Kairlindach (Mittelfranken/Bayern)

Das heute zum Markt Weißendorf zählende kleine Dorf Kairlindach liegt etwa zwölf Kilometer nordwestlich von Erlangen.

Kairlindach beherbergte vermutlich schon wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg eine kleine jüdische Gemeinschaft. Die ersten jüdischen Familien waren um 1670 in das völlig zerstörte und verwaiste Dorf gekommen; sie standen unter dem Schutz der Dorfherrschaft, die sich von deren Ansiedlung einen wirtschaftliche Aufschwung versprach.

Seit ca. 1770 gab es im Dorf einen Betraum, der im Obergeschoss eines Privathauses untergebracht war; im Keller befand sich eine Mikwe.

 Gebäude mit dem Betraum (hist. Aufn., um 1940, aus Guth, Jüdische Landgemeinden ...)

Ein in den 1830er Jahren ins Auge gefasster Synagogenneubau konnte wegen der schlechten Finanzlage der Gemeinde aber nicht realisiert werden.

Über eine eigene Begräbnisstätte verfügte die kleine Gemeinde zu keiner Zeit; ihre Verstorbenen wurden auf dem jüdischen Friedhof in Zeckern bei Adelsdorf begraben. - Bis 1845 war Kairlindach dem Rabbinat Adelsdorf, danach dem von Uehlfeld zugeordnet.

Juden in Kairlindach:

         --- um 1675 ..............  2 jüdische Familien,

    --- 1705 .................  7   “         “    ,

    --- 1736 ................. 13   “         “    ,

    --- 1766 ................. 14   “         “    ,

    --- 1811 ................. 76 Juden (ca. 30% d. Dorfbev.),

    --- 1843 ............. ca. 90   “   (in 18 Familien),

    --- 1852 ................. 74   "   (ca. 25% d.Dorfbev.)

    --- 1861 ................. 54   “   (ca. 25% d. Dorfbev.),

    --- 1875 ................. 37   "   (ca. 13% d. Dorfbev.)

    --- 1880 ................. 15   “  ,

    --- 1900 .................  9   “  ,

    --- 1910 .................  keine.

Angaben aus: Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942), S. 218

und                 J. Fleischmann, Mesusa 1 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, ..., S. 202/203

Zu Beginn des 19.Jahrhunderts bestritten die Kairlindacher Juden ihren Lebenserwerb zumeist mehr schlecht als recht mit Klein- und Hausierhandel. In den 1840er Jahren hatte die Kultusgemeinde ihren zahlenmäßigen Höhepunkt erreicht. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl ihrer Angehörigen durch Abwanderung in umliegende Städte wie Fürth und Erlangen stetig ab; um 1880/90 löste sich die Gemeinde auf; 1908 verließ der allerletzte jüdische Einwohner das Dorf. Bereits um 1880 war das Gebäude, in dem sich der Betraum befand, an eine Privatperson verkauft worden.

Anfang der 1990er Jahre sollte das noch vorhandene ehemalige Synagogengebäude restauriert werden; doch wurde dieses Vorhaben aber wegen zu hoher Kosten zunächst fallengelassen. Erst in jüngster Zeit wurde mit Maßnahmen zur Erhaltung des Gebäudes begonnen.

Gebäude - im Obergeschoss ehem. Betraum (Aufn. Christian Keck, 2007)

Heute erinnert noch der sog. „Judenweg“ in Richtung Herzogenaurach an einstiges jüdisches Leben in der unmittelbaren Region.

[vgl. Weisendorf (Bayern)]

Weitere Informationen:

A. Eckstein, Geschichte der Juden im Markgrafenthum Bayreuth, Bayreuth 1907

Klaus Guth (Hrg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800 - 1942). Ein historisch-topographisches Handbuch, Bayrische Verlagsanstalt Bamberg, Bamberg 1988, S. 216 - 222

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 173

Eva Groiss-Lau, Jüdisches Kulturgut auf dem Land. Synagogen, Realien und Tauchbäder in Oberfranken, Hrg. Klaus Guth, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1995

Johann Fleischmann, Mesusa 1 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach”, Selbstverlag, Mühlhausen 1998, S. 201 ff.

Johann Fleischmann, Mesusa 2 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach”, Selbstverlag, Mühlhausen 2000

Kairlindach, in: alemannia-judaica.de