Heidelberg (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für Heidelberg baden-Württemberg postleitzahl Die Universitätsstadt Heidelberg ist eine Großstadt mit derzeit mehr als 150.000 Einwohnern im Südwesten Deutschlands - unweit der Mündung des Neckars in den Rhein gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Schon gegen Ende des 13.Jahrhunderts waren jüdische Familien in Heidelberg ansässig; ihr Wohngebiet lag in unmittelbarer Nähe zur Neckarbrücke und zum Marktplatz, in der heutigen Dreikönigsstraße; an ihrem Ende stand das „Judentor“.

             Das „Judentor“ (Bildausschnitt, 18.Jahrh.)

Schutzherr der Heidelberger Juden war der Pfalzgraf. Die Anzahl der Juden muss dann in den nächsten Jahrzehnten rasch angewachsen sein; ein Beleg dafür ist die Existenz einer Jeschiwa, einer jüdischen Hochschule. Der Friedhof der mittelalterlichen Gemeinde befand sich vor dem Klingentor, zwischen Sandgasse und Theaterstraße an der Plöck; er wurde erstmals urkundlich im Jahre 1344 genannt und 50 Jahre später - im Zuge der Vertreibung durch Ruprecht II. von der Pfalz - zwangsaufgelöst, abgeräumt und eingeebnet.

1349 gehörten die Juden Heidelbergs zu den ersten im Rhein/Neckargebiet, die den Pestpogromen zum Opfer fielen; das Eigentum der Erschlagenen wurde konfisziert. Doch unmittelbar danach nahm der regierende Pfalzgraf Ruprecht I. verfolgte Juden aus rheinischen Städten in Heidelberg auf, vermutlich um seine finanzielle Lage durch Schutzgeldzahlungen zu verbessern. Zahlreiche Juden verfügten über Hausbesitz und hatten von Ruprecht I. weitere Rechte verbrieft bekommen.

Gegen Ende des 14.Jahrhunderts - nach dem Tode Ruprechts I. - wurden die Heidelberger Juden aber wieder verjagt und ihre Besitztümer eingezogen. Heidelberg gehörte zu denjenigen Städten in Südwestdeutschland, aus denen alte spätmittelalterliche Synagogen bekannt sind. Gegen Ende des 14.Jahrhunderts - nach Vertreibung der Juden aus Heidelberg durch Pfalzgraf Ruprecht II. - wurde die Synagoge in die christliche Marienkapelle umgewandelt; zudem gingen alle Liegenschaften der Heidelberger Judengemeinde ins Eigentum der Universität über.

In den folgenden Jahrhunderten lebten nur sehr wenige jüdische Familien in Heidelberg. Stadtrat und Zünfte der Stadt sorgten immer wieder dafür, dass der regierende Kurfürst die Zahl „seiner“ Juden in Heidelberg begrenzte, um die jüdische Konkurrenz nicht größer werden zu lassen. Diesem Zwecke diente auch eine äußerst hohe kommunale Besteuerung der hier zeitweilig ansässigen Juden.

 Mit der Berufung von Sebastian Münster zum Professor für hebräische Sprache an die Universität Heidelberg (1524) wurde die Neckarstadt zu einem Zentrum für hebräische Studien in Südwestdeutschland. Sebastian Münster publizierte zahlreiche hebräische und aramäische Schriften, kommentierte und übersetzte biblische Bücher und verfasste zudem mathematisch-astronomische und geographische Werke. 1529 konvertierte der Universalgelehrte und Humanist Münster zum evangelischen Glauben; im gleichen Jahre übernahm er den Lehrstuhl für Hebräische Studien an der Universität Basel. 1552 verstarb Sebastian Münster in Basel.

Bei der Zerstörung der Pfalz (1689) fanden vorübergehend ca. 35 jüdische Familien aus dem Umland Zuflucht in der Stadt; als Gegenleistung mussten sie sich an den Einquartierungskosten für die pfälzischen Soldaten beteiligen. Nach dem Brand Heidelbergs (1693) verließen die meisten Juden die Stadt wieder; denn nur sehr wenige Familien erhielten ein Bleiberecht.

