Hamburg

Die Freie und Hansestadt Hamburg ist derzeit mit ca. 1,8 Mill. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Die Stadt – in sieben Bezirke und 108 Stadtteile aufgegliedert – ist Zentrum der mit mehr als fünf Millionen Einwohner zählenden Metropolregion Hamburg.

Im Mittelalter hat es in Hamburg keine jüdische Gemeinde gegeben. Die ersten Juden ließen sich in Hamburg um das Jahr 1580 nieder; es waren Sepharden, die aus Portugal ausgewandert waren; namentlich bekannt sind der Gewürzhändler Ferdinand Dias, der Kaufmann Emanuel Alvares, der Makler Adrian Gonzalves und der Zuckerimporteur Diego Gomes. Sie gaben sich anfangs nicht als Juden zu erkennen. Alle waren getauft, aber nur zum Schein Katholiken geworden; im Innern standen sie weiterhin treu zu ihrem jüdischen Glauben. Diese in Hamburg lebenden Sepharden hatten mit den deutschen Juden nur den Glauben gemeinsam, der Ritus war ein anderer. Als die sephardischen Juden - sie waren meist Kaufleute, Ärzte, Bankiers und Juweliere - nach Hamburg kamen, wurden sie auf Grund ihrer weitverzweigten wirtschaftlichen Verbindungen vom Rat der Hansestadt als Bereicherung empfunden, und man half ihnen, hier Fuß zu fassen. 1595 waren wohl sieben portugiesische Familien in Hamburg ansässig, für 1609 sind 98 Personen nachgewiesen. Mit dem Zuzug der „Portugiesen“ weiteten sich die ausländischen Handelsaktivitäten der Stadt aus; sie waren maßgeblich 1619 an der Gründung der Hamburger Bank beteiligt - einer der ersten in Europa.

Dagegen waren sie wiederholt verbalen Angriffen der protestantischen Hamburger Geistlichkeit ausgesetzt, der es gelang, traditionelle antijüdische Vorurteile und die Furcht vor wirtschaftlicher Konkurrenz in Teilen der Bevölkerung zu wecken. In einem Vertrag mit dem Hamburger Senat von 1612 verpflichteten sich die Sepharden, jährlich 1.000 Mark dafür zu zahlen, dass sie sich in Hamburg niederlassen und aufhalten durften. Jedoch waren gottesdienstliche Versammlungen und Beschneidungen verboten. Die Sepharden durften in Altona den 1611 neu errichteten jüdischen Friedhof an der heutigen Königsstraße benutzen, zuvor hatten Begräbnisse auf den christlichen Friedhöfen Hamburgs stattgefunden. Seit 1663 verfügten die deutsch-jüdischen Familien im nahen Ottensen über ein kleines Bestattungsgelände.

Stadtansicht von Hamburg, Stich von Peter Schenk d. Ältere, um 1680 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Nach dem Ablauf des Waffenstillstands zwischen Spanien und den Niederlanden (1621) verlagerten weitere Portugiesen ihren Wohnsitz von Amsterdam nach Hamburg (und von hier auch weiter nach Glückstadt). Mitte des 17.Jahrhunderts erreichte die sephardische jüdische Gemeinde mit etwa 120 Familien ihren numerischen Höchststand. Auf Grund der Erhöhung der jährlichen Zahlungen wanderten zahlreiche vermögende Juden in der Folgezeit nach Amsterdam ab, einige auch ins nahe Altona.

Der vermutlich in Venedig geborene Rabbiner Isaac Jessurun kam auf Bitten der Gemeinde der portugiesischen Juden nach Hamburg, wo er als Oberrabbiner der Gemeinde wirkte und später auch die Leitung der Talmudschule übernahm. Jessurun starb 1665 in Hamburg; sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Altona.

Einer der bedeutendsten Rabbiner in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts war Semuel de Isaac Abas, der einer geadelten portugiesischen Kaufmannsfamilie entstammte. Wegen seiner großen Gelehrsamkeit war er auch bei zahlreichen christlichen Theologen hoch geachtet. Als Schriftsteller und Gemeindefunktionär, aber auch als Eigner einer großen Bibliothek verbrachte er ab 1660 seine letzten drei Lebensjahrzehnte in Hamburg, wo er 1691 verstarb; sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Altona.

Neben den Sepharden ließen sich auch Aschkenasim im Laufe des 17.Jahrhunderts in Hamburg nieder, die aber in der Folgezeit des öfteren kurzzeitig ausgewiesen wurden. Erst das im Jahre 1710 vom Kaiser bestätigte „Reglement der Judenschaft in Hamburg so Portugiesisch als Hochteutscher Nation” garantierte bis ins 20.Jahrhundert eine kontinuierliche Entwicklung.

Ihre erste Synagoge richteten die 18 aschkenasischen Familien 1654 im Obergeschoss eines Hauses am Neuen Steinweg ein; diese blieb so lange in Nutzung, bis die Synagoge in den Kohlhöfen um 1860 eingeweiht wurde.

Anm.: Im Laufe des 17.Jahrhunderts waren insgesamt sechs aschkenasische Gemeinden entstanden, und zwar in Altona, Harburg, Wandsbek und Hamburg; vier davon bildeten zwei „Doppelgemeinden“.

Juden in Hamburg:

        --- um 1612/15 ..................... ca.    125 sephardische Juden,

    --- um 1648 ........................ ca.    100 sephardische Familien,

    --- um 1665 ........................ ca.    600 sephardische Juden,

    --- 1811 ...............................  6.429 Juden (4,9% d. Bevölk.),

    --- 1871 ............................... 13.796   “  ,

    --- 1910*.............................. 18.932   “  ,

    --- 1919*........................... ca. 18.500   “  ,

    --- 1925*............................... 19.904   “   (1,7% d. Bevölk.),

    --- 1933*(Juni) ........................ 19.410   “  ,

    --- 1935*........................... ca. 15.000   “  ,

    --- 1939*(Mai) ..................... ca. 10.100   “  ,

    --- 1940*(Dez.) .................... ca.  7.900   “  ,

    --- 1941*(Dez.) .................... ca.  4.000   “  ,

    --- 1942*(Dez.) .................... ca.  1.800   “  ,

    --- 1943*(Juli) .................... ca.  1.250   “  ,

    --- 1944*(Dez.) .................... ca.    860   “  ,

    --- 1945*(Mai) ..................... ca.    300   “  ,

    --- 1947* ..............................  1.270   “  ,   * im Großraum Hamburg

    --- 1979 ........................... ca.  1.300   “  ,

    --- 1997 ........................... ca.  3.500   “  .

Angaben aus: Arno Herzig (Hrg.), Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990, Wissenschaftliche Beiträge der Universität Hamburg zur Ausstellung “Vierhundert Jahre Juden in Hamburg, Hamburg 1991 und Zeitungsberichte (aus 1998)

Ganz entscheidend waren sephardische Juden am Wirtschaftsleben Hamburgs beteiligt; sie waren u.a. im Schiffsbau, Reedereiwesen, im Bankwesen tätig und gehörten zur hiesigen Oberschicht; trotz ihrer abnehmenden Zahl bildeten sie noch eine eigene jüdische Gemeinschaft.

Eine der seit Jahrhunderten in Hamburg ansässigen „Portugiesenfamilien“ war die Familie Castro, die nicht nur bedeutende Ärzte, sondern auch erfolgreiche Kaufleute und Tabakhändler hervorgebracht hat.

  Abraham Namias de Castro (1751-1818) betrieb eine Tabakmanufaktur in Altona.

Seit 1834 besaß die sephardische Gemeinde eine eigene Synagoge am Alten Wall, die aber knapp zehn Jahre später einem großen Stadtbrande zum Opfer fiel. 1854/1855 wurde eine neue Synagoge in der Markusstraße erbaut; diese war - nach Schließung der Altonaer Synagoge - das einzige Gotteshaus sephardischer Juden auf deutschem Boden. Die Sepharden-Gemeinde Hamburgs zählte um 1925 nur noch ca. 150 Erwachsene; ihr letzter gottesdienstlicer Versammlungsraum befand sich in einer Villa in der Innocentiastraße.

