Kleineibstadt (Unterfranken/Bayern)

Datei:Saal an der Saale in NES.svg Kleineibstadt ist heute ein Teil der Verwaltungsgemeinschaft Saal a.d.Saale im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Eine jüdische Gemeinde existierte in Kleineibstadt seit Beginn des 18.Jahrhunderts. Als Schutzjuden der Freiherren von Münster hatten hier die Familien Erlaubnis zur Niederlassung erhalten und entrichteten dafür ein Schutzgeld und weitere Abgaben.

Bei der Erstellung der Matrikel (1817) waren für das Dorf 18 Stellen aufgelistet; mehrheitlich war als Lebenserwerb des Familienoberhaupts „Kleinhandel“ eingetragen.

Seit Ende der 1820er Jahre verfügte die Gemeinde über eine Synagoge; ein außen angebrachter Aufgang führte zur Frauenempore. Besuchten die jüdischen Kinder zunächst die hiesige katholische Schule, gründete man 1875 eine israelitische Elementarschule, die bis 1919 bestand.

             Deckblatt des gemeindlichen „Memorbuches“ (um 1800)

Als Begräbnisplatz diente der jüdische Friedhof in Kleinbardorf, der von fast 30 Gemeinden der Region genutzt wurde. Der älteste Grabstein eines Kleineibstädter Juden datiert aus dem Jahre 1751.

Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktrabbinat Burgpreppach.

Juden in Kleineibstadt:

    --- um 1750 ....................  13 jüdische Familien,

    --- 1810 .......................  75 Juden,

    --- 1813 ....................... 104   “   (ca. 22% d. Bevölk.),

    --- 1839 ....................... 101   “   (ca. 15% d. Bevölk.),

    --- 1848 .......................  93   “  ,

    --- 1871 ....................... 100   “  ,

    --- 1880 ....................... 114   “   (ca. 22% d. Bevölk.),

    --- 1890 ....................... 105   “  ,

    --- 1900 .......................  72   "  ,

    --- 1910 .......................  50   “   (ca. 10% d. Bevölk.),

    --- 1925 .......................  26   “  ,

    --- 1933 .......................   7   “  ,

    --- 1935 .......................  12   “  ,

    --- 1941 (April) ...............   4   “  ,

    --- 1942 .......................   keine.

Angaben aus: Reinhold Albert, Geschichte der Juden im Grabfeld, S. 118

Haupterwerbszweig der Kleineibstädter Juden war der Handel; daneben gab es auch einige Handwerker. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts setzte eine starke Abwanderung ein. Zu Beginn der NS-Machtübernahme lebten hier nur noch sieben Juden; das 1827 erbaute Synagogengebäude wurde 1937 an Privatleute veräußert, nachdem die Gemeinde schon längst nicht mehr bestand (aber erst 1937 vom Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden offiziell aufgelöst wurde).

Während der Novembertage des Jahres 1938 soll es im Ort zu keinerlei Ausschreitungen gekommen sein. Als vom Landrat die Unterbringung mehrerer, noch in Königshofen lebender Juden in Kleineibstadt angeordnet wurde, setzte sich der hiesige Bürgermeister erfolglos zur Wehr; in seinem Schreiben vom 11.8.1941 hieß es:

„ ... Als Bürgermeister der Gemeinde Kleineibstadt ist es meine Pflicht, die Gemeindekasse von allen jüdischen Fürsorgekosten zu bewahren. Die Gemeinde hat in den letzten Jahrzehnten tausende von Mark für Judenfürsorgekosten zahlen müssen. ... Ferner muß ich bekannt geben, daß meine Gemeindeangehörigen gegen einen Zuzug von Juden protestieren, da sie sich sagen, daß sie jetzt lange genug unter den Judengesichtern herum laufen mußten. ... Wenn es dem Landratsamt möglich sein sollte, so bitte ich darum, den Rest der Juden in andere Gemeinden, wo noch Juden vorhanden sind, unterzubringen, so daß meine Gemeinde nicht nochmals von neuem mit diesem Gesindel verseucht wird !“

Die ehemalige Synagoge, heute als Lagerraum genutzt, und das jüdische Schulhaus in der Hügelgasse - heute ein Wohnhaus - sind erhalten geblieben. Fenster und Türen des Synagogengebäudes befinden sich noch im Originalzustand, ebenso Teile des Fußbodens, der Frauenempore und der Decke.

     Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Tilmann, 2014, aus: wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)  Großeibstadt, Kleineibstadt, Wegkreuz, An der Barget, Ehem. Synagoge, 002.jpg

An der Mauer des christlichen Friedhofs in Kleineibstadt erinnert eine Gedenktafel an die einstige jüdische Gemeinde.

In Kleineibstadt bestand bis 1937 eine Jüdische Kultusgemeinde.

Synagoge an der Barget 14.

Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger.

Zur Erinnerung und Mahnung.

Weitere Informationen:

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 336/337

Ela Eggerath, Der Novemberpogrom von 1938 im Grabfeld, in: ‘Bote von Grabfeld’ vom 9.11.1988

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2. Aufl., München 1992, S. 84/85

Reinhold Albert, Geschichte der Juden im Grabfeld, in: Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V., Heft 2, Kleineibstadt 1996, S. 84 - 86 und S. 110

Herbert Liedel/Helmut Dollhopf, Jerusalem lag in Franken. Synagogen und jüdische Friedhöfe, Echter-Verlag GmbH, Würzburg 2006, S. 94 – 99

Dirk Rosenstock(Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13, Würzburg 2008, S. 187

Cordula Kappner, Bewegende Schicksale der Wolfroms, in: Mainpost vom 1.9.2009

Kleineibstadt, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Text- u. Bilddokumenten zur jüdischen Ortshistorie)