Ansicht von Heidelberg mit Schloss – Stich von J. Rieger, 1787 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Erst im ausgehenden 18.Jahrhundert kam es zu vermehrtem Zuzug jüdischer Familien - wohl nie mehr als 20 -, die sich nur durch regelmäßige Schutzgeldzahlungen ein Wohnrecht in der Stadt sichern konnten. Die Errichtung einer Synagoge war der neu entstandenen Gemeinde allerdings nicht erlaubt worden; so fanden Gottesdienste in Privathäusern statt. Der erste nachweisbare Betsaal befand sich von 1700 bis 1714 im Hause des Feist Löw Oppenheimer (in der Merianstraße), einem der beiden Vorsteher der Gemeinde. Später erwarb die Gemeinde das Haus „Zur blauen Lilie“ in der Großen Mantelgasse und baute es zu einer Synagoge um; von außen war nicht zu erkennen, dass sich im Gebäudeinneren eine Synagoge befand. 1875 wurde das Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Versuche, den jüdischen Gottesdienst zu reformieren - vor allem die deutsche Sprache hier einzuführen -, waren in Heidelberg in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts zunächst gescheitert. Religiöses Zentrum der Heidelberger Juden war die am 12.April 1878 feierlich eingeweihte Synagoge in der Großen Mantelgasse - nach den Plänen des bekannten Heidelberger Architekten Hermann Behaghel (1839-1921) erbaut. Gleich neben der Synagoge befand sich das Gemeindehaus.

   Synagoge in der Großen Mantelgasse (hist. Aufn., Stadtarchiv)

In einem Artikel der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 7. Mai 1878 hieß es:

Bonn, 28. April. (Notizen.) Man schreibt aus Heidelberg: Die hiesige israelitische Gemeinde weihte am 12. ihre ganz aus eigenen Mitteln neu erbaute Synagoge ein. Die Festpredigt hielt Dr. Sontheimer über den Text: 'Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt', und die ganze Feier machte auch auf die zahlreich anwesenden Mitglieder anderer Bekenntnisse einen erhebenden Eindruck, zu welchem aber auch die schönen Verhältnisse und Auszierungen des neuen Tempels beitrugen. Den Bau hat der Architekt Behaghel geleitet, und zwar, wie es heißt, so umsichtig, daß nicht einmal die Summe des Voranschlags erreicht worden ist, ein bei monumentalen Bauten gewiß seltenes Ergebniß. - ...

Eine weitere Synagoge stand in Rohrbach auf dem Platz beim ehemaligen Rathaus.

Der mehr als vier Jahrzehnte amtierende Rabbiner in Heidelberg war Salomon Fürst, der seit den 1820er Jahren bis 1870 hier tätig war. Seine Amtsnachfolger waren Dr. Hillel Sodheimer (von 1872 bis 1899) und Dr. Hermann Pinnkus (von 1900 bis 1930); in den 1930er Jahren übten das Rabbineramt Dr. Fritz Pinnkus und Ulrich Steuer aus.

Gemeindliche Stellenausschreibungen von 1854 - 1891 - 1904:

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Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich durch den Zuzug zahlreicher Juden aus Osteuropa auch eine orthodoxe Gemeinde („Verein gesetzestreuer Juden in Heidelberg“) gebildet; die offizielle Konstituierung erfolgte 1921. Sie besaß seit 1932 einen Betsaal in einem Hinterhaus in der Plöck. Dieser mit Hilfe von Spenden eingerichtete Synagogenraum bot ca. 50 Männern und 30 Frauen Platz; im Gebäude befand sich auch ein rituelles Bad.

Am 14.April 1932 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" wie folgt über die Einweihung:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20242/Heidelberg%20Israelit%2014041932SO.jpg

Auf dem alten jüdischen Friedhof - er war 1701 vor dem Klingentor angelegt worden - fand 1876 die letzte Bestattung statt; er wurde dann zugunsten eines neuen Begräbnisareals, das innerhalb des Städtischen Bergfriedhofs lag, aufgegeben.