Sephardisches Gemeindehaus, Innocentiastr. (Aufn. C., 2009, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Zahlenmäßig bedeutend größer war der Anteil der aschkenasischen Juden in Hamburg. Bereits im Jahre 1790 war die Synagoge in der Elbstraße, der heutigen Neanderstraße, eingeweiht worden; sie stand versteckt in einem vollständig abgeschlossenen, nur durch ein Vorderhaus zugänglichem Hofe. Diese Synagoge diente bis 1906 der Deutsch-Israelitischen Gemeinde als Gotteshaus. Wenig später wurde das Grundstück verkauft und das Gebäude abgerissen. Gegen Ende der 1850er Jahre entstand in der Neustadt eine weitere Synagoge, die vom Baumeister Albrecht Rosengarten* an den Kohlhöfen errichtet wurde; sie bot etwa 1.200 Menschen Platz.

*(Anm.: A. Rosengarten war der erste jüdische Architekt in Deutschland, der für den Bau eines Synagogengebäudes verantwortlich zeichnete.)

Die neue Synagoge in Hamburg. Nach dem Plane des Baumeisters A. Rosengarten.
Synagoge An den Kohlhöfen (Abb. aus: „Illustrirte Zeitung“ vom 24.9.1859, in: lifeofthesynagogue.library.cofc.edu)

Die neue 1906 eingeweihte Hauptsynagoge der Jüdischen Gemeinde Hamburg stand am Bornplatz (heute: Joseph-Carlebach-Platz); sie war die erste Synagoge in der Stadt, die offen zur Straße lag; das Bauwerk besaß eine 40 Meter hohe Kuppel und bot ca. 1.200 Gläubigen Platz.

 Synagoge am Bornplatz (hist. Postkarte, aus: idw-online.de)

Bis zum Zwangsabbruch 1939 war sie Mittelpunkt des religiösen Lebens der Hamburger Juden; in der Pogromnacht war sie in Brand gesteckt und schwer beschädigt worden. Im Frühjahr 1939 zwang die Stadt Hamburg die Jüdische Gemeinde, ihr das Synagogengrundstück zu verkaufen, und ließ die Synagoge abreißen; die Abbruchkosten stellte sie dem Jüdischen Religionsverband in Rechnung.

Aus der Bewegung des Reformjudentums heraus gründeten Ende 1817 ca. 65 jüdische „Hausväter“ in Hamburg den „Neuen Israelitischen Tempelverein und erbauten 1818 ihr provisorisches erstes Gotteshaus in der südlichen Neustadt. Hier handelte sich um die erste offizielle deutsche Reformsynagoge, in der Gottesdienste mit Orgel, deutschsprachiger Predigt und gemischtem Chorgesang abgehalten wurden.

 

Synagoge des Israelitischen Tempelvereins im Hinterhof Erste Brunnenstraße/Alter Steinweg, 1818-1844 (Abb. aus: wikipedia.org, CCO)

                        

                Einladungskarte zur Einweihung des Isr. Tempels (5.Sept. 1844)                         Westfassade der Synagoge (aus: wikipedia.org, CCO)

bekannte Prediger: Eduard Kley - Gotthold Salomon - Naftali Frankfurter

Gottesdienste des „Israelitischen Tempelvereins“ - des späteren „Israelitischen Tempelverbandes“ - fanden bis 1931 in der 1844 eingeweihten Synagoge in der Poolstraße (heutige Oberstraße) statt; das Gebäude war nur durch einen schmalen Zugang zwischen zwei Vorderhäusern zu erreichen. Vor der Eröffnung der neuen Synagoge schrieb Heinrich Heine die folgenden Verse:

Die Juden teilen sich wieder ein in zwei verschiedene Parteien. Die Alten gehn in die Synagog', und in den Tempel die Neuen.

Die Neuen essen Schweinefleisch, zeigen sich widersetzig, sind Demokraten; die Alten sind vielmehr aristokrätzig.

Der 1817 von Laien gegründete, liberal-reformerisch ausgerichtete Tempelverein bestand bis in die NS-Zeit und zählte gegen Mitte des 19.Jahrhunderts ca. 800 Mitglieder; dies entsprach etwa 10% der in Hamburg lebenden Juden. Der Tempelverein verstand es, sich jahrzehntelang gegen die jüdischen Traditionalisten zu behaupten. Auch der Versuch des Hamburger Gemeinderabbiners Isaak Bernay, Anfang der 1840er Jahre den Neubau des 800 Menschen fassenden neuen Gotteshauses des Tempelvereins zu verhindern, war zum Scheitern verurteilt gewesen. Orthodoxe Juden ließen in der Beneckestraße eine eigene Synagoge errichten; sie wurde 1895 eingeweiht und setzte sich durch ihren orientalischen Baustil stark von den Gebäuden der Umgebung ab.

Der "Israelit. Tempelverband" ließ kurz vor der NS-Machtübernahme einen letzten Synagogenneubau errichten. Er bot insgesamt ca.1.200 Menschen Platz und wurde im August 1931 eingeweiht. Ende 1938 musste die Tempelgemeinde das Grundstück weit unter Wert verkaufen; das Gebäude diente anschließend als Getreidelager, als Kino und als Redaktionsgebäude. Nach Kriegsende übernahm es der NDR, der es als Funkhaus nutzte.

Ehem. Synagoge des „Tempelvereins“, vom NDR genutzt (aus: panoramio.com) http://mw2.google.com/mw-panoramio/photos/medium/20422847.jpg

1783 entstand in Hamburg die erste Schule für „arme jüdische Knaben“, 1798 eine weitere für Mädchen. 1805 wurde die Talmud-Tora-Schule gegründet, die später zu den bedeutendsten jüdischen Schulen Deutschlands zählen sollte; sie hatte ihr Domizil zunächst an der Elbstraße, siedelte aber in den 1850er Jahren an die Kohlhöfen um. 1911 wurde die Talmud-Tora-Schule an den Grindelhof neben der neuen Synagoge am Bornplatz verlegt; als „höhere Bürgerschule“ für Jungen war es nun erstmals in Hamburg möglich, an einer jüdischen Bildungseinrichtung die Hochschulreife zu erwerben. Unter der Leitung des Direktors Joseph Carlebach, des späteren Oberrabbiners der Hansestadt, erwarb sich die Lehranstalt Weltruf. Sie wurde als Einheitsschule nach den Maximen der Reformpädagogik geführt wurde.

Die 1884 eröffnete „Israelitische Töchterschule“ in der Carolinenstraße ersetzte zwei baufällige jüdische Mädchenschulen. Da die meisten jüdischen Familien Hamburgs damals in der Neustadt und am Dammtor wohnten, besaß diese Schule ein großes Einzugsgebiet; Träger der Schule war die Israelitische Gemeinde. Ende der 1930er Jahre verloren die jüdischen Schulen einen Großteil ihrer Schüler, sodass die Schule in der Carolinenstraße aufgegeben wurde und nun Jungen und Mädchen kurzzeitig gemeinsam an der Talmud-Tora-Schule unterrichtet wurden. Auf Anordnung des Reichsstatthalters musste dann auch die Talmud-Tora-Schule schließen; 1940/1941 wurden die noch verbliebenen ca. 300 jüdischen Schüler/innen in das leerstehende Schulgebäude in der Carolinenstraße umquartiert. 1942 wurde das Gebäude geräumt; eine notdürftige Schulunterkunft bestand dann noch im jüdischen Waisenhaus am Papendamm. Das Gebäude Carolinenstr. 35 trägt seit 1998 den Namen des letzten Schulleiters der Israelitischen Töchterschule, Dr. Alberto Jonas. Er kam 1942 in Theresienstadt um.

 Gabriel Riesser, „der Anwalt des deutschen Judentums“, wurde am 2. 4.1806 als Sohn jüdischer Eltern in Hamburg geboren.  Seine Familie konnte auf eine lange rabbinische Tradition zurückblicken. Nach einem Jura- u. Philosophie-Studium war ihm auf Grund seiner jüdischen Herkunft eine Universitätskarriere bzw. die Zulassung als Advokat verweigert worden. In Folge widmete er sich als freier Publizist vor allem der rechtlichen Gleichstellung der Juden. In seiner Schrift „Über Stellung und Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland“ protestierte er gegen antijüdische Bestimmungen und Vorurteile. 1832 begründete er die Zeitschrift „Der Jude. Periodische Blätter für Religions- und Gewissensfreiheit“; im Jahr darauf erarbeitete er im Auftrag des badischen Landtags eine Denkschrift zur Judenemanzipation. In den Jahren 1833 - 1836 war er Redakteur der „Hamburger Abendzeitung“. Zeitweilig hielt er sich in Bockenheim/b. Frankfurt auf, wo man ihm wiederum „aus konfessionellen Gründen“ das volle Bürgerrecht verwehrte. Im Jahre 1848 war er Mitglied des Vorparlaments und Abgeordneter der Frankfurter Paulskirche. Seinen wichtigsten Erfolg errang er, als in der Verfassung die Grundrechte verankert wurden, die für alle – also auch für Juden – gelten sollten. Riesser war auch Mitglied der „Kaiser-Deputation“, die Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anbot; nach dessen Ablehnung trat Riesser enttäuscht aus der Nationalversammlung aus. Alsbald kehrte er in seine Heimatstadt Hamburg zurück, wo er sich zunächst als freier Notar niederließ, 1860 wurde er Richter am Obergericht in Hamburg und damit gleichzeitig erster jüdischer Richter in Deutschland. Als Vizepräsident der Bürgerschaft war er am Ausbau der neuen städtischen Verfassung beteiligt.Gabriel Riesser starb am 22. April 1863 in Hamburg; sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf.

