Hattstadt - Herlisheim (Elsass)

Die kleinen Ortschaften Hattstadt (frz. Hattstatt) und Herlisheim (frz. Herrlisheim) sind an der Elsässer Weinstraße im Oberelsass wenige Kilometer südlich von Colmar gelegen.

Bereits im 14.Jahrhundert lebten Juden in Hattstadt. Nach dem Pestpogrom von 1348/1349 siedelten sie sich wenige Jahrzehnte später erneut an.

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts zählte die israelitische Gemeinde etwa 200 Angehörige; bis in die 1860er Jahre war Hattstadt Sitz eines Rabbinats. In den Folgejahrzehnten wurde es vom Rabbiner Colmars verwaltet, ehe es dann um 1910/1915 offiziell aufgelöst wurde.

Das bis ins 20.Jahrhundert genutzte Synagogengebäude in Herrlisheim stammte aus den 1830er Jahren.

 

Synagoge in Hattstadt (links: Ausschnitt aus Bildpostkarte, rechts: hist. Aufn., aus Sammlung Rothé)

Der zwischen Hattstadt und Herrlisheim liegende Friedhof wurde gegen Ende des 18.Jahrhunderts angelegt und soll gegenwärtig noch ca. 600 Grabsteine aufweisen. Die Pflege des Begräbnisgeländes liegt in den Händen der Organisation „Les Bienfaiteurs du Cimetière de Hattstadt - Herrlisheim“.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2044/Herrlisheim%20pC%20Cimetiere%20104.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2044/Herrlisheim%20pC%20Cimetiere%20103.jpg

Jüdischer Friedhof (Aufn. J. Hahn, 2004, aus: alemannia-judaica.de)

Juden in Hattstadt:                                                  

    --- 1716 ........................  18 jüdische Familien,

    --- 1784 ........................  41     "       "   (ca. 230 Pers.),

    --- 1846 .................... ca. 360 Juden,

    --- 1861 ........................ 303   “  ,

    --- 1900 ........................ 165   “  ,

    --- 1910 ........................ 129   “  ,

    --- 1936 ........................  59   “  ,

    --- 1953 ........................ 124   “  .

Juden in Herlisheim:

        --- 1784 .......................  36 jüdische Familien (ca. 160 Pers.),

    --- 1846 ....................... 266 Juden,

    --- 1861 ....................... 272   “  ,

    --- 1900 .......................  35   “  ,

    --- 1910 .......................  76   “  ,

    --- 1936 .......................  31   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S.53/54

Den Niedergang der jüdischen Gemeinde von Hattstadt dokumentiert u.a. die folgende Kurznotiz aus dem Jahre 1909:

        aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28.2.1907

Die Synagoge in Hattstadt fiel Mitte Juni 1940 einem Bombenangriff zum Opfer.

Im Jahre 1940 wurden die noch hier lebenden Juden nach Südfrankreich abgeschoben. Nach Kriegsende kehrten einige jüdische Familien hierher zurück.

Wiederholt wurde der jüdische Friedhof von rechtsradikalen Tätern geschändet; dabei wurden Grabsteine mit Hakenkreuzen und Parolen beschmiert und zahlreiche Grabsteine umgeworfen.

beschmierte Grabsteine (Pressefoto)  

Anm: In Herrlisheim - im unterelsässischen Kanton Bischweiler (Bischwiller) gelegen - gab es auch eine israelitische Kultusgemeinde.  vgl. Herlisheim (Elsass)

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992, S. 164

Gerd Mentgen, Studien zur Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß, in: Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung A: Abhandlungen, Band 2, S. 270 - 282, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1995

Hattstadt, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Aufnahmen vom jüdischen Friedhof)

Herrlisheim, in: alemannia-judaica.de