Eingangstor (Aufn. Tonialsa, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

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alte Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof am Klingentor (alle Aufn. aus: Dokumentation Benno Szklanowski von 1984)

Juden in Heidelberg:

        --- um 1380 ....................... ca.    80 Juden,

    --- um 1570 ...........................     3 jüdische Familien,

    --- um 1660 ...........................     5     “      “     ,

    --- um 1720 ...........................    22     “       “    ,

    --- um 1740 ...........................    12     “       “    ,

    --- 1771 ..............................    97 Juden,

    --- 1810 ..............................   176   “  (in 36 Familien),

    --- 1827 ..............................   350   “  (ca. 2% d. Bevölk.),

    --- 1852 ..............................   296   “  ,

    --- 1861 ..............................   386   “  ,

    --- 1875 ..............................   727   “  ,

    --- 1890 ..............................   902   “  ,

    --- 1900 ..............................   982   “  ,

    --- 1905 ..............................   997   “  ,

    --- 1910 .............................. 1.242   “  ,

    --- 1925 .............................. 1.412   “  ,

    --- 1933 .............................. 1.102   “  (1,3% d. Bevölk.),

    --- 1939 .......................... ca.   460   “  ,

    --- 1941 .......................... ca.    80   “  .

Angaben aus: Peter Blum (Hrg.), Geschichte der Juden in Heidelberg, Buchreihe der Stadt Heidelberg VI

Im Rahmen der sog. „Hepp-Hepp-Krawalle“ von 1819 kam es auch in Heidelberg zu antijüdischen Ausschreitungen: die Behausungen jüdischer Familien wurden vom Mob systematisch geplündert. Drei Jahrzehnte später waren es die Läden jüdischer Kleiderhändler, die gestürmt wurden; verantwortlich für diese Gewalttätigkeiten waren Angehörige der Schneider-Zunft, die damit gegen die Einführung der Gewerbefreiheit protestierten. Noch um 1875 waren mehr als die Hälfte der Juden Heidelbergs im Handel tätig; der Anteil der in freien Berufen tätigen Juden nahm immer mehr zu, ebenfalls auch die Zahl derer, die Industriebetriebe - vor allem in der Tabakverarbeitung - gegründet hatten.

Anzeigen jüdischer Gewerbetreibender:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20326/Heidelberg%20AZJ%2001011867.jpg (1866) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20326/Heidelberg%20CV-Ztg%2003041904.jpg (1924)

und weitere "Empfehlungen":

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20242/Heidelberg%20Israelit%2017121903.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20242/Heidelberg%20FrfIsrFambl%2012051911.jpg Anzeigen von 1903 - 1911

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20242/Heidelberg%20Israelit%2016081928.jpg aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16.8.1928

Seit Ende des 19.Jahrhunderts zog der liberale Geist der Universität Heidelberg prominente jüdische Professoren und zahlreiche Studenten an, die die Universität aufblühen ließen.

Der in Heidelberg lehrende Mathematikprofessor Hermann Schapira (1840-1898) war ein überzeugter Zionist. Einige Studenten und Professoren gingen in den 1920/1930er Jahren von hier nach Palästina und trugen mit zum Aufbau der Hebräischen Universität in Jerusalem bei.

Im wirtschaftlichen wie auch im universitären Leben der Stadt spielte die jüdische Minderheit zu Beginn des 20.Jahrhunderts eine bedeutende Rolle.

1933 zählte die jüdische Bevölkerung Heidelbergs etwa 1.100 Personen. Einen organisierten Antisemitismus gab es in Heidelberg vor 1933 offenbar nicht; denn konkrete judenfeindliche Aktionen sind vor der NS-Machtübernahme nicht bekannt geworden; dabei hatte sich Heidelberg 1930 zu einer Hochburg der NSDAP entwickelt. Am Vorabend des 1.April 1933 zogen NS-Angehörige mit Transparenten durch Heidelberg und riefen die Bürger zum Boykott jüdischer Geschäfte auf.

... Der Boykott hat, wie zu erwarten war, eine Sensation hervorgerufen. Dichte Menschenmengen besonders in den Gegend der Brunnengasse. “Ehap” ist geschlossen; Tietz und Rothschild haben geschlossen. Kein Besuch der Geschäfte, wie erwartet wurde. Ein nationalsozialistischer Demonstrationszug geht z.Zt. durch die Hauptstraße nach dem Marktplatz. Die Menschen drängen sich. Gefährte können nur langsam fahren. SA-Kolonnen kleben Plakate Kauft nicht beim Juden!

