Hechingen (Baden-Württemberg)

Datei:Hechingen in BL.svg Hechingen ist eine Stadt mit derzeit ca. 20.000 Einwohnern, die in zentraler Lage Baden-Württembergs etwa 60 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Stuttgart liegt (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Anders als in den meisten deutschen Städten ist die Geschichte der Stadt Hechingen und die der dortigen jüdischen Gemeinde aufs engste miteinander verknüpft. Seit Ende des 15.Jahrhunderts wuchs die jüdische Bevölkerung von Hechingen langsam, aber kontinuierlich an - nur Ende des 16. Jahrhunderts unterbrochen durch eine größere Vertreibungswelle. Dieses Bevölkerungswachstum hielt bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts an.

Die Ersterwähnung eines Juden in Hechingen geht zurück ins Jahr 1435. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat sich vermutlich eine erste jüdische Gemeinde gebildet; denn bereits um 1545 ist urkundlich eine „Juden Schuol“ (Synagoge) erwähnt. Einem sog. Lagerbuch aus dieser Zeit ist zu entnehmen, dass damals in Hechingen zehn jüdische Haushaltungen in sechs eigenen Wohnungen vorhanden waren. Für deren Duldung mussten von den Familien Schutzgelder an den Grafen von Hohenzollern entrichtet werden. Das Ende der ersten jüdischen Gemeinde kam mit dem Regierungsantritt Graf Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen (1576), der seinen Untertanen jegliche Handelsgeschäfte mit Juden untersagte, die er dann bei „Antretung der Regierung nit mehr sehen, ... nit mehr gedulden wöllen" und verfügte "dieselbigen abgeschafft."

In den 1630er Jahren wurde jüdischen Familien dann wieder erlaubt, in Hechingen zu leben und hier ihren Handelsgeschäften nachzugehen. Bereits einige Jahre später (1643) soll es in der Stadt zu Ausschreitungen gegen Juden gekommen sein. Doch sorgte der Fürst für den Schutz „seiner“ Juden, die ihm erhebliche Steuereinnahmen garantierten; so betrug das jährliche Schutzgeld pro jüdische Haushaltung zehn Gulden.

In den 1750er Jahren verwies Fürst Joseph Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen die meisten Hechinger Juden – diejenigen, die in ärmlichen Verhältnissen lebten - in ein „Ghetto“ in die Friedrichstraße, einen Vorort von Hechingen, der sich heute am Stadtrand befindet. Es hatte eigene Gemeindeeinrichtungen wie Synagoge, Mikwe, Schlachthaus, Bäckerei und eine Herberge für durchreisende Juden; es bestand bis 1870.

"Madame Kaulla", nach einem Gemälde im Besitz von Präf. Kaulla, Frankfurt a.M. - aus: Manuel Werner: Die Juden in Hechingen als religiöse Gemeinde. - In ZHG 20/1984, Seite 132, Abb. 1, gemeinfrei Karoline (Chaile) Kaulla (geb. 1739 in Buchau/Oberschwaben) war zu ihrer Zeit einer der bedeutendsten Hoffaktorinnen und galt als reichste Frau Deutschlands. Mit 18 Jahren wurde sie mit dem angesehenen Pferdehändler Akiba Salomon Auerbach in Hechingen verheiratet; da sich ihr Ehemann religiösen Studien widmete, übernahm sie - genannt „Madame Kaulla“ - die Geschäfte und erhielt 1768 vom Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen ihr Patent als Hoffaktorin „Kaulla Raphael“. Zwei Jahre später avancierte sie zur Herzoglich Württembergischen Hoffaktorin. Innerhalb weniger Jahrzehnte häufte die Familie ein beträchtliches Vermögen an, das mit Heereslieferungen in großem Stile erworben wurde. Im Jahre 1809 verstarb Karoline Kaulla siebzigjährig in Hechingen, die sich auch durch ihr soziales Engagement für die Bevölkerung Hechingens einen Namen gemacht hat.

Auch der einflussreiche Hoffaktor Jacob Lippmann (geb. 1758) stammte aus Hechingen; er war familiär in das dichte Netz der süddeutschen Hoffaktoren eingebunden und war der letzte fürstliche Hoffaktor im Herrschaftsbereich Oettingen-Wallerstein. Sein Bruder Aaron Liebmann war Hoffaktor zu Hechingen und Wien und verheiratet mit einer Nichte der Karoline Kaulla. Jacob Lippmann verstarb 1828 in Harburg.

