Gambach (Hessen)

Datei:Municipalities in FB.svg Gambach ist mit derzeit ca. 3.200 Einwohnern der größte Ortsteil von Münzenberg im Nordwesten des Wetterauskreises – knapp 20 Kilometer südlich von Gießen gelegen (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Erste Juden ließen sich vermutlich in Gambach bereits Mitte des 13.Jahrhunderts nieder, als die Herren von Münzenberg Flüchtlingen aus Frankfurt/Main Aufnahme gewährten. Eine jüdische Gemeinde soll um 1600 entstanden sein; sichere Hinweise gibt es aber erst für die Zeit nach 1700. Die Gambacher Juden waren als Vieh- und Getreidehändler, aber auch im Kleinhandel tätig. Die Gemeinde verfügte über einen 1834 (oder 1843) in einem ehemaligen Wohngebäude eingerichteten Betsaal; das Haus lag in der Hauptstraße, und der Betraum bot insgesamt ca. 50 Personen Platz.

             Ehem. Synagogengebäude (Aufn. aus: P. Arnsberg, um 1970)

Religiös-rituelle Aufgaben verrichtete zeitweise ein seitens der Gemeinde angestellter Lehrer; teilweise wurden diese Aufgaben durch „Wanderlehrer“ oder auch ehrenamtlich versehen.

Einen Friedhof besaßen die Gambacher Juden seit ca. 1800; dieser war am Dorfausgang Richtung Holzheim gelegen.

Die Juden Gambachs unterstanden dem liberalen Provinzial-Rabbinat Darmstadt.

Juden in Gambach:

    --- 1830 ............................ 45 Juden,

    --- 1861 ............................ 70   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

    --- 1880 ............................ 69   “  ,

    --- 1905 ............................ 78   “  ,

    --- um 1930 ..................... ca. 70   “  ,

    --- 1939 ............................ 41   “  ,

    --- 1941 ............................ 18   “  ,

    --- 1942 (Dez.) .....................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 235

Bis Ende der 1930er Jahre verließ ein Teil der jüdischen Bewohner das Dorf, zumeist nach Frankfurt/Main; von hier aus konnten einige emigrieren. Während des Novemberpogroms wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Als in den Jahren darauf jüdisches Leben im Dorf völlig ausgelöscht wurde, trat wieder eine private Wohnnutzung an die Stelle des zuvor von der Synagoge beanspruchten Raumes.

Die in Gambach verbliebenen Juden, zumeist alte Menschen, waren im Laufe des Jahres 1942 deportiert worden, ein Teil in „Lager des Ostens“, der andere Teil nach Theresienstadt.

Heute belegen die noch etwa 100 erhaltenen Grabsteine des jüdischen Friedhofs, dass Gambach früher Sitz einer jüdischen Gemeinde war.

Jüdischer Friedhof (Gambach) 01.JPG Jüdischer Friedhof (Gambach) 06.JPG

jüdischer Friedhof in Gambach (Aufn. Ch., 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Am historischen Rathaus im Münzenberger Ortsteil Gambach erinnert eine 2016 dort angebrachte Gedenktafel an die ehemaligen verfolgten jüdischen Bewohner; sie sind hier namentlich aufgeführt. Diese Tafel ergänzt eine bereits 1989 erstellte an gleicher Stelle.

[vgl. Münzenberg (Hessen)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 262/263

P. Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente, Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1973, S. 68

Regine Steffl, Zur Geschichte der Gambacher Judengemeinde, in: Butzbacher Geschichtsblätter 1984

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Königstein i.Ts.1988, S. 185/186

Thea Altaras, Das jüdische Rituelle Tauchbad und Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Teil II, Königstein i.Ts. 1994, S. 150

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt, 1995, S. 328

Gambach, in: alemannia-judaica.de

Hanno Müller/Helma Kilian/Monica Kingreen, Juden in Münzenberg 1800 - 1842, Gambach 1750 - 1942, Fauerbach II 1800 - 1874, Fernwald 2014 

Karl May (Red.), NS-Opfer in Gambach. Tafel erinnert an ermordete Juden, in: „Der neue Landbote“ vom 10.11.2016