Kamin (Westpreußen)

Bildergebnis für zempelburg landkarte Landkreis Flatow (aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

In Kam(m)in (auch Cammin, poln. Kamien Krajenski) – wenige Kilometer nördlich von Zempelburg – ließen sich in den letzten Jahrzehnten des 18.Jahrhunderts jüdische Familien nieder, nachdem das bislang bestehende Niederlassungsverbot aufgehoben worden war. In einem Bericht der Westpreußischen Kammerdeputation vom 1.Aug. 1779 hieß es: „Nach der Stadt Camin, die aber noch nicht akzisbar ist, haben die sich bis jetzt im Dorfe Grünau wohnenden Juden begeben, weil sie in einem Dorfe nicht länger bleiben dürfen. In Camin seien, als einer geistlichen Stadt, bis jetzt keine Juden geduldet worden. Die Ansetzung von Juden würde aber nach Meinung der Kammer dem Ort zuträglich sein, da dann einige Tuchmacher sich entschließen würden, sich dort niederzulassen.Eine Gemeinde bildete sich offiziell aber erst im beginnenden 19.Jahrhundert.

Eine 1809 errichtete Synagoge fiel Anfang der 1820er Jahre einem Brand zum Opfer; ein Neubau datierte in den 1860er Jahren. Der jüdische Friedhof, der weit außerhalb auf einem Hügel an der Straße nach Konitz sich befand, war erst gegen Mitte des 19.Jahrhunderts angelegt worden.

Juden in Kamin:

--- um 1775 .................... ca.  40 Juden,

--- 1788 ....................... ca.  90   “  ,*     * andere Angabe: ca. 150 Pers.

--- 1804 ........................... 163   “  (ca. 22% d. Bevölk.),*    *andere Angabe: ca. 60 Pers.

--- 1816 ........................... 114   "  ,

--- 1831 ........................... 153   “  ,*    *andere Angabe: 84 Pers.

--- 1849 ........................... 153   “  (ca. 15% d. Bevölk.),

--- 1858 ........................... 108   “  ,

--- 1871 ...........................  97   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1885 ...........................  61   "  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1895 ...........................  44   “  (ca. 3% d. Bevölk.),

--- 1910 ...........................  20   “  (ca. 1% d. Bevölk.),

--- 1923 ...........................  10   “  ,

--- 1939 ...........................   5   “  .                ** Die Angaben zur Demographie sind z.T. recht widersprüchlich.

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, S. 425/426

und                 Kamien Krajenski, in: sztetl.org.pl

 Teilansicht von Kamin (hist. Postkarte)

Die bereits im endenden 19.Jahrhundert sich in Auflösung befindliche Gemeinde – sie vergrößerte sich nur kurzzeitig personell durch Zuwanderung polnischer Juden - nutzte danach die rituellen Einrichtungen der jüdischen Gemeinde Zempelburgs; die offizielle Auflösung der Kaminer Gemeinde datierte aber erst im Jahre 1932. Vermutlich hatten bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bereits fast alle Juden den Ort verlassen. Ihre Schicksale sind unbekannt.

Gegen Ende 1939 wurden nach Kamin verschleppte Juden und Zigeuner von der Besatzungsmacht ermordet und in einem Massengrab bestattet.

2008 wurde auf dem katholischen Ortsfriedhof auf private Initiative hin ein Gedenkstein aufgestellt, der an die einstige jüdische Vergangenheit des Ortes erinnert. Auf dieses Begräbnisgelände waren in den 1970er Jahren die sterblichen Überreste der auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof Bestatteten überführt worden. (Anm.: Das jüdische Friedhofsgelände war nach 1945 überbaut worden)

Weitere Informationen:

Hans Plehn, Ortsgeschichte von Kamin Kreis Strasburg in Westpreußen, Königsberg i. Pr. 1900

Max Aschkewitz, Der Anteil der Juden am wirtschaftlichen Leben Westpreußens um die Mitte des 19.Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Ostforschung 11/1962, S. 482 ff.

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfried Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 2, New York 2009, S. 422 - 426

Kamien Krajenski, in: sztetl.org.pl