                      (aus dem „Pfälzer Boten” vom 1.4.1933)

Auf Druck der Heidelberger NSDAP vergab die Stadt keine öffentlichen Aufträge mehr; Beamte, Angestellte und Arbeiter wurden angewiesen, jüdische Geschäfte zu meiden. Der Druck auf die jüdischen Unternehmen wurde durch eine Kampagne des Lokalblattes „Volksgemeinschaft” noch verstärkt. Auf Grund des wirtschaftlichen Drucks gingen zwei Drittel der jüdischen Geschäfte Heidelbergs in Konkurs, die restlichen wurden von ihren Besitzern weit unter Wert verkauft. Die Universität Heidelberg enthob 1933 allein 55 Professoren und Dozenten aus „rassischen“ Gründen ihrer Ämter.

Neben verschiedenen jüdischen Organisationen in Heidelberg gab es auch einen jüdischen Verein, der Auswanderer nach Palästina unterstützte; so wurden an der Imkerschule junge auswanderungswillige Juden in Hebräisch und in handwerklichen Berufen unterrichtet.

In den frühen Morgenstunden des 10.November 1938 wurde die Synagoge (Große Mantelgasse/Lauerstraße) von SA-Angehörigen und Mitläufern geplündert und anschließend in Brand gesetzt; auch der Betsaal der orthodoxen Gemeinde und die alte Synagoge in Rohrbach wurden verwüstet bzw. zerstört. Thorarollen und andere Ritualien wurden auf das Polizeirevier gebracht und wenige Tage später von Studenten auf dem Universitätsplatz öffentlich verbrannt. Zahlreiche Geschäfte jüdischer Inhaber, aber auch Wohnungen wurden von SA- bzw. SS-Trupps demoliert.

Synagoge beim Novemberpogrom 1938 (Abb. aus: tphys.uni-heidelberg.de/Stadtarchiv)

In Heidelberg kamen etwa 150 jüdische Männer „in Schutzhaft“ und wurden ins KZ Dachau verfrachtet; erst nach Wochen kehrten sie zurück. Zahlreiche von ihnen emigrierten anschließend; bis 1939 verließen mehr als 800 Heidelberger Juden ihre Heimatstadt. Bis Ende 1938 war auch die „Arisierung“ der jüdischen Geschäfte/Unternehmen in Heidelberg weitestgehend abgeschlossen; von den im Jahre 1933 bestehenden ca. 100 Unternehmen existierten zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei Kleinbetriebe. Ab 1939 wurden die Juden Heidelbergs immer mehr gegenüber der „arischen“ Bevölkerung abgeschottet; die in Heidelberg verbliebenen meist älteren Juden wurden gezwungen, in sog. „Judenhäuser“ umzuziehen. Ende 1938 hatte die Jüdische Gemeinde in ihrem Gemeindehaus an der Bundenstraße eine Schule eingerichtet, in der bis zur Deportation Unterricht erteilt wurde.

Am 22.Oktober 1940 wurden auch die Juden Heidelbergs im Rahmen der sog. „Bürckel-Aktion“ in das Lager Gurs deportiert. Von den etwa 280 aus Heidelberg deportierten Juden verstarben mehr als 80 Menschen in Gurs und anderen südfranzösischen Internierungslagern; etwa 100 Personen wurden von Gurs aus zwischen 1942 und 1944 in die Vernichtungslager Osteuropas verfrachtet, wo die allermeisten den Tod fanden. Nach der sog. „Bürckel-Aktion“ lebten in der Stadt und im Kreis Heidelberg nur noch knapp 100 Juden; meist waren es solche, die „in Mischehe“ verheiratet waren. Noch im Februar 1945 (!) wurden einige von ihnen nach Theresienstadt deportiert.

Unmittelbar nach Kriegsende konnte sich in Heidelberg wieder eine kleine israelitische Gemeinde gründen; ihr Betsaal befand sich zunächst in der Klingenteichstraße und wurde Ende der 1950er Jahre in die Häuserstraße verlegt; später bezog dann die Gemeinde zunächst ein Hinterhaus in der Rohrbacher Straße, ab 1986 erfolgte der Umzug in die Sophienstraße, dessen Synagogenraum im gleichen Jahre eingeweiht wurde.