Residenzstadt Hechingen, Lithographie um 1860 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Um 1845 sollen in Hechingen mehr als 800 jüdische Einwohner gelebt haben, was damals mehr als 25 % der Gesamtbevölkerung entsprach. Durch Abwanderung in urbane Zentren ging ab den 1860er Jahren ihre Zahl allerdings stark zurück. Unter preußischer Herrschaft wurde ab 1850 die Industrialisierung Hechingens vorangetrieben; in der Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelte sich Hechingen - dank jüdischer Industrieller - zu einem Zentrum der südwestdeutschen Textilindustrie. Mitte der 1920er Jahre arbeiteten über 2.000 Personen in Textilbetrieben, die von jüdischen Unternehmern begründet und geführt wurden.

Spätestens seit Mitte des 16.Jahrhunderts gab es in Hechingen eine erste Synagoge; sie befand sich vermutlich an der Stelle des heute noch vorhandenen Synagogengebäudes in der Goldschmiedstraße. Etwa 200 Jahre später wurde eine neue Synagoge errichtet; daneben stand das jüdische Gemeinde- und Schulhaus.

Synagoge in Hechingen (Goldschmiedstraße, vor 1881, Lithographie von S. Obach, Städt. Museum Hechingen)

 

Front und Innenraum der Synagoge in Hechingen (Aufn. Keidel, um 1930)

1881 wurde die Fassade der Synagoge im neoklassizistischen Stile umgestaltet. Daneben gab es in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts noch zwei kleinere Synagogen: eine stand in der Friedrichstraße im „jüdischen Stadtteil“, die andere - die „Stiftssynagoge“ der Familie Kaulla - in der Münzgasse, neben der eine Talmud-Schule betrieben wurde; diese Synagogen bestanden bis 1850 bzw. 1870.

   Synagoge Friedrichstr. Bildmitte (Stich J.H. Bleuler im Städt. Museum Hechingen)

                                           In diesem Gebäude in der Münzgasse befand sich die „Stiftssynagoge“ 

Aus der Talmud-Thora-Schule ging in den 1820er Jahren die israelitische Volksschule hervor. Im wenig später errichteten Gemeinde- und Schulhaus befanden sich die Wohnungen des Rabbiners, Lehrers und Vorsängers. 

Ausschreibungen der Lehrerstelle 1860 und 1874:

                 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20358/Hechingen%20AZJ%2029051860.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20283/Hechingen%20AZJ%2013011874.jpg

Ausschreibung von 1920 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20283/Hechingen%20AZJ%2006041900.jpg

Rabbiner Dr. Samuel Mayer im Alter von 40 Jahren in Amtstracht. Lithographie von A. Ellinger, 1847. - Aus: Manuel Werner: Die Juden in Hechingen als religiöse Gemeinde, Teil 2, in: ZHG 108/1985 Der letzte Rabbiner in Hechingen war Dr. Samuel Mayer, der von 1834 bis zu seinem Tode hier amtierte. Neben seiner Rabbinerausbildung hatte er ein Jurastudium absolviert, das er 1829 mit Promotion abschloss. Dr. Mayer prägte in seiner über 40 jährigen Amtszeit die Hechinger Gemeinde im Sinne des Reformjudentums; dabei setzte sich stark für die Assimilation und staatsbürgerliche Gleichstellung seiner Glaubensgenossen ein und gestaltete in seiner Zeit erfolgreich eine Politik der friedlichen Koexistenz der Konfessionen. Als einziger Rabbiner in Deutschland übte Dr. Mayer zusätzlich den Rechtsanwaltsberuf aus.

Wie ein Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 20.März 1925 vermeldete, konnte die israelitische Schule in diesem Jahre ihr 100jähriges Bestehen begehen. Doch bereits ein Jahr später wurde sie aufgegeben.

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Ihre Verstorbenen begrub die Hechinger Judenschaft zunächst in Haigerloch bzw. Mühringen. Weitab von der Stadt - am Galgenrain, in Richtung Sickingen - konnte ab ca. 1660 dann ein eigenes Beerdigungsareal (unterhalb des Hechinger Hinrichtungsplatzes) genutzt werden, nachdem zuvor von Seiten des Stadtrates eine eigene Begräbnisstätte verweigert worden war.

