Kirchbrombach (Hessen)

Datei:Municipalities in ERB.svg Kirchbrombach (auch Kirch-Brombach) ist heute der größte Ortsteil und zugleich Sitz der Gemeindeverwaltung von Brombachtal im hessischen Odenwaldkreis - knapp 40 Kilometer südöstlich von Darmstadt gelegen (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

In Kirchbrombach bestand bis 1927 eine selbstständige jüdische Gemeinde, die im 18.Jahrhundert entstanden war und gegen Mitte des 19.Jahrhunderts mit ca. 80 Angehörigen ihren Höchststand besaß, danach aber stark an Mitgliedern verlor.

Im Laufe des 18.Jahrhunderts werden vereinzelt Juden namentlich genannt, so 1713 ein gewisser Hertz, Judt von Umstadt“, der in Kirchbrombach zugezogen war und hier pro Jahr drei Gulden Schutzgeld zu zahlen hatte. Weitere Nennungen jüdischer Dorfbewohner ("Jud Lösser und Jud Isaac") sind für 1756 und die Jahre danach belegt.

Ihren Betraum besaß die lange Zeit streng-orthodoxe Gemeinde seit Ende des 18.Jahrhunderts in einem umgebauten Bauernhaus. In den 1820er Jahren errichtete die Gemeinde mit Erlaubnis des Fürsten zu Wertheim ein neues Synagogengebäude. Das um 1885 renovierte Gebäude wurde dann bis Anfang der 1920er Jahre genutzt.

              Vorderansicht des Synagogengebäudes (Bauskizze)

Eine jüdische Elementarschule (ab ca. 1850 nur noch als Religionsschule geführt) befand sich im israelitischen Gemeindehaus, das vermutlich zusammen mit der Synagoge vor 1829 erstellt wurde und neben der Synagoge stand.

Zur Verrichtung religiös-ritueller Aufgaben hatte die Gemeinde im 19. Jahrhundert einen Lehrer angestellt.

Stellenangebote in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.Febr. 1870, vom 19 Febr. 1891 und vom 3.März 1892

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Religionsunterricht durch einen auswärtigen Lehrer erteilt.

Auch ein rituelles Bad gehörte zu den gemeindlichen Einrichtungen; nach 1870 schuf man eine neue Mikwe hinter dem Brunnen in der Höhenstraße.

Ihre Verstorbenen begrub die Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof in Michelstadt.

Die „altgläubige“ Gemeinde gehörte zum Rabbinat Darmstadt.

Juden in Kirchbrombach:

--- 1828 ........................ 68 Juden (ca. 7% d. Bevölk.),

--- 1837 ........................ 15 jüdische Familien,

--- 1840 ........................ 80 Juden,

--- 1857 ........................ 81   “  ,

--- 1871 ........................ 52   “  ,

--- 1891 ........................ 56   “  ,

--- 1900 ........................ 32   “  ,

--- 1910 ........................ 25   “  ,

--- 1925 ........................ 11   “  ,

--- 1927 ........................  3   “  ,

--- 1939 (Aug.) .................  keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 76

Als für die Abhaltung von Gottesdiensten nicht mehr die dafür notwendige Anzahl von zehn Männern erreicht wurde, wurde das Synagogengebäude im Frühjahr 1928 an die Kommune Kirchbrombach für 1.200 RM verkauft. Auch das neben der Synagoge stehende israelitische Gemeindehaus ging ein Jahr später in kommunalen Besitz über.
Um 1930/1935 lebten nur noch zwei ältere jüdische Bewohnerinnen in Kirchbrombach; kurz vor Kriegsbeginn verließ die letzte ihren Heimatort.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20387/Kirch-Brombach%20KK%20MZ%20Katz%20Hermann.jpg J-Kennkarte eines gebürtigen Kirchbrombacher Juden

Das zu einem Feuerwehrgerätehaus umgebaute Gebäude blieb bis zur Erstellung eines neuen erhalten; 1969 wurde es dann abgebrochen. In den 1970er-Jahren kam das ehemalige jüdische Gemeindehaus in Privatbesitz und wurde weiterhin als Wohnhaus verwendet.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 76 – 89 (unter Michelstadt)

Willy Hawelky, Geschichte der Juden in Kirchbrombach 1739 – 1939, o.O. 1986  

Brigitte Diersch, Das kurze Leben der Doris Katz, hrg. vom Kreisarchiv des Odenwaldkreises, 2010

Kirchbrombach, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)