Nach mehreren gescheiterten Anläufen konnte im Januar 1994 - mit finanzieller Unterstützung der Stadt Heidelberg und des Landes Baden-Württemberg - ein neues Gemeindezentrum mit einer Synagoge in der Häusserstraße in der Weststadt, bezogen werden. Nach dem Entwurf des Architekten Alfred Jacoby war der Bau aus geometrischen Elementen komponiert, deren Mitte die kreisrunde Synagoge bildete.

 

Neue Heidelberger Synagoge und Gemeindezentrum (Aufn. J. Hahn, 2004 und Michail Krutojarski)

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20198/Heidelberg%20Synagoge%20209110.jpg Innenansicht der Synagoge (Aufn. J. Hahn, 2009)

Im Foyer des Gebäudes ist seit 2016 eine „Stolpersteinwand“ der Künstlerin Vera Bonsen angebracht, die aus etwa 150 Fotografien von in Heidelberg verlegten sog. „Stolpersteinen“ besteht; mit dieser Art Gedächtniswand soll an die Mitglieder der „alten“ Gemeinde erinnert werden.

1979 beschloss das Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland die Errichtung einer Jüdischen Theologischen Hochschule in Heidelberg. Zwei Jahre später erfolgte die staatliche Anerkennung; damit war die Basis für die Eigenständigkeit des damals in Deutschland einzigartigen Studiengangs gelegt. Mit Erlangung des Promotionsrechtes 1995 ist die Hochschule für Jüdische Studien endgültig in der akademischen Landschaft Deutschlands etabliert. Seit 2001 besitzt die Hochschule als erste Institution in der Geschichte Deutschlands das Recht zur Ausbildung jüdischer Religionslehrer.

Im April 2008 wurde - in Anwesenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und der Präsidentin und des Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland - der Grundstein für den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien gelegt; Ende 2009 war der Bau fertiggestellt, der auch dem Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland Platz bietet.

Das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, das in der Trägerschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland liegt, wurde 1987 in Heidelberg gegründet. Diese Einrichtung knüpft in ihrer Tradition an das Gesamtarchiv der deutschen Juden an, das von 1905 –bis 1939 in Berlin bestanden hat. Hauptaufgabe des Heidelberger Zentralarchivs ist die Aufbewahrung und Erhaltung von historisch wertvollem Schriftgut jüdischer Gemeinden, Organisationen und Privatpersonen.

Zwei jüdische Friedhöfe sind erhalten geblieben und nach 1945 würdig wiederhergestellt worden: der „Alte Judenfriedhof Am Klingenteich“ und der „Neue Friedhof am Berg“. Auf dem ca. 2.000 m² großen Gelände des alten jüdischen Friedhofs Am Klingentor - um 1700 angelegt und in den 1870er Jahren geschlossen - sind heute noch ca. 180 Grabsteine vorhanden. Danach erhielt die Gemeinde einen Bereich des kommunalen Bergfriedhofs für die Bestattung ihrer Verstorbenen zugewiesen; dieser Friedhof wird bis in die Gegenwart genutzt.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20198/Heidelberg%20Friedhof%20209106.jpg Älterer Teil des (neuen) jüdischen Friedhofs (Aufn. J. Hahn, 2009)

Im Eingangsbereich des neuen Friedhofs erinnert seit den 1950er Jahren eine Gedenktafel an die einst in der Region lebenden jüdischen Familien:

Zum ewigen Gedenken an unsere Brüder und Schwestern,

die in den Jahren 1933 - 1945

aus den Landgemeinden und der Stadt Heidelberg deportiert wurden

und fern der Heimat für ihr Judentum den Märtyrertod erlitten haben.

Seit 2016 verfügt die jüdísche Gemeinde Heidelbergs – inzwischen ca. 450 Mitglieder stark (Stand 2015) - über einen neuen Friedhof in Handschuhsheim; die bis dahin genutzte Begräbnisstätte (auf dem Bergfriedhof) ist fast belegt. Der Bau einer Trauerhalle soll in naher Zukunft folgen.

Am Standort der einstigen Synagoge Ecke Große Mantelgasse/Lauerstraße steht seit 1959 eine Tafel mit folgender Inschrift:

Auf diesem Platz stand das Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde.

Im Morgengrauen des 9.November 1938 wurde es entheiligt und zerstört.

