Kallies (Westpreußen)

Kallies (auch: Callies, am rechten Kartenrand) liegt in einer Talsenke des Pommerschen Höhenrückens - umgeben von Seen – östlich der größeren Städte Stargard und westlich von Deutsch Krone.

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde reichen in Kallies (poln. Kalisz Pomorski) bis in die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts zurück. Um 1770 lebten hier drei Familien mosaischen Glaubens. Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die hiesige israelitische Gemeinde um 1840/1850 mit ca. 160 Angehörigen; als Kauf- und Handelsleute, aber auch als Handwerker, verdienten sie ihren Lebensunterhalt.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörten eine Synagoge und ein Friedhof, der um 1815 am Koppelberg angelegt worden war. Mit der Schaffung dieses Begräbnisgeländes musste man nun nicht mehr den ca. 15 Kilometer entfernt gelegenen Friedhof in Märkisch-Friedland benutzen.

Das zeitgleich geschaffene Synagogengebäude – es war ein Fachwerkbau mit je 28 Männer- und Frauenplätzen – stand auf einem Hinterhofgelände der Kasernen- bzw. der späteren Witwenstraße.

Juden in Kallies:

--- 1816 ...................  97 Juden,

--- 1840 ................... 144   “  ,

--- 1849 ................... 149   “  ,

--- 1871 ................... 102   “  ,

--- 1880 ...................  98   “  ,

--- 1925 ...................  20   “  ,

--- 1933 ...................  26   “  ,

--- 1939 …..................   9   “  .

Angaben aus: Kalisz Pomorski, in: sztetl.org.pl

http://brandenburg.rz.htw-berlin.de/neumark/postkarten/Kallies01.png Ortsansicht von Kallies (hist. Postkarte)

Infolge Abwanderung in größere Städte lebten um 1900 nur noch ca. 40 Juden in Kallies, 1933 waren es noch 26 Personen.

Während der Reichspogromnacht wurde das Synagogengebäude demoliert. Auf eine Inbrandsetzung hatte man verzichtet, da auch umliegende Gebäude möglicherweise betroffen gewesen wären. Über das Schicksal der neun jüdischen Bewohner, die kurz vor Kriegsbeginn noch in Kallies wohnten, ist nichts bekannt.

Mitte der 1960er Jahre wurde der jüdische Friedhof, letztes sichtbares Relikt der einstigen Gemeinde, von den Kommunalbehörden abgeräumt.

            Areal des ehem. jüdischen Friedhofs heute (Aufn. Sławomir Topolewski)

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfreid Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

Margret Heitmann/Julius Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem Lande jedes Verderben ...” Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1995

Gerhard Salinger, Jüdische Gemeinden in Hinterpommern, in: M. Heitmann/J. Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem Lande jedes Verderben ...” Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1995, S. 72/73

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol 2, S. 587

Gerhard Salinger, Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken, Teilband 2, Teil III, New York 2006, S. 448 – 456 (Kallies)

Kalisz Pomorski, in: sztetl.org.pl