Als eines der ersten jüdischen Krankenhäuser in Deutschland wurde 1843 in der ehemaligen Eckernförder Straße eröffnet; finanziert wurde das Hospital vom jüdischen Bankier Salomon Heine, der es dem Andenken seiner verstorbenen Frau widmete. Ausdrücklich stand es allen Hamburgern jeder Konfession offen. 

  Israelitisches Krankenhaus in Hamburg (Farblitographie, aus: ik-h.de)

Anm.: Am Ende der Bismarck-Ära gab es in Hamburg den sog. „Antisemitischen Wahlverein“, der mehr als 2.000 Mitglieder zählte und dessen Aktivitäten besonders auf das städtische Kleinbürgertum zielten. Bei öffentlichen Veranstaltungen konnte der Verein Tausende von Zuhörern mobilisieren, die sich gegen Transit oder Niederlassung russischer Juden in Hamburg wandten.

 Albert Ballin - 1857 als jüngstes von 13 Geschwistern einer aus Dänemark zugewanderten jüdischen Familie in Hamburg geboren – besaß als Betriebsdirektor der Hamburg-Amerika-Linie für die Auswanderer nach Nordamerika – darunter Abertausende osteuropäischer Juden – große Bedeutung. Die Schifffahrtslinie machte besonders in Osteuropa Werbung, verteilte Handzettel und eröffnete dort Verkaufsstellen für Passagen. Für die Emigranten, die mit Schiffen der damaligen HAPAG befördert wurden, schuf Ballin auf der Veddel – außerhalb Hamburgs – die sog. Auswanderungshallen: Es waren ca. 30 Gebäude, die als Schlaf- und Wohnpavillons, Kantinen, Bäder sowie Räume für medizinische Betreuung genutzt wurden; zudem gab es hier eine Kirche, eine Synagoge und einen Musikpavillon. Zweck dieser „kleinen Stadt“ war es, den auf die Überfahrt wartenden Menschenmassen eine gewisse Sicherheit zu bieten. Albert Ballin beging 1918 Selbstmord. Nach dem „Reeder des Kaisers“ ist heute in Hamburg der Ballin-Damm benannt.

Auch die stark antisemitisch ausgerichtete „Deutsch-Soziale Partei” konnte in Hamburg in den 1890er Jahren Tausende von Wählerstimmen auf sich vereinigen; zu Beginn des 20.Jahrhunderts ging die antisemitische Stimmung deutlich zurück, um Ende der 1920er Jahre wiederaufzuleben. Aus den Jahren 1931/1932 sind in Hamburg Friedhofsschändungen, aber auch Straßenterror gegen Juden belegt. 1933 lebten im Raume Groß-Hamburg, wozu auch Altona, Wandsbek u. Harburg-Wilhelmsburg zählten, mehr als 19.000 Juden.

Anm.: 1937 wurde die Harburger Synagogengemeinde, die nur noch etwa 150 Mitglieder umfasste, mit den jüdischen Gemeinden von Hamburg und Altona fusioniert.

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts traten starke Säkularisierungstendenzen im jüdischen Gemeindeleben von Hamburg zu Tage. Von den 1927 etwa 20.000 hier lebenden Juden gehörten nur noch 8.000 der Deutsch-Israelitischen Gemeinschaft an. Der Anteil der „Mischehen“ betrug in der Stadt Ende der 1920er Jahre etwa ein Drittel.

Nach Beginn der NS-Herrschaft kam es am 1.4.1933 - wie überall in Deutschland - zu einem Boykott jüdischer Geschäfte. Bereits im März 1933 wurden in Hamburg jüdische Einheitspreisgeschäften und Warenhäusern boykottiert. Organisiert wurden die Aktionen von der SA und dem von der NSDAP gesteuerten „Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes“.

Auf dem Gelände des heutigen Tronjeweges befand sich ab 1933 das Hachschara-Heim „Ejn Chajim“ ( „Quelle des Lebens“); hier bereiteten sich junge Juden auf ihre Auswanderung nach Palästina vor.

Im Rahmen der Abschiebung von Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit wurden am 28.Oktober 1938 mehr als 800 in Hamburg lebende polnische Juden verhaftet, kurzzeitig in ein Sammellager gebracht und von dort mit Lastwagen zum Altonaer Bahnhof transportiert; mit einem Sonderzug mussten sie Hamburg noch am gleichen Tage verlassen.

Am frühen Morgen des 10. November 1938 waren SA-Trupps unterwegs, die jüdische Geschäfte demolierten und mit Parolen zu beschmierten. Zerstörungen und Plünderungen erfolgten sowohl in der Innenstadt als auch in anderen Stadtteilen. Von den Hamburger Synagogen blieb in der Pogromnacht nur die ehemalige portugiesische Synagoge unversehrt; die anderen jüdischen Gotteshäuser wurden verwüstet, wahrscheinlich m ehr als 1.000 jüdische Männer in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

Im November 1938 gab es in Hamburg noch etwa 1.200 Gewerbebetriebe in jüdischem Besitze, davon waren etwa 300 Einzelhandelsgeschäfte und 220 Handwerksbetriebe; ihre Zahl reduzierte sich nun schlagartig in den Monaten nach dem Pogrom.

Aus dem „Hamburger Tageblatt” No. 329/1938 vom 2.12.1938:

Alle jüdischen Einzelhandelsgeschäfte Hamburgs werden geschlossen

Bericht aus dem Amt des Gauwirtschaftsberaters über die Entjudung der Hamburger Wirtschaft

Im Zuge der Maßnahmen des Reiches zur völligen Entjudung der deutschen Wirtschaft werden seit gestern die jüdischen Einzelhandelsgeschäfte in Hamburg Zug um Zug geschlossen. In wenigen Tagen schon wird in Hamburg kein jüdisches Einzelhandelsgeschäft mehr bestehen, dessen Uebergang in deutsche Hände nicht gesichert und dessen Bestand volkswirtschaftlich nicht notwendig ist. Die Aktion wird sich zwangsläufig im Interesse der Gesamtwirtschaft und im Interesse der deutschblütigen Angestellten dieser Firmen über einige Tage hinziehen. Damit erfüllt Hamburg eine Forderung der Reichsregierung, die Judenfrage in Deutschland nach dem feigen Mord von Paris endgültig zu bereinigen. ...

Zahlreiche traditionsreiche jüdische Unternehmen Hamburgs fielen der "Arisierung" zum Opfer, darunter die Bank M.M. Warburg & Co., die Köhlbrand-Werft Paul Berendsohn, die Reederei Arnold Bernstein, die Fair-play Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchardt, die Textilfabrik Rappolt & Söhne oder das Kaufhaus Tietz (seit 1935 „Alsterhaus“).

Etwa 9.000 bis 10.000 jüdische Einwohner Hamburgs, Altonas und Harburgs gingen in die Emigration; ihren Höhepunkt erreichten die Auswanderungszahlen 1938/1939 mit mehr als 4.100 Menschen. Ab 1939 wurden zahlreiche Hamburger Juden von den Arbeitsämtern in Hamburg und der näheren Umgebung zu Zwangsarbeiten verpflichtet; gegen geringes Entgeld mussten sie im Tiefbau und bei Meliorationen meist körperlich schwere Arbeiten verrichten. Mit Kriegsbeginn wurde ihr Arbeitseinsatz noch verstärkt.

