Haynau (Schlesien)

In Haynau (poln. Chojnów) – nordwestlich von Liegnitz gelegen – sind Juden erstmals 1320 nachgewiesen. Privilegiert seitens der Herzogin von Schweidnitz lebten sie dort bis zu den Verfolgungen um die Mitte des 15.Jahrhunderts. Die Wurzeln der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde in Haynau wurden im ausgehenden 18./beginnenden 19.Jahrhundert gelegt: deren Konstituierung erfolgte nach Inkrafttreten des Emanzipationsediktes von 1812. Zur Gemeinde gehörten später auch die wenigen Familien aus Katzenau und Siegendorf. In den 1860/1870er Jahren erreichte die Gemeinde mit etwa 100 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Zenit.

1893 ließ die Gemeinde eine mit einer Kuppel versehene Synagoge in der Schützenstraße erbauen; der Rabbiner aus Liegnitz nahm deren Einweihung vor, an der kommunale und kirchliche Vertreter teilnahmen.

Synagoge in Haynau (Abb. aus: chojnow.wordpress.com)  https://chojnow.files.wordpress.com/2016/09/zydzi-chojnow-02.png

Aus der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts stammt der jüdische Friedhof.

Juden in Haynau:

--- 1801 ..........................   2 jüdische Familien,

--- 1830 ..........................  30 Juden,

--- 1840 ..........................  45   “  ,

--- um 1860 .......................  90   “  ,

--- 1867 .......................... 105   “  ,

--- 1925 ..........................  93   “  ,

--- 1938 ..........................  57   “  ,

--- 1947 (Juni) ............... ca. 400   “  .

Angaben aus: Chojnów, in: sztetl.org.pl

        Am Ring in Haynau (hist. Ansichtskarte, um 1925)

Handel und Handwerk waren Lebensgrundlage der hiesigen jüdischen Familien. Ein größeres Unternehmen war die Firma Lachmann & Ohnstein, die einen Produktionsbetrieb für Senf besaß.

Anfang der 1930er Jahre lebten im Ort nur noch ca. 30 Juden.

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges hielten sich in Chojnów fast 1.800 Juden auf; sie waren in mehreren Transporten aus Kasachstan, Kirgisien und Usbekistan hierher verfrachtet worden. Die allermeisten hatten 1948 den Ort bereits wieder verlassen. Seit Ende der 1960er Jahre lebten dann keine Juden mehr im Ort.

Das Synagogengebäude, das nach 1938 als Turnhalle einer nahegelegenen Schule genutzt wurde, hat die NS-Zeit überdauert.

Vom Friedhof sind – bis auf wenige gerettete Grabsteine (heute im Museum aufbewahrt) – keine sichtbaren Spuren mehr vorhanden. Das Gelände war bereits 1944 in den Besitz der Kommune übergegangen.

  zwei gerettete alte Grabsteine (Aufn. M. Mendika, aus: kirkuty.xip.pl)

Weitere Informationen:

Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens - Entstehung u. Geschichte, Verlag Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz, 1972

Andrzej Nowak, The Jewish settlement in Chojnów 1945 - 1950, in: M. Wodzinski/J. Spyra (Hrg.), Jews in Silesia, Cracow 2001, S. 229 – 238

Chojnów, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Chojnów, in: kirkuty.xip.pl