Ende der 1970er Jahre wurde der zunächst als Parkplatz genutzte Synagogenplatz zu einem Park umgestaltet; eine weitere völlige Neugestaltung wurde 2001 vorgenommen. Seitdem sind Grundriss und verschiedene Details der früheren Synagoge in der Pflasterung hervorgehoben; zudem weist ein Gedenkstein auf den Standort des Thoraschreins hin.

Am Hause Große Mantelgasse 3 erinnert seit 2004 eine Gedenktafel mit den Namen der 292 im Jahr 1940 aus Heidelberg nach Gurs deportierten Personen.

http://www.manfred-lautenschlaeger-stiftung.de/fileadmin/_processed_/csm_mahnmal_juden_1d630e95d5.jpg Am ehemaligen Hauptbahnhof – dort, wo die Heidelberger Juden die Züge besteigen mussten – erinnert seit 2014 ein nach dem Entwurf einer Heidelberger Schülerin geschaffenes Mahnmal des Bildhauers Grégory Boiteux an die Deportationen (Aufn. aus: manfred-lautenschlaeger-stiftung.de, 2014). Dieses Gurs-Mahnmal war im Rahmen eines Schülerwettbewerbs entwickelt worden, den die evangelische Kirche zusammen mit der jüdischen Gemeinde und der Stadt Heidelberg initiiert hatte. Die Realisierung der Gedenkstätte war dank einer Spende der Manfred-Lautenschläger-Stiftung ermöglicht worden. Seit 2016 ergänzt nun eine bronzene Inschriftentafel das Mahnmal.

          Bereits 2012/2013 haben Schüler des Heidelberger Thadden-Gymnasiums einen Memorialstein entworfen, der unter zahlreichen anderen in der zentralen Gedenkstätte für die badischen Juden in Neckarzimmern aufgestellt ist (Abb. aus: mahnmal-neckarzimmern.de).

2010 wurde in Heidelberg mit der Erstverlegung von sog. „Stolpersteinen“ begonnen, nachdem jahrelange Diskussionen dem vorausgegangen waren. Nach weiteren Verlegungen im gesamten Stadtgebiet zählt man derzeit mehr als 180 Steine (Stand: 2018), die Opfern der NS-Gewaltherrschaft gewidmet sind. 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/56/Heidelberg_-_Stolpersteine_Familie_Hochherr.jpg http://damhyul3s75yv.cloudfront.net/photos/11070/original_What_to_Do_in_Heidelberg-Stolperstein_Memorial_to_Holocaust_Victims_of_Nazis.jpg

sog. "Stolpersteine" für Fam. Hochherr (Neuenheim) und Fam. Durlacher, Hauptstr. (Aufn. aus: vebidoo.de bzw. travelsort.com)

Von der Verfolgung betroffene Kinder/Jugendliche:

Stolperstein für Fritz Samuel Wertheimer (Heidelberg).jpg Stolperstein für Walter Durlacher (Heidelberg).jpg Stolperstein für Ludwig Durlacher (Heidelberg).jpg Stolperstein für Ruth Simon (Heidelberg).jpg Stolperstein für Max Thomas Gutmann (Heidelberg).jpg Heidelberg - Stolpersteine Susanne Hochherr.jpg

(Aufn. Chr. Michelides, 2017, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

2001/2002 umfasste die Jüdische Gemeinde Heidelberg mehr als 400 Angehörige, 2006 waren es ca. 550 Personen.

Seit 2008 besteht in Heidelberg der egalitäre Minjan „Beit Gesher“, der sich zum Ziel gesetzt hat, unterschiedliche Nationalitäten und religiöse Auffassungen zusammenzuführen.

 

Im 1927 eingemeindeten Stadtteil Rohrbach existierte seit dem 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde; um 1865 erreichte die Gemeinde mit ca. 120 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Höchststand. Seit Mitte des 19.Jahrhunderts besaß diese eine eigene Synagoge, die unweit des Rathauses lag. Im Synagogengebäude war bis 1876 auch eine jüdische Konfessionsschule untergebracht; unweit von ihm befand sich eine Mikwe.