Ende 1940 lebten in Hamburg noch knapp 8.000 Juden, meist ältere Menschen. Ab 1940/1941 begannen die Hamburger Behörden, jüdische Mieter in Häuser umzusiedeln, die noch in jüdischem Besitz waren; damit wurden sog. „Judenhäuser“ geschaffen; in Hamburg sollen es knapp 80 Unterkünfte gewesen sein; die meisten befanden sich in der Grindel-Gegend zwischen Dammtorbahnhof und Isebekkanal. Im Frühherbst 1941 wollte Gauleiter Kaufmann die Wohnungen der Juden für Bombengeschädigte freimachen; dies gab den Anstoß zur Deportation der Hamburger Juden in die besetzten Ostgebiete. Die ersten Deportationstransporte gingen ab Oktober 1941 nach Lodz, Minsk und Riga. Von Hamburg wurden insgesamt 17 Transporte durchgeführt; allein elf von ihnen gingen nach Theresienstadt.

Deportationstransporte aus Hamburg:

am 25.10.1941     nach Lodz             1.034 Deportierte,

am 08.11.1941     nach Minsk            1.004     “      ,

am 18.11.1941     nach Minsk              407     “      ,

am 06.12.1941     nach Riga               766     “      ,

am 11.07.1942     nach Auschwitz          375     “      ,

am 15.07.1942     nach Theresienstadt     926     “      ,

am 19.07.1942     nach Theresienstadt     801     “      ,

am 12.02.1943     nach Auschwitz           24     “      ,

am 24.02.1943     nach Theresienstadt      50     “      ,

am 10.03.1943     nach Theresienstadt      50     “      ,

am 24.03.1943     nach Theresienstadt      50     “      ,

am 05.05.1943     nach Theresienstadt      50     “      ,

am 09.06.1943     nach Theresienstadt      81     “      ,

am 23.06.1943     nach Theresienstadt     108     “      ,

am 19.01.1944     nach Theresienstadt      61     “      ,

am 30.01.1945     nach Theresienstadt      19     “      ,

am 14.02.1945     nach Theresienstadt     194     “      .

(aus: Wilhelm Mosel (Bearb.), Wegweiser zu den ehemaligen jüdischen Stätten in Hamburg, Heft 2, Hamburg 1985, S. 112)

„Sammelstellen“ für die Hamburger Juden waren die Volksschule Schanzenstraße, die Talmud-Thora-Schule im Grindelhof 20, das Gemeindehaus in der Beneckestraße, das Jüdische Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße und die Provinzialloge in der Moorweidenstraße. Die Deportationszüge fuhren von dem hinter dem Hauptbahnhof gelegenen Hannoverschen Bahnhof ab. Der Verfolgung und den Deportationen fielen bis 1943 über 7.000 Hamburger Juden zum Opfer; insgesamt kann von fast 9.000 Opfern ausgegangen werden. Zwischen 1938 und 1945 haben sich Zehntausende von Hamburgern am Eigentum ihrer jüdischen Mitbürger bereichert. Jüdische Firmen und Grundstücke, später auch Wohnungseinrichtungen deportierter Hamburger Juden gingen in „arischen“ Besitz über.

Nach der Reichspogromnacht wechselten allein in Hamburg innerhalb weniger Monate etwa 1.200 jüdische Unternehmen den Besitzer; nur wenige Erwerber zahlten den jüdischen Vorbesitzern einen fairen Kaufpreis. Insgesamt soll in Hamburg das Eigentum 30.000 jüdischer Haushalte versteigert worden sein; aus den besetzten Gebieten Westeuropas wurden nicht nur Gemälde und Kunstschätze geraubt; auch beschlagnahmte Wohnungseinrichtungen von Juden fanden ihren Weg ins Reichsgebiet, so auch nach Hamburg. 

Bei der ersten Volkszählung im Oktober 1946 wurden in Hamburg knapp 1.000 Juden gezählt; die frühere jüdische Gemeinde umfasste fast 20.000 Menschen; dazu kamen wohl noch etwa 7.600 getaufte oder „atheistische“ Juden. In Hamburg überlebt hatten nur diejenigen, die „in Mischehe“ gelebt hatten; diese waren teilweise noch mit dem letzten Transport Mitte Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert worden.

Jüdische DPs aus Osteuropa gab es in Hamburg nach Kriegsende nur in geringer Zahl. Als erste jüdische Organisation bildete sich nach Kriegsende die „Hilfsgemeinschaft der Juden und Halbjuden“ unter Leitung des Rechtsanwaltes Dr. Max Heinemann. Diese Organisation beschaffte Unterkunft und Verpflegung für die überwiegend älteren Rückkehrer aus Theresienstadt, sorgte für Kleidung und Hausrat und für Krankenfürsorge. Die jüdische Gemeinde Hamburgs wuchs schnell; im Frühjahr 1947 gehörten ihr bereits 1.268 Juden an; meist waren es ältere Menschen.

Im September 1945 wurde bereits ein als Provisorium dienender Betraum in der Kielortallee, dann später einer an der Sedanstraße bezogen. Ab September 1960 wurde die neue Synagoge in der Hohen Weide benutzt. Als Repräsentant der Hansestadt nahm Bürgermeister Max Brauer an der Weihefeier teil; als Geschenk an die Gemeinde übergab er eine Thora-Rolle und betonte: „ ... Ihre neue Synagoge gibt uns die tröstliche Gewissheit, dass Sie auch in Zukunft mit uns leben wollen, dass Sie sich trotz allem, was gewesen ist, immer noch und jetzt wieder als Glied unseres Gemeinwesens fühlen. Diese Haltung dokumentiert beispielhaft unzerstörten Glauben an das Gute im Menschen. ...”

  Synagogeneröffnung an der Hohen Weide (Aufn. Jüd. Gemeinde Hamburg, 1960)

2012 wurde in der Synagoge der Hamburger Gemeinde ein 300 Jahre alter Silberschatz wiederentdeckt, der seit Jahrzehnten in einem Abstellraum gelagert war. Die 24 Stücke des sog. Schellenberg-Silbers haben die NS-Zeit – dank einer Mäzenin – unversehrt überdauert.

Die heutige jüdische Gemeinde in Hamburg und Schleswig-Holstein zählte 2005 rund 5.000 Mitglieder; die meisten davon sind Immigranten aus osteuropäischen Staaten, vor allem aus der ehemaligen UdSSR. 2004 gründete sich in Hamburg außerdem eine liberale jüdische Gemeinde.

2002/2003 eröffnete in Hamburg die privat geführte Joseph-Carlebach-Schule ihre Pforten; die ganztägige Grundschule musste bald wegen Schülermangels geschlossen werden. 2007 wagte die Talmud-Tora-Schule im renovierten Gebäude am Grindelhof in Form einer Realschule den Neubeginn; die Einweihung des dort untergebrachten neuen Gemeindezentrums nahm Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay vor.

In den verschiedenen Stadtteilen Hamburgs erinnern Denkmäler an die jüdischen Mitbürger der Stadt, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Am Grindelhof erinnert seit November 1988 ein Bodenmosaik an das ehemalige jüdische Gotteshaus; in einer längeren Inschrift an der dem „Synagogenmonument“ zugewandten Seite des ehemaligen Bunkers heißt es:

Hier am Bornplatz stand bis 1939 die größte Synagoge Norddeutschlands. Sie wurde 1906 nach den Plänen der Architekten Friedheim und Engel errichtet.

Bis zu ihrem Zwangsabbruch durch die Nationalsozialisten im Jahre 1939 war die Synagoge ein Mittelpunkt des religiösen Lebens in Hamburg; in ihr fanden über 1.100 Gläubige Platz. In der Pogromnacht vom 9./10.November 1938 machten die Nationalsozialisten diese geweihte Stätte zu einem Schauplatz der Judenverfolgung; die Synagoge wurde in Brand gesteckt und schwer beschädigt. Nach dem Abbruch des Gotteshauses wurde ein Bunker errichtet. ...

               ... Möge die Zukunft die Nachfahren vor Unrecht bewahren.

Zeitgleich mit der Enthüllung des Mahnmals wurde der Bornplatz in Erinnerung an den letzten Oberrabbiner Hamburgs in „Joseph-Carlebach-Platz“ umbenannt. Vor dem Gebäude der ehemaligen Synagoge des reformierten „Tempelverbandes“ in der Oberstraße erinnert eine Skulptur an die Geschehnisse. Sie steht auf steinernem Fundament in den Treppenstufen vor dem Gebäude. Eine Inschrift lautet:

Dieses Gebäude wurde als eine der letzten Synagogen vor 1933 nach Plänen der Architekten Ascher und Friedmann 1930/31 erbaut. Der Neubau löste die Synagoge in der Poolstraße ab. Hier fanden die Gottesdienste des Israelitischen Tempelverbandes bis 1938 statt.