Der jüdische Friedhof am Galgenrain im Jahr 1787, mit freundl. Genehmigung aus: Otto Werner: Synagogen und jüdischer Friedhof in Hechingen, Hechingen 1996, Seite: 90.  Jüdischer Friedhof am Galgenrain, um 1790 (Abb. aus O. Werner)

Mit der Erlaubnis des Fürsten Joseph von Hohenzollern-Hechingen, das Gräberfeld zu umfrieden, wurde dann ein jährlicher Pachtzins von acht Gulden fällig. Auf Betreiben von Jakob Kaulla wurde um 1800 der auf der Anhöhe noch befindliche Galgen entfernt. Später ging das nun inzwischen mit einer Mauer umgebene Gelände in das Grundeigentum der Synagogengemeinde über. 1907 wurde ein Tahara-Haus errichtet. Auf dem Friedhofsgelände sind noch mehr als 1.000 Grabstätten nachweisbar.

Markante Grabmale auf dem jüdischen Friedhof in Hechingen (Aufn. J. Hahn, 2011)

                                                      Die 1907 erbaute Friedhofshalle (Aufn. J. Hahn, 2011)

Juden in Hechingen:

        --- um 1545 ..........................  10 jüdische Familien,

    --- um 1640 ...................... ca.  30 Juden,

    --- um 1770 ...................... ca. 350   “  ,

    --- um 1800 ...................... ca. 400   “  ,

    --- 1842 ............................. 809   "  (ca. 25% d. Bevölk.),

    --- 1858 ............................. 469   “  ,

    --- 1871 ............................. 423   “  ,

    --- 1895 ............................. 233   “  ,

    --- 1907 ............................. 185   “  ,

    --- 1925 ............................. 111   “  ,

    --- 1933 ......................... ca. 100   “   (ca. 2% d. Bevölk.),

    --- 1938/39 ...................... ca.  80   “  ,

    --- 1942 (Sept.) .....................   5   “  .

Angaben aus: Casimir Bumiller (Bearb.), Juden in Hechingen. Geschichte einer jüdischen Gemeinde ..., S. 66/67

Der reichsweite NS-Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 und damit der Auftakt zur Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben wurde auch in Hechingen durchgeführt. Vor elf jüdischen Geschäften bauten sich uniformierte SA-Angehörige auf, um „Arier“ am Betreten der Geschäfte zu hindern; zudem wurden Plakate mit der Aufschrift „Deutsche, kauft nicht bei Juden” an die Schaufenster geklebt. In den folgenden Jahren störten oft Mitglieder der NS-Jugend Veranstaltungen in der Synagoge mit Sprechchören wie: „Nieder mit den Juden!” oder „Raus aus Deutschland”; diese Parolen wurden auch vor dem Haus des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, Emil Weil, wiederholt. Im Sommer 1935 wurde den jüdischen Bürgern Hechingens die Benutzung der städtischen Schwimmbäder verboten. Nach der Verdrängung der Juden aus der Wirtschaftsleben und ihrer anschließenden Vertreibung verlor die Stadt Hechingen fast die gesamte selbstständige Industrie und zahlreiche Gewerbebetriebe.

Im November 1938 hatte der Reutlinger SA-Standartenführer Karl Schuhmacher den Befehl erhalten, die Synagoge in Hechingen in Brand zu stecken und jüdische Geschäfte zu demolieren. Er beauftragte den örtlichen SA-Sturmführer Max Musiol mit der Durchführung. In den frühen Morgenstunden des 10.November 1938 wurde die Synagoge in der Goldschmiedstraße von einheimischen und aus Reutlingen angereisten SA-Angehörigen zerstört: Sie schlugen Türen und Fenster ein und demolierten die Inneneinrichtung; die Thoranische wurde beschossen. Das Gebäude wurde aber nicht in Brand gesteckt, weil es inmitten einer Häuserzeile lag.

                                      Zerstörter Innenraum Nov. 1938 (Aufn. Keidel, Hechingen)

Wegen Kompetenzgerangels der Bürokratie blieb das Gebäude vom Abriss verschont; das Grundstück wurde von der Stadt für wenig Geld gekauft. Das Gebäude diente zunächst als Turnhalle, später als Rekrutierungsgebäude für Soldaten.

