Hatten (Elsass)

Bildergebnis für hagenau elsass karte kreis Hatten, eine kleine Ortschaft mit derzeit nahezu 2.000 Einwohnern, liegt zwischen Haguenau (Hagenau) und Lauterbourg (Lauterburg) im äußersten NO des Unterelsass.

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde in Hatten reichen vermutlich bis ins beginnende 18.Jahrhundert zurück; ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die hiesige Judenschaft gegen Mitte des 19.Jahrhunderts.

Eine etwa 50 Jahre lang genutzte Synagoge wurde 1870/1871 durch einen Neubau ersetzt.

   

Synagoge in Hatten/Elsass (hist. Ansichtskarten)

Weitere gemeindliche Einrichtungen waren eine Schule und ein rituelles Bad. Zur Verrichtung religiöser Aufgaben hatte man seitens der Kultusgemeinde einen Lehrer verpflichtet.

               Stellenangebot der Gemeinde von 1877

Anlässlich des 25jährigen Bestehens der Synagoge beging die Gemeinde ein Fest; dazu hieß es in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 30.Juli 1896:

Hatten (Elsaß). Vergangenen Schabbat Nachamu wurde das 25jährige Bestehen unseres herrlichen Gotteshauses in schönster Weise gefeiert. Die Feier wurde besonders durch die Gegenwart unseres allverehrten Herrn Oberrabbiners des Herrn Dr. Weil aus Straßburg und des Herrn Rabbiners Dr. Bloch aus Sulz u. W. erhöht. Am Freitag-Nachmittag wurde der Herr Oberrabbiner von den Vertretern der Gemeinde am Bahnhofe empfangen. Abends fand ein Festgottesdienst in dem aufs schönste mit Blumen und Kränzen geschmückten Gotteshause statt. Der trefflich geleitete Synagogenchor erhob die Herzen in eine andachtsvolle Stimmung. Am Samstag wurde ein Frühgottesdienst von 7 bis 8 Uhr abgehalten. Um 10 Uhr wurde der Gottesdienst durch eine tief ergreifende, Allen zu Herzen gehende Rede des Herrn Oberrabbiners wieder eröffnet. Er gedachte einleitend der Begründer des Gotteshauses, von denen leider so viele nicht mehr unter uns weilen. Er sprach über den Text: „Wie schön sind deine Zelt Jakob, deine Wohnung Israel“ und in Verbindung hiermit über die Bedeutung des Gotteshauses in früheren Zeiten und in jetziger Zeit. Hiernach richtete Herr Rabbiner Dr. Bloch in längerer Rede erhebende Worte an die Gemeinde. Nach einem Rundgang mit den Thorarollen unter Begleitung des Chorgesanges wurde jedes Gemeindemitglied zur Thora gerufen. Um 2 Uhr begann das Festessen, wozu sämtliche Gemeindemitglieder geladen waren. Von den ausgebrachten Toasten sei besonders der des Herrn Oberrabbiners erwähnt, der den Herrn Anselm Cahn als langjährigen persönlichen Freund und als Vorsteher der Gemeinde feierte, deren Wohl er eine lange Reihe von Jahren mit Opferfreudigkeit gefördert hat. Eine gemüthliche Nachfeier hielt die Festgenossen bis in die späte Nacht vereint.

                  aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 11.Febr. 1909

Erst seit 1880 begruben die Hattener Juden ihre Verstorbenen auf einem eigenen Begräbnisgelände, das in Richtung Seltz gelegen war; zuvor hatten Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof in Hagenau ihre letzte Ruhe gefunden. 

Die israelitische Gemeinde Hatten gehörte zum Rabbinatsbezirk Sourburg-Sultz unterm Wald.

Juden in Hatten:

        --- 1784 ..........................  13 jüdische Familien,

    --- 1807 ..........................  99 Juden,

    --- um 1840/50 ................ ca. 220   “  ,

    --- 1861 .......................... 200   “  ,

    --- 1870 .......................... 203   “  ,

    --- 1910 ..........................  93   “  ,

    --- 1936 ..........................  34   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 43

Ab den 1870er Jahren wanderten viele Gemeindeangehörigen in die größeren französischen Städte ab. Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre war die Hattener Kultusgemeinde in Auflösung begriffen.

Unter der deutschen Okkupation wurden 1940 die letzten jüdischen Einwohner von Hatten ins südfranzösische Gurs in Südfrankreich verschleppt. Nach Angaben des „Gedenkbuches Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 bis 1945“ wurden nachweislich 14 ehemalige jüdische Bewohner Hattens Opfer der Shoa.

Im Januar 1945 wurde fast der gesamte Ort, darunter auch Synagoge, zerstört.

                             kriegszerstörtes Synagogengebäude (aus Sammlung Rothé)  

Der unmittelbar an ein Gewerbegebiet angrenzende jüdische Begräbnisplatz - an der Straße in Richtung Seltz - weist heute noch zahlreiche Grabmale auf.

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links: Teilansicht des jüdischen Friedhofs, rechts: klassizistische Grabmäler (beide Aufn. J. Hahn, 2007)

Aus Hatten stammte der Rabbiner Arthur Weil (geb. 1880). Nach seinem Abitur besuchte er das orthodoxe Rabbinerseminar in Berlin. Nach der Promotion an der Universität Straßburg (1907) arbeitete er zunächst als Religionslehrer in Paris, danach leitete er von 1912 bis 1925 die Religionsschule der Israelitischen Straßburger Gemeinde. Gleichzeitig übte er auch das Rabbinat in Bischheim aus. In den drei Jahrzehnten von 1926 bis 1956 amtierte Dr. Arthur Weil als Gemeinderabbiner in Basel. Er starb 1959; sein Grab findet man auf dem Israelitischen Friedhof in Basel.

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Hatten/Elsass, in: alemannia-judaica.de (mit Abb. von historischen Postkarten)