Am 62.Jahrestag der „Reichskristallnacht“ wurde an den St. Pauli-Landungsbrücken eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen Flüchtlinge enthüllt, die im Mai 1939 mit dem Schiff „St.Louis“ nach Kuba aufgebrochen waren und nach einer Irrfahrt nach Europa zurückkehrten. Die Inschrift der Gedenktafel lautet:

Am 11.Mai 1939 verließen über 900 Flüchtlinge - fast alle waren deutsche Juden - den Hamburger Hafen mit dem deutschen Schiff “St.Louis”, das sie nach Kuba bringen sollte, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen. Ihre Hoffnung zerbrach, als die kubanische Regierung die Einreiseerlaubnis zurückzog. Nach tagelanger Ungewißheit konnten lediglich 23 jüdische Passagiere in Havanna einreisen.

Auf der Suche nach einem Aufenthaltsland zur Rettung der auf dem Schiff verbliebenen Flüchtlinge unternahm Kapitän Gustav Schröder eine vieltägige Irrfahrt mit der “St.Louis”. Die Weltöffentlichkeit wurde auf das Schicksal der verzweifelten Passagiere aufmerksam. ....

Ein großflächiges Wandbild, das seit im November 1995 am Gebäude der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) im Bezirk Eimsbüttel angebracht ist, dokumentiert das facettenreiche jüdische Leben am Grindel vor Beginn der NS-Verfolgung. Risse zwischen den einzelnen Bildelementen sollen die Zerstörung dieses Lebens symbolisieren.

Nahezu 5.500 sog. „Stolpersteine“ (Stand: 2018) erinnern mittlerweile im Hamburger Stadtstaat an Opfer des Nationalsozialismus; damit ist Hamburg deutschlandweit derzeit die Stadt mit den meisten dieser in die Gehwegpflasterung verlegten Gedenktäfelchen; allein im Stadtteil Rotherbaum (vor allem im Grindelviertel) findet man etwa 1.000 sog. "Stolpersteine".

Stolperstein Brandstwiete 4 (Bela Levy) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Cremon 3 (Walter Seligson) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Deichstraße (Julie Heilbut) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Domstraße 21 (Erwin Bukschnewski) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Domstraße 21 (Ruth Bukschnewski) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Raboisen 50 (Rosi Betti Löwenhardt) in Hamburg-Altstadt.JPG Stolperstein Bleicherstraße 74 (Wolfgang Cohn) in Hamburg-St. Pauli.JPG Stolperstein Herrenweide 23 (Jakob Simons) in Hamburg-St. Pauli.JPG Stolperstein Karolinenstraße 27-28 (Rita Spiegel) in Hamburg-St. Pauli.JPG Stolperstein Karolinenstraße 27-28 (Marga Spiegel) in Hamburg-St. Pauli.JPG Stolperstein Karolinenstraße 35 (Ruth Meyer) in Hamburg-St. Pauli.JPG Stolperstein Marktstraße 44 (Max Cohen) in Hamburg-St. Paul.jpg

"Stolpersteine" verlegt für Kinder/Jugendliche aus Hamburg (Abb. Hinnerk, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Vor dem Südeingang des Bahnhofs Hamburg-Dammtor steht seit 2015 das sog. „Kindertransport-Denkmal“, das daran erinnern soll, dass von hier aus 1938/1939 Züge mit jüdischen Jungen u. Mädchen aus Norddeutschland Richtung England fuhren und sie somit vor dem Holocaust retteten.

Denkmal Kindertransport - Der letzte Abschied Aufn. aus:/denkmalhamburg.de/kindertransport-der-letzte-abschied

Anm.: Auf Initiative von Prinz Charles gibt es in London vor der "Liverpool Street Station" das Denkmal "Kindertransport"; hier kamen die jüdischen Kinder aus Deutschland an.

Am Standort des zerstörten ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs wurde 2017 eine Gedenkstätte für die mehr als insgesamt 8.000 deportierten Hamburger Juden, Sinti und Roma eingeweiht, die von hier in den Jahren 1940 bis 1945 in die Ghettos und Konzentrations- u. Vernichtungslager verfrachtet wurden. Zielorte der insgesamt 20 Transporte waren Belzec, Litzmannstatd/Lodz, Minsk, Riga, Auschwitz und Theresienstadt; für die allermeisten war es eine Reise in den Tod.

Gedenkort Hannoverscher Bahnhof Die "Fuge" des neuen Denkmals Aufn. aus: kirche-hamburg.de

Neben dem Mahnmal soll bis 2020 auf dem Gelände am Lohseplatz auch ein Dokumentationszentrum entstehen, das an die mehr als 8.000 Juden, Sinti und Roma erinnern soll.

In Hamburg-Altona legt noch heute der große jüdische Friedhof an der Königsstraße Zeugnis ab von der einst bedeutendsten jüdischen Gemeinde Norddeutschlands; auf einem großen Areal sind fast 7.000 Grabsteine bzw. Grabsteinfragmente erhalten. An der Königsreihe in Hamburg-Wandsbek ist ebenfalls ein relativ großer jüdischer Friedhof mit noch ca. 1.000 Grabsteinen erhalten geblieben; dieser war von 1637 bis 1884 genutzt worden.

Auf einem abgetrennten Teil des Hauptfriedhofes in Hamburg-Ohlsdorf, dem größten Friedhof Europas, wurde ab den 1880er Jahren ein jüdisches Begräbnisgelände angelegt, das bis auf den heutigen Tag belegt wird. Gegenüber der Aussegnungshalle befindet sich das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus - errichtet 1951; eine freistehende Urne mit der Asche und Erde aus Auschwitz sowie die Inschrift auf der Gedenkmauer eriinnern an die über fünf Millionen Opfer nationalsozialistischer Diktatur: „Ungestillt ist die Träne um die Erschlagenen unseres Volkes“ (Jer.8, 23)

      

Grabstätten auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Aufn. A., 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0 und Aufn. 2012, aus: fotocommunity.de)

Jüdische Trauerhalle (Aufn. Claus-J. Dickow, 2006, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 2.5)

Der „ewige“ jüdische Friedhof in Langenfelde am Försterweg ist ein Friedhof orthodoxer Hamburgischer Juden, der Ende der 1880er Jahre angelegt wurde. Denn für die strenggläubigen Juden gab es auf dem Friedhof Ohlsdorf lediglich eine Begräbnisstätte „auf Dauer“ – aber nicht für „die Ewigkeit“. Die ca. 2.000 Gräber sind vergleichsweise schmucklos; auf der Vorderseite der Grabsteine befindet sich eine Inschrift auf alt-hebräisch, auf der Rückseite meist noch eine Kurzfassung auf deutsch. 1941 wurde der Friedhof geschlossen; seitdem fanden hier keine Begräbnisse mehr statt.

[vgl. Altona - Harburg – Wandsbek]

In Hamburg gibt es seit 1966 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden; es war die erste Einrichtung in der Bundesrepublik gewesen, die sich ausschließlich der deutsch-jüdischen Geschichte widmete; erste Zielsetzung bei der Gründung war, die nach 1945 geretteten Archive und Dokumente der jüdischen Gemeinden im Hamburger Raum wissenschaftlich auszuwerten. Als Stiftung bürgerlichen Rechts betrieben wird das Institut von der Hansestadt finanziert. Die öffentlich zugängliche Institutsbibliothek umfasst gegenwärtig mehr als 40.000 Bände.

Seit 2007 existiert das „Eduard-Duckesz-Haus“; es ist von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg geschaffenes Dokumentationszentrum mit einer ihm angeschlossenen Spezialbibliothek.

 http://www.dasjuedischehamburg.de/sites/default/files/images/Duckesz_Eduard-Jecheskel.preview.jpg Neben seiner Tätigkeit als Rabbiner und Lehrer machte sich Eduard Duckesz (geb. 1868) vor allem um die Erforschung jüdischer Grabinschriften und die Genealogie jüdischer Familien der Dreigemeinde Altona-Hamburg-Wandsbek verdient. Anfang März 1944 wurde er in Auschwitz-Birkenau ermordet. Seit 2012 verleiht das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg den Eduard-Duckesz-Preis für Jüdische Studien.