Aus „Hohenzollerische Blätter” vom 12.11.1938:

Volkszorn zerstört Hechinger Synagoge

Gerechte Vergeltungsmaßnahmen treffen das Judenpack

... In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag sammelten sich in der Goldschmiedstraße vor der Synagoge empörte Volksgenossen, die in durchaus verständlicher und berechtigter Erregung diese jüdische Kultstätte zum Zielpunkt ihres Vergeltungswillens genommen hatten. Binnen kürzester Zeit waren die Türen erbrochen und die gesamten Einrichtungsgegenstände zerstört. In ihrem kaum zu überbietenden Zorn machten die Volksgenossen derart ‘ganze Arbeit’, daß an eine Wiederherstellung der Innenausstattung für den bisherigen Zweck nicht mehr gedacht werden kann. Das ... Haus ... gleicht innen einem Trümmerhaufen. Auch sämtliche Fenster und Türen sind zerschlagen. ...Mit Abscheu spricht jedermann von dem jüdischen Pack, das nun auch hier in Hechingen die Faust des Volkes zu spüren bekam. Möge dieses Beispiel der Judenschaft zeigen, daß Deutschland nicht länger mit sich spielen läßt und seine Feinde dort zu treffen weiß, wo es sie am meisten schmerzt. Überflüssig zu sagen, daß von Ausschreitungen oder gar Plünderungen nirgends etwas bemerkt werden konnte. Wer Zeuge der antijüdischen Aktionen war, mußte sich vielmehr über die Disziplin, die von der Volksmenge ... gehalten wurde, wundern. ”

Auf Anordnung der Gestapo ließ der Landrat sieben jüdische Männer aus Hechingen in Haft nehmen; die jüngeren wurden im KZ Dachau „in Schutzhaft“ genommen. Im Gefolge der Ereignisse des 9./10.November 1938 mussten - auf Anordnung des Landrats - die Einzelhandelsgeschäfte jüdischer Besitzer schließen, nur der Verkauf von Lebensmitteln war noch erlaubt. Jüdische Schüler wurden nun auch vom Besuch öffentlicher Schulen ausgeschlossen; die beiden jüdischen Lehrer Karl Hamburger und Leon Schmalzbach gaben von da an Privatunterricht.

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Leon Schmalzbach (geb. 1882 in Jaroslaw/Südpolen) war Rabbinatsverweser und Lehrer an der israelitischen Volksschule in Hechingen. Nach deren Schließung (1926) erteilte er weiterhin Religionsunterricht an Hechinger Schulen. Nach „Schutzhaft“ in Dachau (Ende 1938) scheiterte sein Versuch, nach Südamerika (Paraguay) zu emigrieren. Ende 1939 wurde Leon Schmalzbach verhaftet und ins Gefängnis nach Stuttgart überführt. Zwei Jahre später gehörte er einem Deportationstransport an, der das KZ Jungfernhof (bei Riga) zum Ziele hatte; hier soll er bereits kurz nach der Ankunft umgekommen sein.

Wer nicht rechtzeitig emigrieren konnte, wurde Ende 1941/Anfang 1942 deportiert; in Hechingen waren davon elf meist ältere Personen betroffen.

Im September 1942 hieß es in der „NSDAP-Chronik“ Hechingens:„ ... Hechingen ist jetzt bis auf die Ehefrau des Glasers Jakob Fauser, Flora Fauser, geborene Ullmann, und deren vier Kinder judenfrei.“  Mindestens 29 jüdische Bewohner Hechingens wurden Opfer der Shoa.

Nach Kriegsende wurde das Synagogengebäude der jüdischen Kultusgemeinde Stuttgart übertragen, die es wenige Jahre später an einen Gewerbebetrieb veräußerte; nun wurde es als Lagerhalle genutzt. In den 1980er Jahren setzte eine Bürgergruppe, die „Initiative Hechinger Synagoge“, sich für die Rettung des ehemaligen Synagogengebäudes ein. Mit hohem Kostenaufwand wurde es schließlich in seiner ursprünglichen Form von 1938 wiederhergestellt. Seit 1986 dient das Gebäude als Stätte der Erinnerung und Begegnung. Auf der Empore informiert eine Dauerausstellung über die lange jüdische Geschichte Hechingens.

Seit Frühjahr 2003 wird die „Alte Synagoge Hechingen“ auch wieder als Gotteshaus genutzt, insbesondere von den Juden in den Landkreisen Zollernalbkreis und Reutlingen. Zeichnete sich sogar die Entstehung einer Gemeinde ab, so sind inzwischen fast alle jüdischen Familien - ausnahmslos Kontingentflüchtlinge aus den GUS-Ländern - wieder aus Hechingen verzogen.

