Königsberg/Eger (Böhmen)

Unterhalb einer Burg wurde im 13.Jahrhundert eine Marktsiedlung angelegt, die seit 1384 mit Stadtrechten ausgestattet war. Es ist das heutige tschech. Kynšperk nad Ohří mit derzeit knapp 5.000 Einwohnern - etwa zwölf Kilometer nordöstlich von Eger/Cheb gelegen.

http://static0.akpool.de/images/cards/4/41294.jpg Gesamtansicht von Königsberg/Eger (hist. Postkarte)

Früheste Hinweise auf Ansiedlungen von Juden in Königsberg stammen aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts, als vertriebene Juden aus dem nahen Eger sich hier niederließen. In dieser Zeit wurde vermutlich auch eine Begräbnisstätte angelegt; ein eindeutiger Beleg für die Existenz eines jüdischen Friedhofs auf dem Gelände des alten Schlosses findet sich allerdings erst im 17.Jahrhundert. Die jüdischen Bewohner lebten in den folgenden Jahrhunderten unter verschiedenen Stadtherrschaften, denen sie abgabenpflichtig waren. Ob es zwischenzeitlich zu Vertreibungen gekommen ist, kann nicht eindeutig belegt werden. Ihren numerischen Zenit erreichte die jüdische Gemeinde mit 160 Personen gegen Mitte des 19.Jahrhunderts. Nach 1860 begannen jüdische Familien in größere Städte abzuwandern, die ihnen bessere wirtschaftliche Perspektiven boten. Um 1880 besaß die Gemeinde noch knapp 120 Angehörige.

Bis Ende der 1920er Jahre wurde die alte, 1803 erbaute hölzerne Synagoge genutzt; danach befand sich die kleine Gemeinde in Auflösung. Anfang der 1930er Jahre lebten in der Stadt nur noch sehr wenige jüdische Familien, insgesamt kaum 30 Personen.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde der jüdische Friedhof schwer beschädigt, das unbenutzte Synagogengebäude in Brand gesetzt, die Inneneinrichtung völlig zerstört.

            Brennende Synagoge (Aufn. Nov. 1938, aus: holocaust.cz)

An die jüdische Vergangenheit Königsbergs erinnert heute noch ein einziges Gebäude.

                          

Ehemaliges jüdisches Wohnhaus in Königsberg/Eger (Aufn. Vanessa Hünkemeier, 2007 und rechts: Aufn. 2005)

Vom alten jüdischen Friedhof sind noch ca. 170 Grabsteine bzw- relikte erhalten geblieben, der älteste Stein datiert von 1605; die meisten Steine waren während der NS-Zeit zerschlagen bzw. abgeräumt worden. Die letzte Bestattung - das Begräbnis des Malers und Grafikers Fritz Lederer - fand im Jahre 1949 statt, danach verwahrloste das Friedhofsgelände. Seit 2005 versuchte man seitens der Kommune, zumindest einige Grabsteine zu restaurieren.

 

Teilansichten der jüdischen Friedhofs am Schlossberg (Aufn. Str., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 Aus dem böhmischen Königsberg stammte der 1878 geborene Maler und Graphiker Fritz Lederer, der viele Kunstwerke schuf; besonderes zahlreich sind Gemälde, die sich mit Themen aus seiner böhmischen Heimat befassen; aber auch als Portraitmaler machte sich Lederer einen Namen. Ab den 1930er Jahren lebte er in Prag; von hier aus wurde er im Sommer 1944 mit einem Transport ins Theresienstädter Ghetto verfrachtet. Fritz Lederer überlebte die NS-Zeit; vier Jahre nach Kriegsende starb er im Alter von 71 Jahren in Cheb; seine letzte Ruhe fand er auf dem jüdischen Friedhof seines Geburtsortes. Über seinen Aufenthalt im Ghetto Theresienstadt hat Fritz Lederer eine Serie von 24 Holzschnitten gefertigt.

In mehreren Ausstellungen der letzten Jahre wurden die Werke Fritz Lederers der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Weitere Informationen:

Karl Lederer (Bearb.), Geschichte der Juden in Königsberg a.d. Eger, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit u. Gegenwart I., Brünn/Prag 1934, S. 314 - 318

Jan Herman, Jewish Cemeteries in Bohemia and Moravia, o.O. 1980

B.Rozkošná/P.Jakubec, Jüdische Sehenswürdigkeiten in Böhmen, o.O.o.J.

Pavel Frýda, Kynšperská jüdischen Gemeinde und Synagoge, in: zanikleobce.cz