Juden in Rohrbach:

        --- 1743 ...........................   4 jüdische Familien,

    --- 1832 ........................... 113 Juden,

    --- 1839 ........................... 101   “  ,

    --- 1865 ........................... 122   “  ,

    --- 1875 ...........................  93   “  ,

    --- 1885 ...........................  69   “  ,

    --- 1895 ...........................  44   “  ,

    --- 1905 ...........................  42   “  ,

--- 1910 ...........................  39   “  .

Angaben aus: Claudia Rink, Jüdisches Leben in Rohrbach

Mitte der 1930er Jahre wurde die jüdische Gemeinde Rohrbach mit der Kultusgemeinde Heidelberg vereinigt.

Synagoge in Rohrbach (Aufn. um 1935, Heimatmuseum)

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde auch die Rohrbacher Synagoge in Brand gesetzt; nur mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr und Anwohnern überstand das Gebäude den Anschlag leicht beschädigt. Nach 1945 wurde das ehemalige Synagogengebäude abgerissen.

Seit 1985 erinnert auf dem Rathausplatz im Stadtteil Rohrbach ein Gedenkstein an die einstige Synagoge:

Hier stand von 1845 bis 1938 die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Rohrbach.

Sie diente dem Lobe Gottes,

bis sie in der Nacht zum 10.November 1938 von frevelhafter Hand zerstört wurde.

vgl. dazu: Rohrbach (Baden-Württemberg)    

 

In Neuenheim siedelten sich erst seit 1850/1860 kontinuierlich Juden an; sie zählten zur jüdischen Gemeinde Heidelberg; Anfang der 1930er Jahre lebten im eingemeindeten Ortsteil, der am nördlichen Neckarufer gegenüber der Altstadt liegt, fast 200 jüdische Bewohner.

Weitere Informationen:

Die Friedhöfe in Heidelberg. Führer durch die christlichen und jüdischen Friedhöfe, Franzmathes-Verlag, Frankfurt a.M. 1930

Max Ludwig (Hrg.), Tagebuch des Hans O. Dokumente und Berichte über die Deportation und den Untergang der Heidelberger Juden (mit einem Vorwort von Hermann Maas), Heidelberg 1965

F.Hundsnurscher/G.Taddey, Die jüdischen Gemeinden in Baden - Denkmale, Geschichte, Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Band 19, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1968, S. 121 – 129

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 344/345 und Band III/1, Tübingen 1987, S. 523 - 528

Chasia Turtel, Geschichte der Juden in Heidelberg von den Anfängen bis zur Gegenwart, Heidelberg 1979

Hannelore Künzl, Auf den Spuren der ersten Heidelberger Synagoge, in: Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, am 3. Dezember1981

K. H. Frauenfeld, Rohrbach im Wandel der Zeit, o.O. 1981

Arno Weckbecker (Bearb.), Gedenkbuch an die ehemaligen Heidelberger Bürger jüdischer Herkunft, Dokumentation ihrer Namen und Schicksale 1933 - 1945 in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Heidelberg, Heidelberg 1983

Georg Heuberger, Traditionsreicher Neubeginn - Die Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg, in: Juden in Baden 1809 - 1984. 175 Jahre Oberrat der Israeliten Badens, Hrg. Oberrat der Israeliten Badens, Karlsruhe 1984, S. 217 ff.

Benno Szklanowski, Der alte jüdische Friedhof am Klingenteich in Heidelberg 1702 bis 1876 - eine Dokumentation, in: Neue Hefte zur Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 3, Heidelberg 1984

Arno Weckbecker, Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933 - 1945, in: Jörg Schadt/Michael Caroli (Hrg.), Heidelberg unter dem Nationalsozialismus. Studien zu Verfolgung, Widerstand und Anpassung, Heidelberg 1985

Joachim Hahn, Synagogen in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987

Sabine Keitel, Der Einfluß der Aufklärung auf die rechtliche und soziale Situation der Juden am Beispiel Heidelbergs. Eine quellenkritische Analyse der Heidelberger Stadtratsprotokolle 1742 - 1799, Magisterarbeit, Freiburg Breisgau, o.J.

Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, S. 199 f.

Meinhold Lurz/Daniela Vogt, Neuenheim im Wandel. Eine Sozialgeschichte in Bildern von 1870 bis 1950, hrg. vom Stadtteilverein Neuenheim, Heidelberg 1990

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Baden-Württemberg I (Reg.bezirk Karlsruhe und Stuttgart), Hrg. Studienkreis Deutscher Widerstand, VAS-Verlag, Frankfurt/M. 1991, S. 35 f.