 

         Der sterbende Häftling“ von Françoise Salmon, KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Aufn. Sören Brandes, 2006, aus: wikipedia.org, CC BY 2.5)

Ende 1938 errichtete die SS in einer stillgelegten Ziegelei in Hamburg-Neuengamme ein Außenlager des KZ Sachsenhausen; es wurde im Frühsommer 1940 zum selbstständigen Konzentrationslager erklärt. Im Verlauf des Krieges deportierten die Gestapo und der Sicherheitsdienst der SS Zehntausende von Gefangenen aus allen besetzten Ländern Europas nach Neuengamme. Dort und in ca. 80 Außenlagern, die ab 1942 bei Rüstungsfirmen im norddeutschen Raume eingerichtet wurden, mussten die Häftlinge Schwerstarbeiten für die Kriegswirtschaft leisten.Ab April 1944 erreichten Tausende von Juden, in der Mehrzahl Frauen, mit Evakuierungstransporten aus den anderen Lagern Neuengamme und seine Außenlager; die Zahl der jüdischen Häftlinge im KZ Neuengamme betrug insgesamt etwa 13.000. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren mörderisch. Insgesamt kamen mehr als die Hälfte der 100. 000 Häftlinge des KZs Neuengamme ums Leben; sie starben an Krankheiten und Hunger oder wurden Opfer von Misshandlungen und Mordaktionen. Nach dem Krieg wurden die ehemaligen KZ-Gebäude zunächst als Internierungslager für SS-Angehörige, für Funktionsträger der NSDAP, der Wehrmacht und des NS-Staates genutzt. 1948 übergaben die britischen Besatzungsbehörden das Lager an die Freie und Hansestadt Hamburg, die in den Gebäuden eine Justizvollzugsanstalt einrichtete. 1965 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Lagergärtnerei die KZ-Gedenkstätte Neuengamme eingerichtet; seit 1981 gibt es hier ein Dokumentationszentrum.

2003 verlagerte die den Bereich des ehemaligen Häftlingslagers nutzende Justizvollzugsanstalt ihren Standort. Am 4. Mai 2005 wurde die auf dem historischen Lagergelände neu gestaltete Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben.

Weitere Informationen:

David Leimdörfer, Der Hamburger Tempel, Hamburg 1889

Alfred Feilchenfeld, Aus der älteren Geschichte der portugiesisch-israelitischen Gemeinde in Hamburg, Hamburg 1898

Max Grunwald, Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreiergemeinde, Hamburg 1904

Alfonso Cassuto, Neue Funde zur ältesten Geschichte der portugiesischen Juden in Hamburg, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 3/4 (1931/1932), S. 58 - 72

Hermann Kellenbenz, Sephardim an der unteren Elbe. Ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung vom Ende des 16. bis zum Beginn des 18.Jahrhunderts, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Beiheft), Wiesbaden 1958

O. Wolfsberg-Aviad/u.a., Die Drei-Gemeinde. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Altona-Hamburg-Wandsbek, München 1960

Helga Krohn, Die Juden in Hamburg 1800 - 1850. Ihre soziale, kulturelle und politische Entwicklung während der Emanzipationszeit, Frankfurt/M. 1967

Helga Krohn, Die Juden in Hamburg. Die politische, soziale und kulturelle Entwicklung einer jüdischen Großstadtgemeinde nach der Emanzipation 1848 - 1918, Hamburg 1970

Heinz M. Graupe, Die Statuten der drei Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbek, Quellen zur jüdischen Gemeindeorganisation im 17. und 18.Jahrhundert, Hamburg 1973

Mosche Zimmermann, Hamburgischer Patriotismus und deutscher Nationalismus. Die Emanzipation der Juden in Hamburg 1830 - 1865, Hamburg 1979

Ruben Meleachi, Die Synagogen in Hamburg, in: Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel No. 44/1978, No.45/1979 und No. 46-47/1980

Leo Sievers, Juden in Deutschland - Die Geschichte einer 2000jährigen Tragödie, Goldmann Taschenbuch-Verlag, Hamburg 1980, S. 105 ff.

Fritz Bringmann, KZ Neuengamme - Berichte, Erinnerungen, Dokumente, Frankfurt/M. 1981

Ludwig Eiber, Konzentrationslager Neuengamme 1938 - 1945, Hamburg 1981

Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. u. 20.Jahrhundert, Hans Christians Verlag, Hamburg 1981, Teil 1 und Teil 2, Abb. 109 - 111

Mary Lindemann, 140 Jahre Israelitisches Krankenhaus in Hamburg. Vorgeschichte und Entwicklung, Hamburg 1981

Walter L. Arie Sternheim-Goral, Festschrift zum 25.Jahrestag der Einweihung der Synagoge in Hamburg: 1960 - 1985, Hamburg 1985

Bogdan Suchowiak, Mai 1945: Die Tragödie der Häftlinge von Neuengamme,, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek 1985

Ursula Büttner, Not nach der Befreiung - Die Situation der deutschen Juden in der britischen Besatzungszone 1945 bis 1948, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1986

                            Ulrich Bauche u.a., Arbeit und Vernichtung - Das Konzentrationslager Neuengamme 1938 - 1945, VSA-Verlag, Frankfurt/M. 1986

Ina S. Lorenz, Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik ( 2 Bände), Hamburg 1987

Hans-Peter Schwarz (Hrg.), Die Architektur der Synagoge - Ausstellungskatalog Dt. Architekturmuseum Frankfurt/M., Frankfurt/M. 1988, S. 282 ff. und S. 328

Andreas Heitmann, Die portugiesisch-jüdische Gemeinde zu Hamburg: 1870 - 1941, o.O. 1988

Wilhelm Mosel (Bearb.), Wegweiser zu den ehemaligen jüdischen Stätten in Hamburg, Heft 1 - 3, Hamburg 1983/1985/1989

Peter Freimark/Arno Herzig (Hrg.), Die Hamburger Juden in der Emanzipationsphase 1780 - 1870, Hamburg 1989

Ina Lorenz, Identität und Assimilation. Hamburgs Juden in der Weimarer Republik, Hamburg 1989

Ursula Wamser/Wilfried Weinke (Hrg.), Ehemals in Hamburg zu Hause: Jüdisches Leben am Grindel, Hamburg 1991 (diverse Aufsätze)

Saskia Rohde, Die Synagoge an der Elbstraße und die Synagoge an den Kohlhöfen, Dölling & Galitz Verlag, Hamburg 1991

Saskia Rohde (Bearb.), Synagoge und Gemeindezentrum der neuen Jüdischen Gemeinde in Hamburg, in: Arno Herzig (Hrg.), Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990, Dölling & Galitz Verlag Hamburg 1991, S. 669 ff.

Gad Arnsberg, Gabriel Riesser als deutsch-jüdischer Intellektueller und liberaler Ideologe, in: Menora 2 (1991), S. 81 – 104

Vierhundert Jahre Juden in Hamburg - Eine Ausstellung des Museums für Hamburgische Geschichte, Nov. 1991/März 1992 (2 Bände), Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1991

Die jüdische Gemeinde Hamburg 1860-1943. Kaiserreich - Weimarer Republik - NS-Staat, in: Arno Herzig (Hrg.), Die Juden in Hamburg 1590-1990. Wissenschaftliche Beiträge der Universität Hamburg zur Ausstellung "Vierhundert Jahre Juden in Hamburg", Hamburg 1991

Ina S. Lorenz, Das Leben der Hamburger Juden im Zeichen der “Endlösung” 1942 - 1945, in: A.Herzig/I.Lorenz (Hrg.), Verdrängung und Vernichtung der Juden unter dem Nationalsozialismus, Verlag Christians, Hamburg 1992, S. 207 ff.

S.Baumbach/S.Lohmeyer/B.Meyer/u.a., „Wo Wurzeln waren“ – Juden in Eimsbüttel 1933 – 1945, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 1993

Ina Lorenz, Der jüdische Friedhof in Ottensen (Hamburg). Ein Projektbericht, in: Aschkenas 3/1993, S. 282 – 290

Jüdische Stätten in Hamburg (großformatiges Faltblatt), Hrg. Institut für die Geschichte der deutschen Juden und der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1995

Ina Lorenz/Jörg Berkemann, Streitfall jüdischer Friedhof Ottensen. Wie lange dauert die Ewigkeit ? Chronik, in: Studien zur jüdischen Geschichte 1, Hamburg 1995

Das "Hamburger System" als Organisationsmodell einer jüdischen Großgemeinde. Konzeption und Wirklichkeit, in: R.Jütte/A.P.Kustermann (Hrg.), Jüdische Gemeinden und Organisationsformen von der Antike bis zur Gegenwart, Wien/Köln/Weimar 1996

Martha Glass, “Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk” - Die Theresienstädter Tagebücher einer Hamburger Jüdin 1943-1945. Ergebnisse , Hamburg 1996 (Hrg. Barbara Müller-Wesemann, Landeszentrale für politische Bildung)

Ursula Büttner, Die ersten jüdischen Organisationen in Hamburg nach der Schoah, in: H. Obenaus (Hrg.), Im Schatten des Holocaust - Jüdisches Leben in Niedersachsen nach 1945, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1997, S. 75 ff.

