Herschberg (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für herschberg postleitzahl karte Herschberg ist mit seinen derzeit ca. 900 Einwohnern ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben im Landkreis Südwestpfalz - ca. zehn Kilometer nördlich von Pirmasens gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Unter der Herrschaft der Leininger Grafen siedelten sich im 18.Jahrhundert jüdische Familien in Herschberg an; in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts bildeten die jüdischen Bewohner eine relativ große Gemeinde, die bisweilen mehr als 20% der gesamten Einwohnerschaft des Dorfes ausmachte.

Ein um 1815 urkundlich genannter Betraum wurde in den 1830er Jahren durch einen anderen in einem Gebäude in der Eckergasse ersetzt; im gleichen Hause befand sich auch die jüdische Schule, die bis in die 1860er Jahre bestanden haben soll. Als die Zahl der jüdischen Dorfbewohner bereits stark rückgängig war, realisierte die Gemeinde einen Synagogenneubau, der im September 1892 durch den Bezirksrabbiner aus Zweibrücken eingeweiht wurde.

Die Zeitschrift „Der Israelit” berichtete in ihrer Ausgabe vom 29.9.1892 über die Einweihung:

Hirschberg Pfalz Heute fand die Einweihung der neuen Synagoge unter großer Betheiligung von Seiten der Protestanten und auswärtigen Israeliten statt. Im stattlichen Zug begab man sich an das alte Gotteshaus, aus welchem die Thorahrollen geholt wurden. Herr Rabb. Dr. Mayer - Zweibrücken nahm in ergreifenden Worten Abschied und nun zog man zur neuen Synagoge. An der Thüre übergab ein Mädchen dem Rabbiner den Schlüssel; derselbe erklärte hierauf die Bedeutung des Wortes "Gotteshaus" und öffnete die Hallen. Nachdem alle Anwesenden sich versammelt hatten, wurde ein feierlicher Gottesdienst gehalten.

Im Synagogengebäude war auch das rituelle Bad eingerichtet.

Vermutlich seit Mitte des 18.Jahrhunderts verfügte die Judenschaft über einen Friedhof, der in den Folgezeiten auch von umliegenden Ortschaften wie Höheinöd, Saalstadt, Thaleischweiler oder Wallhalben mitgenutzt wurde. Mit der benachbarten jüdischen Gemeinde in Oberhausen bestanden zeitweilig enge Verflechtungen; so gab es einen gemeinsamen Religionslehrer und Kantor. Allerdings war diese Stelle einem häufigen Wechsel unterworfen.

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gemeindliche Stellenangebote aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 15.4.1868, 26.2.1879 und 20.7.1891

Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Zweibrücken.

Juden in Herschberg:

         --- 1802 ..........................  50 Juden (ca. 10% d. Dorfbev.),

    --- 1823 .......................... 135   “   (ca. 21% d. Dorfbev.),

    --- 1835 ...................... ca. 150   “  ,

    --- 1848 .......................... 170   “   (in 32 Familien),

    --- 1861 .......................... 132   “  ,

    --- 1875 .......................... 101   “  ,

    --- 1890 ..........................  52   “  ,

    --- 1900 ..........................  18   “  ,

    --- um 1925 .......................   3   “  ,

    --- 1939 ..........................   2   “  .

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, S. 183                                                      

Abwanderungen von jüdischen Familien führten schließlich zur Auflösung der vormals relativ großen Gemeinde. Vermutlich wurde bereits seit 1905/1910 die Synagoge nicht mehr benutzt, da zum Gottesdienst kaum noch die notwendige Zahl von zehn religionsmündigen Männern erreicht wurde; das Synagogengebäude wurde verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut. Die sehr wenigen im Dorf verbliebenen Juden wurden der Kultusgemeinde Oberhausen-Wallhalben zugewiesen.

Das einzige noch in Herschberg lebende jüdische Ehepaar wurde im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Neun gebürtige bzw. länger in Herschberg lebende jüdische Bewohner wurden Opfer der Shoa.

1999 wurde das baufällige ehemalige Synagogengebäude abgerissen.

Einziges Zeugnis für die frühere jüdische Gemeinde ist dessen erhaltengebliebenes, ca. 3.000 m² großes Begräbnisareal mit mehr als 200 Grabsteinen, das in unmittelbarer Nähe zum christlichen Friedhof liegt.

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Jüdischer Friedhof in Herschberg (Aufn. J. Hahn, 2007)

[vgl. Wallhalben (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Günter Schwinn (Hrg.), Gemeinde Herschberg/Pfalz - Dorfchronik, Herschberg 1965

Klaus G. Juner, Herceberch: auf der Suche nach der Geschichte eines Ortes. Ein Streifzug durch die Vergangenheit der Sickingerhöhgemeinde Herschberg, Herschberg 1995, S. 277 - 289

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Verlag Ph. von Zabern, Mainz 2005, S. 183

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, hrg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 226

Herschberg, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)