Herchweiler (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für herchweiler postleitzahl karte Herchweiler mit seinen derzeit ca. 600 Einwohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Kusel (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

In Herchweiler im Ostertal - mitten durch das Dorf verlief die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saargebiet (im Volksmund heißt der ehemals saarländische Teil von Herchweiler die „Judengass“, der Bach, der dort fließt, wird „Judenbach“ genannt) - waren seit der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts Juden nachweisbar; sie lebten in einem eigenen Viertel, das damals zur Grafschaft von der Leyen gehörte. Die jüdischen Familienoberhäupter bestritten den Lebensunterhalt ihrer Familien meist als Viehhändler/Metzger und Krämer. Später eröffneten einige von ihnen Handlungen und Geschäfte am Ort. Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die Gemeinde in den 1860er Jahren mit ca. 65 Personen.

Eine Synagoge soll hier seit 1790/1800 bestanden haben; auch eine Mikwe gehörte zu den gemeindlichen Einrichtungen (Anm.: Das in einem kleinen Gebäude untergebrachte Frauenbad soll bereits 1900 nicht mehr vorhanden gewesen sein.)

Zeitweilig hatte die kleine Gemeinde einen Lehrer angestellt, der neben der religiösen Unterweisung der Kinder auch die rituellen Aufgaben der Gemeinde verrichtete.

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Stellenanzeigen aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 8.11.1876 und vom 12.5.1887

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Thallichtenberg begraben.

Juden in Herchweiler/Haupersweiler:

--- 1808 ..........................  24 Juden,

--- 1839 ..........................  39   “  (in 5 Familien),

--- 1844 ..........................  41   “  ,

--- 1855 ..........................  50   “  ,

--- 1861 ..........................  61   “  ,

--- 1868 ..........................  64   “  ,

--- 1895 ..........................  29   “  ,

--- um 1925 .......................   5 jüdische Familien,

--- 1938 ..........................   ?

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz …, S. 442

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts war die Zahl der Gemeindeangehörigen erheblich zurückgegangen; um 1895 lebten noch ca. 30 Personen im Ort. Um einen Minjan zusammenzubringen, suchten nach 1910 auch die Juden aus Konken die Herchweiler Synagoge auf.

In den 1920er Jahren wohnten im Dorf noch fünf Familien mosaischen Glaubens; nach 1933 waren es nur noch drei. 1937 wurde das schon längst nicht mehr benutzte und inzwischen baufällig gewordene Synagogengebäude meistbietend versteigert; der private Erwerber ließ es später abreißen.

Während des Pogroms von 1930 soll es in Herchweiler „keine besonderen Vorkommnisse“ gegeben haben.

Im Mai 1942 wurden mehrere der nur wenigen hier lebenden jüdischen Bewohner deportiert; noch im Februar 1945 (!) wurde Leo Marx, der mit einer „arischen“ Frau verheiratet war, nach Theresienstadt verschleppt, wo er einige Monate später befreit wurde. Er kehrte im Laufe des Jahres 1945 nach Herchweiler zurück und ist 1970 als letzter Herchweiler Jude hier gestorben.

Weitere Informationen:

Hans Kirsch, „Juden-Herchweiler“ gibt es nicht mehr - Zur Geschichte der Haupersweiler Juden, in: Michael Landau (Hrg.), Damit es nicht vergessen wird. Beiträge zur Geschichte der Synagogengemeinden des Kreises St. Wendel, Veröffentlichungen des Adolf-Bender-Zentrums e.V. Nr. 1, St. Wendel 1988, S. 84 - 99

Stephan Probst, Zur Geschichte der Juden im Landkreis Kusel, in: Westrich-Kalender, Kusel 1988, S. 72 - 75

Roland Paul, Die Verschleppung der Juden aus dem Landkreis Kusel vor 50 Jahren und das Schicksal der Deportierten, in: Westrich-Kalender 1991, S. 145 - 150

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 442

Herchweiler, in: alemannia-judaica.de (mit einigen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Bernhard Kukatzki, Der jüdische Friedhof in Hinzweiler, hrg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Landau, Landau/Pfalz 2008