Ursula Randt, Carolinenstraße 35, Geschichte der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg 1884 – 1942, 2.Aufl., Hamburg 1996

Frank Kürschner-Pelkmann, Jüdisches Leben in Hamburg - Ein Stadtführer, Dölling & Kalitz Verlag, Hamburg 1997

P. Freimark/F.Kopitzsch (Hrg.), Spuren der Vergangenheit sichtbar machen. Beiträge zur Geschichte der Juden in Hamburg, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2.Aufl., Hamburg 1997

Peter Reichel (Hrg.), Erinnerungszeichen und Mahnmale - Hamburger Juden im Gedächtnis der Stadt, in: Das Gedächtnis der Stadt. Hamburg im Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, Hamburg 1997

Baruch Z. Ophir, Zur Geschichte der Hamburger Juden 1919 - 1939, in: P.Freimark/F.Kopitzsch (Hrg.), Spuren der Vergangenheit sichtbar machen. Beiträge zur Geschichte der Juden in Hamburg, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2.Aufl., Hamburg 1997, S. 75 f.

Carol Herselle Krinsky, Europas Synagogen. Architektur, Geschichte und Bedeutung, Fourier Verlag, Wiesbaden 1997, S. 289 – 294

Hermann Kaienburg, Das Konzentrationslager Neugamme 1938 - 1945, Hrg. KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Verlag J.H.W.Dietz-Nachf., Bonn 1997

Frank Bajohr, “Arisierung” in Hamburg - Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933 - 1945, Christians Verlag, Hamburg 1998

Michael Koglin, Spaziergänge durch das jüdische Hamburg. Geschichte in Geschichten, Hamburg 1998

Erika Hirsch/Thomas Sparr (Hrg.), Jüdisches Städtebild Hamburg, in: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1999

Stefan Rohrbacher, Die Drei Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbek zur Zeit der Glikl, in: Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 8/1998 (1), S. 105 – 124

Uwe Lohalm, Die nationalsozialistische Judenverfolgung in Hamburg 1933 - 1945. Ein Überblick, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1999

Saskia Rohde, Die Novemberpogrome und die Hamburger Synagogen, Hamburg 1999

Iris Doris Fishof, Jüdische Buchmalerei in Hamburg und Altona: Zur Geschichte der Illumination hebräischer Handschriften im 18.Jahrhundert, in: Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden 21, Hamburg 1999

Andreas Brämer, Judentum und religiöse Reform. Der Hamburger Israelitische Tempel 1817 - 1938, Hamburg 2000

Stefan Petzhold, Juden in Bergedorf: Die nationalsozialistische Verfolgung 1933 - 1945, hrg. vom Museum für Bergedorf und die Vierlande, Hamburg 2001

M.Brocke/Chr. Müller, Haus des Lebens - Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Reclam Verlag, Leipzig 2001, S. 193 f.

Werner Meiners, Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung. Judenpolitik und jüdisches Leben im Oldenburger Land bis 1827, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen u. Bremen, Band 204, Hannover 2001

Ina S. Lorenz, Jüdischer Neubeginn im ‘Land der Mörder’ ?, in: J. H.Schoeps (Hrg.), Leben im Land der Täter - Juden im Nachkriegsdeutschland 1945 - 1952, Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2001, S. 97 - 132

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 485 - 491

Ina S. Lorenz, Gehen oder Bleiben - Neuanfang der Jüdischen Gemeinde in Hamburg nach 1945, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2002

Der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona: sefardische und aschkenasische Grabkultur in Hamburg, Hrg. Stiftung zur Erhaltung von Bau- und Kunstdenkmälern in der Freien und Hansestadt Hamburg, Hamburg 2002

A Jerusalém Do Norte. Sefardische Juden in Hamburg. Eine Ausstellung der Staatlichen Pressestelle der Freien und Hansestadt Hamburg (2002 ?)

Michael Studemund-Halévy, Zerstört die Erinnerung nicht: Der jüdische Friedhof Königstraße in Hamburg, Verlag Dölling & Galitz, Hamburg 2002

Frank Bajohr, Die Deportation der Hamburger Juden 1941 - 1945, Hrg. Forschungsstelle für Zeitgeschichte, 2.Aufl., Hamburg 2002

Uwe Lohalm, “Schließlich ist es meine Heimat ...”: Harry Goldstein und die jüdische Gemeinde in Hamburg in persönlichen Dokumenten und Fotos, Ergebnisse-Verlag, Hamburg 2002

Heiko Morisse, Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg. Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat, Verlag Christians, Hamburg 2003

Detlef Garbe/Jens Michelsen (Red.), Gedenkstätten in Hamburg - Ein Wegweiser zu Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933 - 1945, Hrg. KZ Gedenkstätte Neuengamme/Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2003

Eberhard Kändler, Der jüdische Friedhof Harburg, Christians Verlag, Hamburg 2004

Michael Studemund-Halévy, Zerstört die Erinnerung nicht: Der jüdische Friedhof Königsstraße in Hamburg, Verlag Dölling & Galitz, Hamburg 2004

Hildegard Harck (Bearb.), Unzer Sztyme. Jüdische Quellen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in der Britischen Zone 1945 - 1947, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein, Kiel 2004, S. 34 - 36, S. 41/42, S. 49 - 52, S. 54/55, S. 60/61, S. 70/71, S. 73 und S. 115 - 117

Ursula Randt, Die Talmud Tora Schule in Hamburg 1805 - 1942, München/Hamburg 2005

Arno Herzig, Das jüdische Armenwesen in Hamburg in der Übergangsphase von der Dreiergemeinde zur Deutsch-Israelitischen Gemeinde 1788 - 1808, in: Aus den Quellen. Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte 2005 – Festschrift für Ina Lorenz zum 65.Geburtstag, München u.a. 2005, S. 37 - 45

Nicole Rinza, Shalom Hamburg: die Hamburger Juden und ihre Synagogen (Film), Hrg. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2005

Ina Lorenz (Hrg.) Zerstörte Geschichte. Vierhundert Jahre jüdisches Leben in Hamburg, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2005 (mehrere längere Aufsätze)

Kirsten Heimsohn, Das jüdische Hamburg: ein historisches Nachschlagewerk, Wallstein-Verlag, Göttingen 2006

M.Brumlik/R.Heuberger/C.Kugelmann (Hrg.), Reisen durch das jüdische Deutschland, DuMont Literatur- u. Kunstverlag, Köln 2006, S. 141 - 167

Diana Zinkler, Die faszinierende Welt der Synagogen. Ausstellung zu den ehemaligen Hamburger Synagogen, Hamburg 2006

Simon Hollendung, Die Aufteilung der jüdischen Dreigemeinde in Hamburg 1812, in: Hausarbeit im Fach Geschichte im Rahmen des 1. Staatsexamens für das Lehramt an der Oberstufe allgemeinbildender Schulen, Universität Hamburg, 2006

Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hrg.), Das Jüdische Hamburg - Ein historisches Nachschlagewerk, Hamburg 2006

Ursula Wamser, Eine verschwundene Welt: Jüdisches Leben am Grindel, 2. erw. u. erg. Neuauflage, Springe 2006

Beate Meyer (Hrg.), Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933 - 1945. Geschichte - Zeugnis - Erinnerung, 2. Aufl., Wallstein-Verlag, Göttingen 2006

Daniel Killy, Im Herzen Hamburgs: Festschrift zur Einweihung des neuen Zentrums der Jüdischen Gemeinde am 10.Juni 2007 – 24.Siwan 5767, hrg. vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hamburg, 2007

Ulrich Knufinke, Bauwerke jüdischer Friedhöfe in Deutschland, in: Schriftenreihe der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, Band 3, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2007, S. 83 f., S. 178 f., S. 228/229 und S. 248/249

Oliver Breitfeld/Michael Studemund-Halévy/Almut Weiland, Archiv aus Stein. 400 Jahre Jüdischer Friedhof Königstraße, Hamburg 2007

Hans Hermann Groppe/Ursula Wöst, Über Hamburg in die Welt. Von den Auswanderungshallen zur Ballin-Stadt, Hamburg 2007

Julia Lorenz, Die Jerusalem-Gemeinde in Hamburg: christlich-jüdische Beziehungen und „Judenmission“ (1845 – 1945), Hamburg 2007

