Hebenshausen (Hessen)

Datei:Neu-Eichenberg ESW.svg Hebenshausen ist heute ein Ortsteil der nordhessischen Kommune Neu-Eichenberg im Werra-Meißner-Kreis - etwa 25 Kilometer südlich der Universitätsstadt von Göttingen (Niedersachsen) gelegen (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Erste urkundliche Hinweise auf jüdische Ansässigkeit im Dorf Hebenshausen liegen bereits seit Beginn des 17.Jahrhunderts vor; seitdem haben kontinuierlich jüdische Familien hier gelebt. Eine jüdische Gemeinde soll sich aber erst zu Beginn des 18.Jahrhunderts entwickelt haben. Die meisten Juden Hebenshausens lebten damals vom wenig ertragreichen Klein- und Gelegenheitshandel.

Ihren ersten Betraum errichtete die hiesige Judenschaft zwischen 1730 und 1750; er wurde anfänglich auch von den Juden von Bischoffshausen genutzt. Um 1855 ersetzte man das inzwischen marode Synagogengebäude durch einen mitten im Dorf gelegenen Neubau; die dafür notwendigen Finanzmittel wurden durch eine Spendenaktion erbracht.

Aufruf in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. Mai 1850:

Der Wunsch der jüdischen Gemeinde, das Synagogengebäude mit einem Turm zu verzieren, wurde aber abgelehnt.

Zur Besorgung religiös-ritueller Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt.

Die Verstorbenen wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Witzenhausen begraben; vermutlich seit Beginn des 18.Jahrhunderts stand den Juden von Hebenshausen ein eigenes Beerdigungsgelände zur Verfügung; es lag auf einer Anhöhe etwa zwei Kilometer nördlich des Dorfes.

Zur Gemeinde Hebenshausen gehörten auch die wenigen Juden aus dem benachbarten Marzhausen.

Juden in Hebenshausen:

    --- um 1700 .........................   3 jüdische Familien,

    --- um 1710 .........................  12     “       “    ,

    --- um 1750 .........................  17     “       “    ,

    --- 1776 ............................  11     "       "    ,

    --- um 1830/35 ......................  92 Juden (ca. 17% d. Dorfbev.),

    --- 1861 ............................ 104   “   (ca. 20% d. Dorfbev.),

    --- 1871 ............................  76   "  ,

    --- 1885 ............................  40   “   (ca. 10% d. Dorfbev.),

    --- 1895 ............................  29   "  ,

    --- 1905 ............................  18   “  ,

    --- 1932/33 .........................   6   “  ,

    --- 1943 ............................   keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 339

und                 K.Kollmann/Th.Wiegand, Spuren einer Minderheit - Judenfriedhöfe und Synagogen ... , S. 90

Im 19.Jahrhundert betrieben die Juden im Dorf einen schwunghaften Handel mit Vieh, Wolle und Manufakturwaren. Nach 1860 wanderten auch die allermeisten Juden ab; sie sahen eine bessere wirtschaftliche Perspektive in größeren Städten. Um 1900 lebten nur noch sieben jüdische Familien in Hebenshausen; es waren dies: die Familien Isak Grunsfeld, Julius Rosenstein, Moritz Katz, Meier u. Ruben Hecht, Julius Schwabe, Kugelmann sowie Abraham Hesse.

Bis ca. 1910 wurden Gottesdienste am Ort abgehalten; danach musste die Synagoge geschlossen werden, da kein Minjan mehr erreicht wurde. Die Ritualgegenstände wurden der jüdischen Gemeinde in Witzenhausen übergeben. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde schlossen sich die wenigen noch in Hebenshausen lebenden jüdischen Bewohner der Kultusgemeinde von Witzenhausen an.

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Hebenshausen nicht einmal mehr zehn Juden. Die letzten jüdischen Dorfbewohner wurden wohl 1939/1940 nach Witzenhausen „umgesiedelt“ und von hier aus deportiert. Fünf jüdische Bewohner Hebenshausens wurden Opfer des Holocaust.

Das Synagogengebäude war 1937 seitens der jüdischen Gemeinde Witzenhausen an einen Privatmann veräußert worden, der es später als Scheune nutzte. Seit einigen Jahren steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

ehem. Synagogengebäude (Aufn. Jan Stubenitzky, 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 Rekonstruktionsskizze der Synagoge (aus: Th. Altaras)

Auf dem von 1736 bis 1922 belegten ca. 2.800 m² großen Begräbnisgelände in Hebenshausen findet man heute noch ca. 75 Grabsteine, die - stehend und liegend - unregelmäßig auf dem Areal verteilt sind.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20295/Hebenshausen%20Friedhof%20165.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20295/Hebenshausen%20Friedhof%20160.jpg

Jüdischer Friedhof nahe Hebenshausen (beide Aufn. J. Hahn, 2011)

vgl. Witzenhausen (Hessen)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 339 - 341

Eva Grulms/Bernd Kleibl, Jüdische Friedhöfe in Nordhessen - Bestand und Sicherung, Kassel 1984

Thea Altaras, Synagogen in Hessen - was geschah seit 1945 ?, Verlag K.R. Langewiesche Nachfolger Hans Köster Verlagsbuchhandlung, Königstein i. Ts. 1988, S. 74 - 76

K.Kollmann/Th.Wiegand, Spuren einer Minderheit - Judenfriedhöfe und Synagogen im Werra-Meißner-Kreis, Verlag Jenior & Pressler, Kassel 1996, S. 90/91

Hebenshausen, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Aufnahmen vom jüdischen Friedhof)

Lars Klein (Bearb.), Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde, online abrufbar unter: heimatgeschichte-hebenshausen.de/judentum/