Vor dem Hechinger Rathaus findet man am neuen Brunnen mehrere Reliefs, die Aspekte jüdischer Stadtgeschichte widerspiegeln. Schöpfer des mit historischen Szenen versehenen Brunnenkörpers war der Bildhauer Prof. Klaus Ringwald.

Unter dem Schutz der Grafen kommen Juden nach Hechingen, Detail aus dem Rathausbrunnen Hechingen,  Bildhauer: Klaus Ringwald, Guss: Hans Mayr, Foto: Manuel Werner, alle Rechte vorbehalten Vertreibung, Misshandlung und Vernichtung jüdischer Bürger Hechingens, , Detail aus dem Rathausbrunnen Hechingen,  Bildhauer: Klaus Ringwald, Guss: Hans Mayr, Foto: Manuel Werner

Zuzug von jüdischen Familien nach Hechingen und Vertreibung u. Vernichtung (Aufn. Manuel Werner, aus: synagogehechingen.jimdo.com)

Auf dem jüdischen Friedhof vor den Toren der Stadt erinnert eine Gedenkplatte mit den Namen der verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger an die einstige jüdische Gemeinde. Etwa 600 Grabsteine sind noch erhalten (Anfang der 1930er Jahre waren es - laut einer Dokumentation - noch mehr als 1.000 Steine). Allerdings befindet sich der am Waldrand liegende Friedhof seit Jahrzehnten in einem schlechten Allgemeinzustand; zeitweise war das Areal für Besucher geschlossen. 2013 hat man mit der Restaurierung des Friedhofs begonnen. Finanziell unterstützt wurden diese Maßnahmen von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20304/Hechingen%20Friedhof%2011028.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20304/Hechingen%20Friedhof%2011030.jpg

Diese beiden Aufnahmen von 2011 zeigen den schlechten Zustand der Friedhofsanlage (Aufn. aus: alemannia-judaica.de)

Friedhofsgelände nach der Restaurierung (Aufn. Zollernalb, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Auf dem Gebiet der Kommune Bisingen, einige Kilometer südlich Hechingens gelegen, existierte ab August 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Natzweiler. Das AK Bisingen war eines von sieben Lagern des sog. „Unternehmen Wüste“; hier mussten mehr als 4.000 zumeist osteuropäische Häftlinge, darunter mehr als 1.000 Juden, Schwerstarbeit im Ölschieferbruch leisten. Den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen fielen fast 1.200 Häftlinge zum Opfer; die allermeisten sind auf dem ‘KZ-Friedhof’ in Bisingen begraben.

Weitere Informationen:

Paul Sauer, Dokumente über die Verfolgung der jüdischen Mitbürger in Baden-Württemberg durch das nationalsozialistische Regime 1933 - 1945 , Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1966, S. 90 - 94

Otto Werner, Synagogen und jüdischer Friedhof in Hechingen, Hechingen 1966

H. Breimesser, Ursprung, Entwicklung und Schicksal der jüdischen Gemeinde Hechingen, Zulassungsarbeit Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, 1968

Juso-AG Bisingen (Hrg.), Das KZ Bisingen - Eine Dokumentation, 1984

Manuel Werner, Die Juden in Hechingen als religiöse Gemeinde, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 20.Jg./1984, S. 102 - 213 und 21.Jg/1985, S. 49 - 169

Joachim Hahn, Synagogen in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, S. 75 f.

Otto Werner, Die Juden in Hechingen während der Zeit des Nationalsozialismus, in: 1200 Jahre Hechingen, Hrg. Stadt Hechingen 1987

Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, S. 568 - 572

Casimir Bumiller, Die jüdische Gemeinde Hechingen im 16.Jahrhundert, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 14-25/1988/89, S. 159 - 184

Otto Werner, Juden im Zollernalbkreis, in: Der Zollernalbkreis, Stuttgart 1989, S. 149 f.

