Kettenbach (Hessen)

Datei:Aarbergen in RÜD.svg Kettenbach ist heute Ortsteil der Kommune Aarbergen mit derzeit ca. 6.000 Einwohnern im Rhein-Taunus-Kreis - ca. 25 Kilometer nördlich von Wiesbaden gelegen (Karte Hagar, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts war die Ortschaft Kettenbach der religiöse Mittelpunkt für die Juden des Aartales, die in den Dörfern Breithardt, Daisbach, Hausen, Holzhausen, Michelbach und Rückershausen lebten. Ausdruck dieser Gemeinschaft war eine um 1765 gegründete „Chewra Kadischa“, die dank regelmäßiger Beiträge ihrer Mitglieder soziale Dienste leisten konnte.

In der Oberstraße verfügte die Gemeinde über eine Synagoge, die um 1760 eingerichtet und ca. 100 Jahre später erneuert worden war. Im 19.Jahrhundert war zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt.

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden nach 1800 auf dem jüdischen Sammelfriedhof in der Gemarkung Burgschwalbach bestattet; er war auch Begräbnisstätte für Juden aus Hahnstätten, Hausen, Holzhausen ü. Aar, Oberneisen und Rückershausen.

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Der jüdische Friedhof in Burgschwalbach (Aufn. Hans G. Kuhn, 2012, aus: alemannia-judaica.de)

Eine Gemeindebeschreibung (verfasst 1936):

                                      

Die Gemeinde Kettenbach war dem Rabbinat Wiesbaden zugehörig.

Juden in Kettenbach:

         --- 1843 .........................  23 Juden,

              ........................ ca. 65   “  ,*            * gesamte Gemeinde

    --- 1871 .........................  40   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1895 .........................  54   “  ,

    --- 1905 ..................... ca. 100   “  ,*

    --- 1925 .........................  37   “  ,

    --- 1933 .........................   9 jüdische Familien (ca. 25 Pers.),

    --- 1938 .........................   9 Juden,

    --- 1939 (Jan.) ..................   keine.  

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 443

Die Juden des Aartales lebten in recht ärmlichen Verhältnissen; ihren Lebensunterhalt verdienten sie im wenig gewinnbringenden Klein- und Hausierhandel. Anfang der 1930er Jahre wohnten noch acht jüdische Familien in Kettenbach. Als die Kettenbacher Juden ab- und auswanderten, wurde 1935 das Synagogengebäude an eine nicht-jüdische Familie verkauft; die Ritualien wurden nach Frankfurt/M. verbracht, wo sie im November 1938 zerstört wurden.

Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Wohnungen von zwei jüdischen Familien Kettenbachs durch SA-Angehörige überfallen und deren Inneneinrichtung völlig zerstört. Die letzten jüdischen Einwohner Kettenbachs verließen daraufhin bis Ende Dezember 1938 den Ort.

Nachweislich sind 15 Angehörige der Kettenbacher Kultusgemeinde Opfer der Shoa geworden.

In den 1960er Jahren wurde das ehemalige Synagogengebäude abgerissen.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 442/443

Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt, 1995, S. 391

Kettenbach mit Daisbach, Hausen über Aar und Rückershausen, in: alemannia-judaica.de

Arbeitskreis 1125 Jahre Hausen über Aar (Hrg.), Ortschronik, Aarbergen-Hausen über Aar 2004, S. 19/20

Hans G. Kuhn, Aufnahmen des jüdischen Friedhofs von Burgschwalbach, 2012 (zahlreiche Aufn. in: alemannia-judaica.de)