemeinen Altersheime „judenrein“ gemacht werden.

Seit 2012 ist in Affaltrach eine neue Dauerausstellung „Jüdisches Zwangsaltenheim Eschenau“ zu sehen, die die Schicksale der alten Menschen nachzeichnet, die 1941/1942 von den NS-Behörden ins Schloss Eschenau zwangsumgesiedelt worden waren.

[vgl. Affaltrach (Baden-Württemberg)]                       

Weitere Informationen:

Paul Sauer, Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale - Geschichte - Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1966, S. 73

Heinrich Noller, Heimatbuch Eschenau, o.O. 1984, S. 330 - 347

Gerhard Wilhelm Daniel Mühlinghaus, Der Synagogenbau des 17. u. 18.Jahrhunderts im aschkenasischen Raum, Dissertation, Philosophische Fakultät Marburg/Lahn, 1986, Band 2, S. 119

W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte - Schicksale - Dokumente, in: Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn, Hrg. Landkreis Heilbronn, 1986, S. 67 - 72

Wo der Tod eine Gnade war - Vom Schloß in Eschenau ins Ghetto von Theresienstadt, in: W.Angerbauer/H.G.Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis u. Stadt Heilbronn. Geschichte - Schicksale - Dokumente, Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn, Hrg. Landkreis Heilbronn, 1986, S. 343 - 351

Eschenau (Gemeinde Obersulm), in: alemannia-judaica.de

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 360 – 362

Martin Ulmer/Martin Ritter (Hrg.), Das jüdische Zwangsaltenheim Eschenau und seine Bewohner, Barbara Staudacher Verlag, Horb 2012