Hammerstein (Westpreußen)

http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~aek740/548c.JPG

Hammerstein – zwischen Schlochau und Neustettin gelegen – kam nach der 1.Teilung Polens zum Königreich Preußen in die neugeschaffene Provinz Westpreußen; die über viele Jahrzehnte hinweg geltende „Stadt der Schuh- u. Tuchmacher“ ist das heutige polnische Czarne.

Während unter Friedrich II. die Juden aus den Dörfern vertrieben wurden, gehörte Hammerstein zu den Orten, an denen sie sich niederlassen durften. Maßgebend für eine Ansässigkeit war der Nachweis eines Vermögens von mindestens 1.000 Talern. Der Zeitpunkt ihrer Ansiedlung lässt sich nicht exakt angeben.

Die Errichtung des Synagogengebäudes in der Bergstraße datiert vermutlich noch in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts.

Eine jüdische Gemeindeschule wurde nach 1840 gegründet.

Bereits aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammte der jüdische Friedhof.

Juden in Hammerstein:

--- 1772 ........................ 131 Juden,*          * im Amt Hammerstein

--- 1774 ........................   5 jüdische Haushalte,

--- 1812 ........................  28     “        “   (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1840 ........................ 180 Juden,

--- 1849 ........................ 183   “  (ca. 8% d. Bevölk.),

--- 1871 ........................ 188   “  (ca. 7% d. Bevölk.),

--- 1880 ........................ 195   “  ,

--- 1895 ........................ 170   “  ,

--- 1905 ........................ 139   “  (4,5% d. Bevölk.),

--- 1910 ........................  72   “  ,

--- um 1915 ................. ca.  80   “  ,

--- um 1920 ................. ca.  60   “  ,

--- 1933 ........................  55   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 3, S. 611 f.

Ab- und Auswanderung zahlreicher Juden aus Hammerstein kennzeichneten die Jahre nach 1890/1900. Neben einer sich ausbreitenden antisemitischen Grundstimmung – bereits 1881 war es im Ort zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen - war auch deren schlechte wirtschaftliche Lage mit ausschlaggebend.

Die Folgen des angeblichen Ritualmordes in Konitz waren auch in Hammerstein sichtbar: Der aufgehetzte Mob zerstörte Anfang Mai 1900 Scheiben jüdischer Geschäfte und Wohnungen.

Ansicht von Hammerstein (hist. Postkarte)                       Lange Straße in Hammerstein (colorierte Postkarte)

In den Jahren 1933 bis 1938 wanderte etwa die Hälfte der hier noch lebenden jüdischen Familien ab. Während der „Reichskristallnacht“ zerstörten SA-Angehörige und NS-Sympathisanten die Synagoge und jüdische Läden. Die wenigen hier verbliebenen jüdischen Bewohner wurden 1940 - über ein Lager nahe Schneidemühls - ins "Generalgouvernement" deportiert.

Nahe des Ortes bestand auf einem militärischen Übungsgelände während des Ersten Weltkrieges ein Gefangenenlager für russische Soldaten. Im Zweiten Weltkrieg war es der Standort des berüchtigten Stalag II-B, wo Zehntausende, vor allem sowjetische Gefangene, an Krankheit, Misshandlung und Mangelernährung starben.

Außer einigen Mauerrelikten des ehemaligen jüdischen Friedhofs gibt es heute keinerlei sichtbare Spuren der jüdischen Ortsgeschichte.

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftl. Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, Marburg/Lahn 1967

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 494

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 611 – 618

Czarne, in: sztetl.org.pl