Karthaus (Westpreußen)

 Bildergebnis für Karthaus westpreußen landkarte Kreis Neustadt/Westpreußen (Karte aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Karthaus (auch Carthaus, poln. Kartuzy), ca. 30 Kilometer westlich Danzigs gelegen, ist aus einer mittelalterlichen Klostersiedlung hervorgegangen. Der Ort gilt als "Hauptstadt" der Kaschubei.

Hier gab es eine jüdische Gemeinde, die sich seit den 1820er Jahren entwickelte; allerdings lebte der größte Teil der Gemeindeangehörigen in den umliegenden Dörfern, in Karthaus selbst ließen sich jüdische Familien erst relativ spät nieder.

Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden bis in die 1860er Jahre in angemieteten Räumlichkeiten statt; danach in einem eigenen Betsaal statt. Seit 1882 verfügte die Gemeinde dann über ein eigenes Synagogengebäude.

    Ansicht von Karthaus, Synagoge links unten im Bild (hist. Postkarte)

  Synagoge u. Siegel der jüdischen Gemeinde Karthaus

Der Friedhof – am Hang eines Hügels gelegen - stammte bereits aus der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts.

Juden in Karthaus:

--- 1846 .........................  33 Juden,

--- 1871 .........................  98   “  ,

         ......................... 218   “  ,*      * Landkreis insgesamt

--- 1885 ......................... 142   “  ,

         ......................... 355   “  ,*

--- 1890 ......................... 133   “  ,

--- 1900 .........................  97   “  ,

--- 1905 ......................... 127   “  ,

--- 1910 .........................  90   “  ,

         ......................... 222   “  ,*

--- 1921 .........................  35   “  ,

         .........................  47   “  ,*

--- 1931 .........................  46   “  ,

--- 1935 ..................... ca.  80   “  ,**     ** andere Angabe: 45 Pers.

--- 1939 .........................  keine.

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken - Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 1, S. 113

und                 Kartuzy, in: sztetl.org.pl

Ende des 19.Jahrhunderts lebten mehr als 300 Juden im Kreis Karthaus; in der Stadt selbst waren es etwa 140 Personen, die damals ca. 4% der Gesamtbevölkerung stellten.

Als nach Ende des Ersten Weltkrieges Karthaus an den neu gebildeten polnischen Staat fiel, führte Massenemigration führte dazu, dass die Gemeinde nahezu bedeutungslos wurde. 1931 gehörten ihr nur ca. 40 jüdische Personen. Durch die Zuwanderung einiger Familien aus dem Inneren Polens soll es um 1935/1936 etwa 80 jüdische Einwohner in Karthaus gegeben haben. Doch bereits 1939 war die Gemeinde völlig ausgelöscht.

Von der Synagoge – sie wurde 1939 zerstört - und vom jüdischen Friedhof (das Gelände soll völlig vermüllt sein) sind heute keine bzw. kaum noch Spuren zu finden.

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfried Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken - Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teillband 1 (Regierungsbezirk Danzig), New York 2009, S. 112 - 121

Kartuzy, in: sztetl.org.pl