Kirrweiler (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für kirrweiler postleitzahl karte Kirrweiler mit derzeit ca. 2.000 Einwohnern ist ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Maikammer – nur wenige Kilometer südlich von Neustadt a.d.Weinstraße gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Die Wurzeln der jüdischen Gemeinde von Kirrweiler sollen bis in die Zeit des 17.Jahrhunderts zurückreichen, als das Dorf „Amtsort“ des Hochstifts Speyer war. Erstmals werden Kirrweiler Juden urkundlich im Jahre 1635 erwähnt, als diese sich vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ins mauerumwehrte Speyer geflüchtet hatten. Im Laufe des 18.Jahrhunderts soll sich die Zahl der in Kirrweiler lebenden Juden deutlich erhöht haben, sodass die Einrichtung einer Synagoge notwendig wurde. Daraufhin erwarb die Judenschaft ein Anwesen in der Schlossgasse, in dem 1766 der Betraum eingerichtet wurde; 1830 wurde die Synagoge erweitert. Zu diesem Zeitpunkt gehörten auch die jüdischen Familien aus Maikammer zur Kirrweiler Gemeinde, die damals offiziell die Bezeichnung „Israelitische Kultusgemeinde Kirrweiler-Maikammer“ trug. Spannungen zwischen den Juden beider Ortschaften waren an der Tagesordnung; meist ging es dabei um geschäftliche Differenzen.

                                                   Bethaus in Kirrweiler, links im Hintergrund (Aufn. Landesamt) 

Seit den 1840er Jahren existierte in Kirrweiler eine jüdische Schule mit eigenem Gebäude; ein von der Gemeinde angestellter Lehrer übte zugleich die Funktionen des Vorsängers und Schächters aus. Bestand hatte die israelitische Konfessionsschule bis 1875; danach besuchten die jüdischen Kinder die katholische Ortsschule.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20258/Kirrweiler%20Israelit%2001091898.jpg  

Stellenanzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" aus den Jahren 1898, 1903 und 1904

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Essingen beerdigt; ab den 1850er Jahren* stand ein eigenes Beerdigungsgelände nördlich der Ortschaft zur Verfügung; auf dem Friedhof fanden auch Glaubensgenossen aus Diedesfeld und Maikammer ihre letzte Ruhe. (*andere Angabe: seit Ende der 1860er Jahre)

Die jüdische Gemeinde Kirrweiler unterstand dem Bezirksrabbinat von Landau.

Juden in Kirrweiler:

         --- 1635 ..........................   3 jüdische Familien (kurzzeitiger Aufenthalt),

    --- um 1685 .......................   3     “       “    ,

    --- um 1725 .......................   9     “       “    ,

    --- um 1785 .......................   8     “       “    ,

    --- 1808 ..........................  30 Juden,

    --- 1825 ..........................  41   “  ,

    --- 1851 .......................... 103   “  ,

    --- 1867 ..........................  86   “  ,

    --- 1883 ..........................  51   “  ,

    --- 1900 ..........................  33   “  ,

    --- 1907 ..........................  29   “  ,

    --- 1928 ..........................  16   “  ,

--- 1933 ..........................  10   “  .

Angaben aus: Heinz Friedel, Die jüdische Gemeinde, S. 65

In Kirrweiler verdienten die jüdischen Familien ihren Lebensunterhalt meist im Vieh- und Kleinhandel. Seit der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts war dann infolge von Ab- und Auswanderung die Zahl der jüdischen Bewohner Kirrweilers stark rückläufig. In den Jahren des Ersten Weltkrieges löste sich die Gemeinde langsam auf; die wenigen noch verbliebenen Juden des Ortes schlossen sich der jüdischen Gemeinde im nahen Venningen an. Die Kultgegenstände der Synagoge wurden der Edenkobener Gemeinde übereignet. Zu Beginn der NS-Zeit lebten noch zehn jüdische Bewohner in Kirrweiler. Acht gebürtige Juden Kirrweilers wurden Opfer der „Endlösung“.

Auf dem spätestens seit den 1860er Jahren belegten jüdischen Friedhof in Kirrweiler befinden sich ca. 45 Grabsteine; die während der NS-Zeit von dort entfernten Steine wurden nach 1945 auf dem ca. 550 m² großen Gelände wieder aufgestellt.

      Jüdischer Friedhof Kirrweiler (Aufn. J. Hahn, 2004) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2047/Kirrweiler%20Friedhof%20101.jpg

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20355/Kirrweiler%20Friedhof%201312.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20355/Kirrweiler%20Friedhof%201319.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20355/Kirrweiler%20Friedhof%201313.jpg Auffällige Steine (Aufn. Bernhard Kukatzki, 2012)

Das ehemalige Synagogengebäude steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

   ehem. Synagogengebäude in Kirrweiler (Aufn. Michael Ohmsen, 2012)

[vgl. Venningen (Rheinland-Pfalz)]

 

In Maikammer ist die Ansässigkeit jüdischer Familien seit dem letzten Viertel des 18.Jahrhunderts nachweisbar; um 1840/1850 erreichte die jüdische Gemeinschaft mit ca. 60 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Höchststand. Mehrere Eingaben an die pfälzische Regierung, eine eigene Synagoge erbauen zu dürfen, wurden abschlägig beschieden, sodass die Verbindung mit Kirrweiler weiter bestehen blieb. Verstorbene Juden aus Maikammer wurden zunächst in Essingen, danach auf dem Kirrweiler Friedhof begraben.

Juden in Maikammer:

--- 1775 ........................    2 jüdische Familien,

--- 1785 ........................   eine   “        “  (n),

--- 1808 ........................    6 Juden,

--- 1825 ........................   19   “  ,

--- 1843 ........................   53   “  ,

--- 1875 ........................   21   “  ,

--- 1900 ........................   25   “  ,

--- 1924 ........................   13   “  ,

--- 1933 .................... ca.   10   “  .

Angaben aus: Maikammer, in: alemannia-judaica.de

Infolge von Abwanderung ging innerhalb zweier Jahrzehnte die jüdische Bevölkerungszahl um zwei Drittel zurück; um 1900 zählte Maikammer nur noch 25 jüdische Einwohner; sie waren der Edenkobener Gemeinde angeschlossen. Von den Anfang der 1930er Jahre noch hier lebenden ca. zehn jüdischen Personen verzogen die meisten bzw. konnten emigrieren.

Weitere Informationen:

Heinz Friedel, Die jüdische Gemeinde, in: Die Geschichte eines pfälzischen Weindorfes, Kirrweiler 1978, S. 63 - 66

Fritz Roth, Das Kirrweilerer Judenbad, in: Heimatjahrbuch Landkreis Südliche Weinstraße 8/1986, S. 65 f.

Ursula Biffar, Schutt birgt altes Denkmal jüdischer Kultur (Frauenbad in Kirrweiler), in: Die Rheinpfalz (Ausgabe Landau) vom 16.6.1987

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße 1988, S. 230

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Juden in der Provinz. Beiträge zur Geschichte der Juden in der Pfalz zwischen Emanzipation und Vernichtung, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d. Weinstraße 1989, S. 210

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d. Weinstraße 1992

Bernhard Kukatzki, Der jüdische Friedfhof in Kirrweiler. Begräbnisplatz für Kirrweiler, Maikammer und Diedesfeld, Landau 1995

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 212/213 (Kirrweiler) und S. 242 (Maikammer)

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 96/97 (Kirrweiler) und S. 113 (Maikammer)

Kirrweiler, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Textdokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Maikammer, in: alemannia-judaica.de