Haßloch (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für haßloch postleitzahl karte Haßloch ist eine Kommune mit derzeit ca. 21.000 Einwohnern im Süden des Kreises Bad Dürkheim – ca. 25 Kilometer südwestlich von Mannheim gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Eine erste urkundliche Erwähnung dreier jüdischer Familien in Haßloch liegt aus den 1720er Jahren vor.

Vermutlich schon im 18.Jahrhundert hielten die Haßlocher Juden ihre Gottesdienste in einem Synagogenraum ab, der um 1850 durch einen neuen ersetzt wurde. Dieser befand sich im Obergeschoss eines Gebäudes in der Gillerstraße; im Parterre war die kleine Schule mit Lehrerwohnung untergebracht.

Um die Jahrhundertwende trug such die Gemeinde mit dem Gedanken, den Neubau eines Synagogengebäudes zu bewerkstelligen. Dessen Finanzierung sollte u.a. durch Spenden der Gemeindemitglieder erfolgen. Ein Versuch, Gelder zu requirieren, ist der folgenden Geschäftsanzeige zu entnehmen.

              Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1904

Die Pläne für den Neubau einer Synagoge zerschlugen sich auf Grund mangelnder Finanzierung – endgültig dann in den Jahren des Ersten Weltkrieges und danach; so blieb die alte Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort bis 1938.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch eine Mikwe; sie war als Ersatz für die privaten „Kellerbäder“ zu Beginn der 1880er Jahre gebaut worden.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20237/Hassloch%20Mikwe%20188101.jpg Bau-Ausschreibung für das Mikwen-Gebäude von 1881

Bauskizze (um 1880)   Gemeindesiegel              

Der jüdische Friedhof in Haßloch war ca. 1820 angelegt worden und wurde auch von den benachbarten Gemeinden Geinsheim, Iggelheim und Böhl genutzt.

Die jüdische Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.

Juden in Haßloch:

         --- 1722 ..........................   3 jüdische Familien,

    --- 1744 ..........................   9     “       “    ,

    --- 1768 ..........................  33 Juden,

    --- 1783 ..........................  44   "  ,

    --- 1821 ..........................  58   “  ,

    --- 1861 .......................... 128   “  ,

    --- 1875 .......................... 100   “  ,

    --- 1893 .......................... 102   “  ,

    --- 1900 ..........................  76   “  ,

    --- 1925 ..........................  65   “  ,

    --- 1933 ..........................  70   “  ,

    --- 1934 ..........................  46   “  ,

    --- 1936 ..........................  42   “  ,

    --- 1938 ..........................  29   “  ,

    --- 1939/40 .......................   3   “  .

Angaben aus: Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden, S 96

und                 Johannes Theisohn, Jüdisches Leben in Haßloch, S. 82

             Ak Haßloch im Kreis Bad Dürkheim, Partie in der Gillergasse 0 Straßenzug in Haßloch (Gillergasse), hist. Postkarte, um 1915

Um die Mitte des 19.Jahrhunderts stieg die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde stark an; doch bereits nach 1870 war die Zahl der Gemeindeangehörigen wieder rückläufig. Zu Beginn der NS-Zeit lebten noch ca. 70 jüdische Einwohner in Haßloch.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde die Haßlocher Synagoge stark beschädigt; Versuche, das Gebäude vollständig in Brand zu setzen, scheiterten aber. Die Inneneinrichtung wurde vollkommen zerstört, herausgerissen und anschließend auf dem Schulhof verbrannt. Wohnungen jüdischer Bewohner wurden aufgebrochen und demoliert; außerdem wurden Geschäfte geplündert. Die letzten drei in Haßloch noch verbliebenen jüdischen Bewohner wurden im Oktober 1940 ins südfranzösische Gurs deportiert. Mindestens 13 gebürtige Haßlocher Juden wurden Opfer des Holocaust.

Fünf Jahre nach Kriegsende fand ein Prozess vor dem Schwurgericht Frankenthal gegen Beteiligte der „Novemberaktionen“ in Haßloch statt. Die Täter wurden zu geringen Haftstrafen verurteilt.

Das einstige Synagogengebäude musste Ende der 1970er Jahre abgetragen werden, da es beim Abriss eines Nachbarhauses stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. 1984 wurde auf dem ehemaligen Synagogengrundstück in der Gillergasse eine Gedenktafel enthüllt, die folgenden Text trägt:

Hier befand sich

bis zur Schändung durch die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9./10.November 1938

die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Haßloch.

Mit ihrer Zerstörung und der darauffolgenden Deportation

unserer jüdischen Mitbürger endete jegliches jüdische Leben in unserem Ort.

Diese Tafel soll zur Erinnerung für die Lebenden und zur Mahnung der kommenden Generation sein.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20359/Hassloch%20Gedenktafel%20020.jpg Jüdische NS-Opfer von Haßloch (Aufn. M. Ohmsen, 2010)

Auf dem jüdischen Friedhof, der sich derzeit in einem gepflegten Zustand befindet, findet man heute noch ca. 380 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2047/Hassloch%20Friedhof%20110.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2047/Hassloch%20Friedhof%20105.jpg

Jüdischer Friedhof in Haßloch (beide Aufn. J. Hahn, 2004)

Weitere Informationen:

Karl Heinz Debus, Die Reichskristallnacht in der Pfalz, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Band 129, Hrg. Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg 1981, S. 445 ff.

Johannes Theisohn, Die israelitische Volksschule, Hrg. Arbeitskreis Heimatmuseum Haßloch, Haßloch 1986, S. 61 ff.

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße, 1988, S. 94 f.

Johannes Theisohn, Jüdische Familien in Haßloch, Broschüre zu Anlaß des 1.Heimattreffens ehemaliger jüdischer Mitbürger in Haßloch im Sept./Okt. 1988, Haßloch 1988

Johannes Theisohn, Das rituelle Frauenbad in Haßloch ..., in: Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1992, S. 259 ff.

Hanns Hubach, Zur „Baugeschichte“ der Haßlocher Synagoge im 19. Jahrhundert, in: 1400 Jahre Hasalaha, 600–2000. Von 1850 bis zum Jahr 2000 - Beiträge zur Geschichte von Haßloch Bd. 4, Hrg. Gemeindeverwaltung Haßloch, Haßloch 2001, S. 37 - 52

Haßloch, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 180/181

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 84

Johannes Theison/u.a., Jüdisches Leben in Haßloch, in: Beiträge zur Geschichte in Haßloch 9, hrg. vom „Freundeskreis Heimatmuseum Haßloch“, 2008 (mehrere Aufsätze)

Jüdisches Haßloch, bearb. vom Freundeskreis "Jüdische Mitbürger" (Stand: 2016), online abrufbar unter: juedisches-hassloch.de (Anm.: mit detaillierten Angaben zu den Angehörigen der ehem. jüdischen Gemeinde)