Casimir Bumiller (Bearb.), Juden in Hechingen. Geschichte einer jüdischen Gemeinde in neun Lebensbildern aus fünf Jahrhunderten - Ausstellungskatalog zur Dokumentation in der Alten Synagoge Hechingen, Hrg. Alte Synagoge e.V. Hechingen, o.J. (Anm.: gute zusammenfassende Darstellung der jüdischen Geschichte Hechingens)

Casimir Bumiller, Die alte Synagoge in Hechingen, Hechingen 1991

Otto Werner, Synagogen und jüdischer Friedhof in Hechingen, in: Schriftenreihe ‘Alte Synagoge e.V. Hechingen’ 1, Hechingen 1996

Rappel”, Revue de la L.P.P.D., Heft No.4/1996, S. 658 ff.

Alte Synagoge e.V. Hechingen (Hrg.), Möglichkeiten des Erinnerns - Orte jüdischen Lebens und nationalsozialistischen Unrechts im Zollernalbkreis und im Kreis Rottweil, Hechingen 1997, S. 21 ff.

Adolf Vees, Das Hechinger Heimweh - Begegnungen mit Juden, Tübingen 1997

Gedenkstätten in Baden-Württemberg, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 1998, S. 30

Otto Werner, Jüdisches Hechingen - Einladung zu einem Rundgang, Hrg. Verein Alte Synagoge Hechingen e.V., Haigerloch 2000

Christine Glauning, Schieferöl und Zwangsarbeit. Das Unternehmen ‘Wüste’ und das Konzentrationslager in Bisingen. Geschichte und Erinnerung, Ulm 2001 (Neuaufl. 2003)

Hechingen, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Gemeindehistorie)

Jüdischer Friedhof in Hechningen, in: alemannía-judaica.de (mit zahlreichen Aufnahmen vom Begräbnisgelände und den Grabsteinen)

Adolf Vees, Das Hechinger Heimweh - Begegnungen mit Juden, 3.Aufl., Tübingen 2004

Gabriele Katz, Die erste Unternehmerin Süddeutschlands und die reichste Frau ihrer Zeit. Madame Kaulla, Filderstadt 2006

Adolf Vees, Die Synagoge in Hechingen: Von der Verdrängung zum Wiedergewinn der Geschichte, in: Orte des Gedenkens und Erinnerns in Baden-Württemberg, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 2007, S. 161 - 167

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 176 – 181

Waldemar Luckscheiter/Manfred Stützle, Die Rettung der Alten Synagoge in Hechingen, hrg. durch den Verein Alte Synagoge Hechingen e.V., 2009

Waldemar Luckscheiter, Die Rettung der Erinnerung - Chronik der alten Synagoge in Hechingen von 1945 bis 1991, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte (ZHG), Bd. 47/2010, S. 33 – 54

Johanna Werner, Der Rabbi und die Hohenzollern - Aus dem Leben und Wirken des letzten Hechinger Rabbiners Dr. Samuel Mayer, Vortrag 2010

Otto Werner, Leon Schmalzbach (1882-1942). Lehrer und Rabbinatsverweser in Hechingen, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte (ZHG) 103 (1980)

Otto Werner, Deportation und Vernichtung hohenzollerischer Juden, in: Schriftenreihe des Vereins Alte Synagoge Hechingen e.V., Band 4, Hechingen 2011

Doris Astrid Muth (Bearb.), Die jüdische Textilindustrie in Hechingen und Hohenzollern, in: K.-H.Blickle/H.Högerle (Hrg.), Juden in der Textilindustrie – Dokumentation der Tagung des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar vom Okt. 2010 in Hechingen, Verlag Horb-Rexingen 2013, S. 47 - 65

Gisela Keuerleber, Jüdische Unternehmerin im 18.Jahrhundert. Karoline Kaulla - Souverän in der Männerwelt, in: deutschlandfunk.de vom 18.1.2016

Benedict von Bremen (Red.), Alte Synagoge in Hechingen feiert 30 Jahre Wiedereröffnung, in: Hohenzollerische Zeitung“ vom 10.11.2016

Hardy Kromer (Red.), Ein Kraftakt für den jüdischen Friedhof, in: „Hohenzollerische Zeitung“ vom 10.3.2017

N.N. (Red.), Hechingens jüdischer Friedhof, in: Denkmalstimme 4/2017, Hrg. Denkmalstiftung Baden-Württemberg, S. 1 – 4

Klaus Stopper (Red.), Hechingen: Erster Blick in kleines Friedhofsgebäude, in: „Schwarzwälder Bote“ vom 3.9.2018

N.N. (Red.), Jüdischer Friedhof ist Denkmal des Monats, in: “SWP - Südwestpresse“ vom 1.11.2018