Michael Studemund-Halévy, Portugal in Hamburg, Hamburg 2007

Nordelbisches Missionszentrum (Hrg.), Scherben bringen Unglück. Materialheft zum 70.Jahrestag des Novemberpogroms, Hamburg 2008

Michael Koglin, Zu Fuß durch das jüdische Hamburg – Foto- und Textband, überarb. und erg. Neuausgabe, Hamburg 2008/2009

Alissa Lange, Das jüdische Altenhaus am Grindel: die jüdische Geschichte des heutigen katholischen Studentenwohnheims Franziskus-Kolleg in Hamburg im 19.Jahrhundert, in: Hamburg historische Forschungen 3, Hamburg 2008

Birgit Gewehr, Stolpersteine in Hamburg-Altona mit Elbvororten. Biographische Spurensuche, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2008

Linde Apel (Hrg.), „In den Tod geschickt, Die Deportationen der Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945“, Metropol Verlag, Berlin 2009

Verein für Hamburgische Geschichte (Hrg.), Spätes Gedenken. Ein Geschichtsverein erinnert sich seiner ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder, Edition Temmen, Bremen 2009

Michael Brocke, Verborgene Pracht.Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona - Aschkenasische Grabmale, Hrg. Salomon Ludwig Steinheim-Institut Duisburg, Sandstein Verlag, Dresden 2009

Anna Prochotta, Das jüdische Kinderheim in Blankenese 1946 – 1948. Geschichte und Erinnerung, Hamburg 2009

Hilde Michael, Das Leben der Hamburger und Altonaer Juden unterm Hakenkreuz: anhand ausgewählter Briefe des Dr. Joseph Carlebach, in: Veröffentlichungen des Hamburger Arbeitskreises für Regionalgeschichte 28, Berlin/u.a. 2009

Olivia Raffetseder, Jüdische Remigration nach Hamburg nach 1945, Hamburg 2009

Anna von Villiez, Mit aller Kraft verdrängt: Entrechung und Verfolgung „nicht-arischer“ Ärzte in Hamburg 1933 – 1945, in: Studien zur jüdischen Geschichte Band 11, Verlag Dölling & Galitz, München 2009

Ursula Schmucker, Ressourcen und Strategien in der Diaspora: Die persisch-jüdische Gemeinde in Hamburg, Magisterarbeit an der Universität Hamburg, 2009

Michael Studemund-Halévy, „Zerstört die Erinnerung nicht!“ - Der jüdische Friedhof an der Königstraße, 3.Aufl., Hamburg 2010

Stefanie Schüler-Springorum, Deutsch-jüdische Geschichte in Hamburg, in: R.Nicolaysen/A.Schildt, 100 Jahre Geschichtswissenschaft in Hamburg, Berlin/Hamburg 2011, S. 253 – 269

Michael Studemund-Halévy, „Im jüdischen Hamburg. Ein Stadtführer von A bis Z“ – Orts- u. Gedenkstättenlexikon, Verlag Dölling & Galitz, München/Hamburg 2011

Linde Apel/Klaus David/Stefanie Schüler-Springorum (Hrg.), Aus Hamburg in alle Welt: Lebensgeschichten jüdischer Verfolgter aus der „Werkstatt der Erinnerung“, Verlag Dölling & Galitz, München/Hamburg 2011

J. A. S. Grenville, The Jews and Germans in Hamburg: the destruction of a civilization 1790 – 1945, London 2012

Ina S.Lorenz/Michael Studemund-Halévy, Otto Quirin. Hamburger jüdische Portraits, Hamburg 2012

Barbara Müller-Wesemann, Der Jüdische Kulturbund Hamburg 1934 – 1941, in: Dirk Hempel/u.a. (Hrg.), Das literarische Feld in Hamburg 1933 – 1941. Schriften zur Literaturgeschichte Band 16, Hamburg 2012, S. 85 – 104

Das jüdische Hamburg - ein Nachschlagewerk, online abrufbar unter: dasjuedischehamburg.de/inhalt

Geschichte der Juden in Hamburg, online abrufbar unter: wikiwand.com/de/Geschichte_der_Juden_in_Hamburg

Sylvia Steckmest, Die Robinows: eine Hamburger jüdische Kaufmannsfamilie, Hamburg 2013

Jürgen Sielemann, Einbürgerung osteuropäischer Juden im Kaiserreich am Beispiel Hamburgs, in: Maajan – Zeitschrift für jüdische Familienforschung, Band 27/2013, S. 4261 – 4267

Jorun Poettering, Portugiesische Juden und Hamburger: zwei Ausprägungen migrantischen Judentums in der frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, München, Bd. 58/2013, S. 163 - 179

Michael Studemund-Halévy/Anna Menny, Ort und Erinnerung: ein historischer Streifzug durch das jüdische Hamburg von 1930, Hamburg 2013

Erika Hirsch, Jüdische Vereine in Hamburg: Tradition und neue Herausforderungen, in: Jüdische Wohltätigkeits- und Bildungsvereine 2013, S. 26 – 40

Angela Schwarz, Das israelitische Vorschussinstitut in Hamburg von 1816, in: U Stascheit/G.Stecklina (Hrg.), Jüdische Wohltätigkeits- und Bildungsvereine, Fachhochschulverlag, Frankfurt/M. 2013, S. 55 - 71

Projekt "Biografische Spurensuche", Stolpersteine in Hamburg und seinen Stadtteilen (ca. 15 laufend ergänzte Publikationen der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg), abrufbar unter: stolpersteine-hamburg.de

Marc-Oliver Rehrmann (Red.), "Alle Kinder hassten ihre Eltern, nur ich nicht", in: ndr.de vom 6.5.2015 (betr. Einweihung des "Kindertransport-Denkmals")

Edgar S.Hasse (Red.), Joseph-Carlebach-Preis. Die Schicksale hinter den Stolpersteinen in Hamburg, in: „Hamburger Abendblatt“ vom 6.5.2015

Jörg Berkemann/Ina Lorenz (Hrg.), Die Hamburger Juden im NS-Staat 1933 bis 1938/39, in: Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, 7 Bände, Wallstein-Verlag, Göttingen 2016 

Jürgen Sielemann (Hrg), HGjG 1996 – 2016 . Zwanzig Jahre Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie, Hamburg 2016 (Anm. diverse Aufsätze)

Miriam Rürup (Red.), Wessen Erbe?. Deutsch-jüdische Geschichtsschreibung nach 1945 – das Hamburger Beispiel, in: Kalonymos – Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut an der Universität Duisburg-Essen, 19.Jg./2016, Heft 4, S. 4 - 9

Jutta Braden, Konvertiten aus dem Judentum in Hamburg 1602 – 1760. Esdras Edzardis Stiftung zur Bekehrung der Juden von 1667, in: A.Brämer/M.Rürup (Hrg.), Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Band XLVII, Göttingen 2016

Miriam Gillis-Carlebach, Streiflichter aus der jüdischen Vergangenheit Hamburgs. Eine Bildreise, Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin 2016

nib (Red.), Nazis enteignen 1500 jüdische Unternehmen in Hamburg, in: Hamburger Abendblatt“ vom 11.1.2017

Christel Busch (Red.), Jüdische Friedhofskultur in Hamburg: Der jüdische Friedhof Ohlsdorf, in: kultur-port.de vom 8.2.2017

N.N. (Red.), Denkmal erinnert an KZ-Deportationen – In etwa zwei Jahren soll mit dem Bau eines Dokumentationszentrums begonnen werden, in: „Jüdische Allgemeine“ vom 19.4.2017

Hannoverscher Bahnhof - Erinnern an die Deportierten aus Hamburg 1940 bis 1945, online abrufbar unter: hannoverscher-bahnhof.hamburg.de

Gedenkort erinnert an NS-Opfer, in: NDR.de vom 23.5.2017

Christian Hanke (Red.), Stolpersteine Hamburg: 444 Seiten Erinnerung, in: „Hamburger Wochenblatt“ vom 7.6.2017

Auflistung der in den Hamburger Stadtteilen verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Hamburg

Antonia Thiele (Red.), Hamburg. Kammer verlegt Stolpersteine für getötete Kaufleute, in: "Die WELT" vom 24.9.2018

Silke Fries (Red.), Die Novembernacht, als in Hamburg die Synagogen brannten, in: „Hamburger Abendblatt“ vom 9.11.2018

N.N. (Red.), Novemberpogrom 1938. "Vati, ich hab‘ dich gesehen, du bist an der Spitze marschiert!“, in: „SPIEGEL online vom 9.11.2018