Barbara Löslein, Geschichte der Heidelberger Synagogen , in: P.A. Riedl (Hrg.), Veröffentlichungen zur Heidelberger Altstadt Heft 26, Heidelberg 1992

N.Giovannini/J.H.Bauer/H.M.Mumm (Hrg.), Jüdisches Leben in Heidelberg. Studien zu einer unterbrochenen Geschichte, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1992

Peter Blum (Hrg.), Geschichte der Juden in Heidelberg (Aufsätze). Buchreihe der Stadt Heidelberg VI , Edition Brigitte Guderjahn, Heidelberg 1996

Barbara Löslein, Die Heidelberger Synagogen, in: Elmar Mittler (Hrg.), Heidelberg. Geschichte und Gestalt, Heidelberg 1996, S. 228 - 235

Franz-Josef Ziwes (Hrg.), Badische Synagogen aus der Zeit von Großherzog Friedrich I. in zeitgenössischen Photographien, G.Braun Buchverlag, Karlsruhe 1997, S. 66 – 69

N.Giovannini/F.Moraw (Hrg.), Erinnertes Leben - Autobiographische Texte zur jüdischen Geschichte Heidelbergs, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1998

Frank Moraw (Hrg.), Oppenheimer. Eine Heidelberger Familie vor dem Holocaust, Heidelberg 1998

Guido Kleinberger (Bearb.), Grunddokumentation des jüdischen Friedhofs in Heidelberg (Bergfriedhof), Unveröffentlichte Grunddokumentation des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, 1999

M.Brocke/Chr. Müller, Haus des Lebens - Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Reclam Verlag, Leipzig 2001, S. 107/108

Petra Schaffrodt (Bearb.), Juden an der Universität Heidelberg. Dokumente aus sieben Jahrhunderten. Ausstellung in der Heidelberger Universitätsbibliothek, Heidelberg 2002

Claudia Rink, Jüdisches Leben in Rohrbach, in: Heidelberg - Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, hrg. vom Heidelberger Geschichtsverein 8 (2003/04), S. 65 - 87 

Miriam Magall, Ein Rundgang durch das jüdische Heidelberg, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 181 – 190

Norbert Giovannini/Claudia Rink/Frank Moraw (Bearb.), Erinnern – Bewahren – Gedenken. Die jüdischen Einwohner Heidelbergs und ihre Angehörigen 1933 – 1945. Biographisches Lexikon mit Texten, Hrg. vom Förderkreis Begegnung, Heidelberg 2011

Christiane Twiehaus, Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien, in: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg, Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012, S. 197 - 206 

Uri R. Kaufmann (Verf.), Jüdische Gemeinden in Heidelberg, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde Heildeberg KdöR, online abrufbar unter: jkg-heidelberg.com 

Heidelberg, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Dokumenten zur jüdischen Gemeindehistorie)

Rohrbach, in: alemannia-judaica.de

Initiative Stolpersteine Heidelberg (Hrg.), Stolpersteine in Heidelberg, Kurpfälzischer Verlag Heidelberg 2015 (Anm: Anlässlich der fast jährlich erfolgten Verlegungen hat die Initiative Stolpersteine Heidelberg eine Broschcüre mit detaillierten biografischen Daten der Opfer verfasst)

Auflistung der in Heidelberg und seinen Stadtteilen verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Heidelberg

Initiative Heidelberger Stolpersteine (Hrg.), Informationen und chronolgische Auflistung der in Heidelberg und seinen Stadtteilen verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: stolpersteine-heidelberg.de

www.swr.de/swr2/stolpersteine/orte/akustische-stolpersteine-heidelberg

Mahnmal für die aus Heidelberg deportierten Juden, in: manfred-lautenschlaeger-stiftung.de

Micha Hörnle (Red.), Heidelberg hat in Handschuhsheim einen neuen jüdischen Friedhof, in: „Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 23.9.2016

Arndt Krödel (Red.), Heidelberger Synagoge präsentiert „Stolpersteinwand“, in: „Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 8.11.2016

Volker Oesterreich (Red.), Fast täglich werden es mehr Stolpersteine, in: „Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 9.11.2018