Kaaden/Eger (Böhmen)

Die nordböhmische Ortschaft Kaaden/Eger - seit 1529 ‘freie königliche Stadt’ - ist das heutige tschechische Kadaň (südwestlich von Komotau/Chomutov).

Wann sich Juden erstmals in Kaaden ansiedelten, lässt sich urkundlich nicht belegen; einen konkreten Hinweis aus dem Stadtbuch gibt das Jahr 1466; doch bereits 1339 bzw. 1341 fanden Juden Erwähnung. Die jüdischen Familien, die ab dem 16.Jahrhundert eine kleine Gemeinde bildeten, sollen damals im südwestlichen Winkel der Stadt - nahe dem Wassertor - ihre Behausungen gehabt haben und unter dem Schutz der adligen Herrschaft ihren Geschäften nachgegangen sein; sie lebten nicht im Ghetto. Ihre alte Begräbnisstätte lag östlich der Stadt vor dem Töpfertor auf dem Rossbühl.

Zwischen 1469 und 1494 sind wenigstens sieben jüdische Familien in Kaaden bezeugt. Schutzherr war zunächst der Stadtherr v. Lobkowitz und Hassenstein, der die Interessen „seiner“ Juden vertrat; nach 1519 ging der Judenschutz an den Magistrat der Stadt über. 1520/1521 wurden die Juden aus der Stadt gewiesen; auch jegliche Handelstätigkeit war ihnen fortan untersagt. Erst seit den 1620er Jahren durften sie sich wieder in Kaaden aufhalten bzw. auch niederlassen. Von Eidlitz/bei Komotau führte quer durch die Feldmark der sog. „Judensteig“ nach Kaaden; dieser musste von Juden benutzt werden, solange ihnen das Betreten einzelner Ortschaft verboten war. Als um 1650 die Ermordung eines Christenmädchens durch einen fremden Juden ruchbar wurde, musste die gesamte jüdische Einwohnerschaft Kaadens innerhalb weniger Wochen die Stadt verlassen. Dieses Ansiedlungsverbot dauerte bis ins 19.Jahrhundert an.

Die Wurzeln einer neuzeitlichen jüdischen Gemeinschaft in Kaaden wurden erst in den 1870er Jahren gelegt, als sich jüdische Familien hier dauerhaft niederließen. Zunächst bildeten die jüdischen Neubürger einen dem Rabbinat Saaz zugeteilten Betverein. Gottesdienste wurden anfänglich in angemieteten Räumlichkeiten abgehalten. 1888/1890 konnte in der Bastei der alten Stadtbefestigung ein neuer Synagogenraum eingeweiht werden. Zwei Jahre später konstituierte sich offiziell die Kultusgemeinde Kaaden. Zeitweilig gehörten ihr die Orte Willomitz, Winteritz, später auch Radonitz und Maschau an.

Ein Höhepunkt im Gemeindelebens war Anfang 1900 die Einweihung des neuen Gemeindehauses mit Betsaal in der Hasnerstraße.

            Synagoge in Kadan Bildmitte (hist. Postkarte, um 1900)

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Synagoge zweites Gebäude rechts im Bild (hist. Postkarte um 1910 und hist. Aufn. um 1930)

Ende der 1880er Jahre legte man unweit des städtischen Zentralfriedhofs ein eigenes Beerdigungsgelände an.

Juden in Kaaden:

         --- um 1470/90 ...........   7 jüdische Familien,

    --- 1624 .................  eine   “       “  (),

    --- ab 1650 ..............  keine Juden,

    --- 1724 .................  10 jüdische Familien,

    --- 1798 .................   9   “         “    ,

    --- 1880 .................  wenige “       “    ,

    --- 1900 ............. ca.  150 Juden,

    --- 1910 ............. ca.  400   “  ,**              ** Kultusgemeinde

    --- 1921 .................  219   “  ,

    --- 1930 .................  116   “  ,*               * andere Angabe: 151 Pers.

    --- 1932 ............. ca.  260   “  .**

Angaben aus: Josef Hofmann, Geschichte der Juden in Kaaden

Nach der im Oktober 1938 erfolgten deutschen Besetzung des Sudetenlandes wurde die Kaadener Synagoge in Brand gesetzt und bis auf die Grundmauern zerstört.

 Brennende Synagoge (aus: www2.holocaust.cz)

                                                                      Synagogenruine (Nov. 1938) 

Die in der Stadt lebenden jüdischen Bewohner verließen alsbald unter behördlichen Druck Kaaden und zogen nach Innermähren. Einige konnten später noch emigrieren, doch die meisten wurden 1942 aus dem „Protektorat“ über Theresienstadt in die Todeslager im besetzten Polen verschleppt und dort ermordet. Nur sehr wenige überlebten.

Weitere Informationen:

Josef Hofmann, Geschichte der Juden in Kaaden, in: H. Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn/Prag 1934, S. 223 – 239

Germania Judaica, Band III/1, Tübingen 1987, S. 599 - 601

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 581/582

Jörg Osterloh, Nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland 1938 - 1945, in: Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Band 105, Verlag R. Oldenbourg, München 2006

Pavel Fryda (Bearb.), Die Synagoge in Kaaden u. Kurzfassung zur Historie, online unter: kaaden-duppau.de (obige hist. Abb. stammen hieraus)