Kobern/Mosel (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für kobern postleitzahl karte Kobern ist heute ein Teil der Kommune Kobern-Gondorf (im Kreis Mayen-Koblenz), die seit 2014 Sitz der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel ist - knapp 20 Kilometer von Koblenz moselaufwärts gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Vermutlich haben sich Ende des 16.Jahrhunderts unter der Duldung des Erzstiftes Trier wenige jüdische Familien in Kobern niedergelassen. Ein „Judenkirchhof“ in Kobern wird erstmals 1585 erwähnt; auf dem Begräbnisgelände - unweit der Flurgrenze nach Gondorf - fanden seit Mitte des 19.Jahrhunderts auch Verstorbene aus den umliegenden Ortschaften Gondorf, Lehmen, Dieblich, Ober- und Niederfell ihre letzte Ruhe.

Eine „Judenschule“ - 1768 erstmals genannt - war in einem Fachwerkbau untergebracht; sie wurde Ende der 1870er Jahre durch ein neues Synagogengebäude ersetzt; dieser im Stile der Neoromanik gestaltete Bau stand am Fuße des Burgberges.

                                          Giebel des ehem. Synagogengebäudes (Aufn. J. Hahn, 2009) 

Juden in Kobern:

    --- 1808 ...........................  19 Juden,

    --- 1906 ...........................  39   “  ,

    --- 1927 ...........................  16   “  ,

    --- 1933 ...........................  15   “  ,

    --- 1941 ...........................  13   “  .

Angaben aus: Elisabeth Haas-Reck, Juden in Kobern

Ihren Lebensunterhalt verdienten die Juden Koberns im Kleinhandel mit Dingen des alltäglichen Bedarfs. Um 1900/1910 hatten es die jüdischen Familien zu bescheidenem Wohlstand gebracht; nur ein im Dorfe lebender Weinhändler besaß ein größeres Vermögen; einen Teil seines Immobilienvermögens vermachte er einer wohltätigen Stiftung zu Gunsten der Kommune Kobern.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde die Koberner Synagoge in Brand gesetzt; das Gebäude selbst blieb aber erhalten. Auch die Häuser der jüdischen Dorfbewohner waren Ziel gewalttätiger Übergriffe. Im Laufe der Jahres 1942 wurden die letzten Koberner Juden deportiert; von den 13 betroffenen Personen überlebten nur zwei den Holocaust.

Aus dem Ortsteil Gondorf wurden sechs Juden Opfer der NS-Herrschaft.

An dem Hause, in dem sich erste Betraum befand, erinnert heute eine Inschrift (siehe Abb.).

Aufn. J. Hahn, 2009

Das Synagogengebäude, das die Inbrandsetzung äußerlich fast unversehrt überstand, wurde später vom neuen Besitzer zu einem Wohnhaus umgebaut.

Ehem. (neues) Synagogengebäude (Aufn. J. Hahn, 2009)  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20229/Kobern%20Synagoge%20181.jpg

Der Friedhof in der Obermarktstraße - Gemarkung Gondorf - besitzt heute noch ca. 65 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20229/Kobern%20Friedhof%20170.jpg 

Eingangstor und Friedhofsgelände Gondorf (Aufn. J. Hahn, 2009 und GFreihalter, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Nahe Kobern liegt die Ortschaft Dieblich, in der es während des 19.Jahrhunderts auch eine kleine jüdische Gemeinschaft gab; Ende des 19.Jahrhunderts betrug die Zahl ihrer Angehörigen ca. 40 Personen. Suchten die Juden Dieblichs anfänglich die Synagoge in Brodenbach auf, so richteten sie Anfang der 1820er Jahre einen eigenen Betraum ein, den zeitweise auch Juden aus Niederfell nutzten. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten noch ca. 20 jüdische Personen in Dieblich; in den folgenden Jahren verließ ein Teil auf Grund der Folgen des Wirtschaftsboykotts und der Repressalien den Ort und verzog in größere Städte bzw. ging in die Emigration. 

Im Bethaus fanden bis November 1938 Gottesdienste statt, ehe es von NS-Sympathisanten demoliert wurde. Nachweislich wurden zwölf jüdische Einwohner Dieblichs Opfer der Shoa.

Weitere Informationen:

Elisabeth Haas-Reck, Juden in Kobern, in: Ortsgemeinde Kobern-Gondorf (Hrg.), Kobern-Gondorf. Von der Vergangenheit zur Gegenwart, Kobern-Gondorf 1980, S. 245 – 247

Anja Schellhaas, Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung des Moselortes Dieblich zur Zeit des Nationalsozialismus, Facharbeit im Fach Geschichte, Görres-Gymnasium Koblenz 1989

Josef May, Die Vertreibung deutscher Juden aus Alken, Brodenbach, Burgen, Dieblich, Gondorf, Hatzenport, Kobern, Lehmen, Löf und Niederfell, in: Volkshochschule Unteremosel (Hrg.), Mosel-Kiesel, Kobern-Gondorf 1/1998, S. 163 – 181

Helga Schmidt/Anette Schröter, Jüdisches Leben an der Untermosel. Eine Dokumentation der 9.Schuljahre der Regionalen Schule Untermosel, Kobern-Gondorf 2001

Cäcilie Bongers, Der jüdische Friedhof in Kobern-Gondorf - Zeuge und Mahnung, in: "Moselkiesel" Bd. 3, S. 167 -1 78, Volkshochschule Untermosel 2002

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 135/136 (Dieblich) und S. 214 (Kobern-Gondorf)

Kobern, in: alemannia-judaica.de

Dieblich, in: alemannia-judaica.de