Königsberg (brand. Neumark)

  Im nur wenige Kilometer südöstlich von Schwedt entfernten, jenseits der Oder liegenden Städtchen Königsberg/Neumark (poln. Chojna) wurden die jüdischen Bewohner 1510 auf Geheiß des brandenburgischen Kurfürsten - wie auch aus allen anderen Teilen seines Landes - vertrieben.

Königsberg in der brandenburgischen Neumark, Stich um 1710 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Ab der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts waren dann wieder einige Juden hier ansässig; um 1690 waren es nachweislich fünf Familien. Im 18.Jahrhundert sollen die hiesigen jüdischen Familien so verarmt gewesen sein, dass von ihnen keine Steuern eingetrieben werden konnten. Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden anfänglich in privaten Räumen statt. Erst im Laufe des 19.Jahrhunderts bildete sich eine organisierte Gemeinde heraus.

Die israelitische Gemeinde setzte sich um 1800 aus ca. 200 Personen zusammen; in den 1880er Jahren waren es immerhin noch fast 160; doch ein Jahrzehnt später war deren Anzahl bereits auf ca. 120 Angehörige abgesunken.

Der erste Betraum soll im Ort bereits zu Beginn des 18.Jahrhunderts eingerichtet worden sein. Neben einer 1907 neu erbauten Synagoge in der Judenstraße gab es seit Mitte des 19.Jahrhunderts auch einen jüdischen Friedhof (der Begräbnisplatz dürfte allerdings älter sein!).

               Synagoge in Königsberg (Abb. aus: encyklopedia.szczecin.pl)

Juden in Königsberg (Neumark):

--- um 1690 .........................    5 jüdische Familien,

--- 1728 ............................   24 Juden,

--- 1770 ............................   45   “  ,

--- 1801 ............................  195   “  ,

--- 1850 ............................  117   “  ,

--- 1880 ............................  158   “  ,

--- 1890 ............................  122   “  ,

--- 1905 ............................   70   “  ,

--- 1925 ............................   45   “  ,

--- 1933 ........................ ca.   30   “  .

Angaben aus: Die Geschichte der Juden in Königsberg (2), aus: "Zeitung Chojeńska" No. 10/11/12/13 von 2012

und                 Chojna, in: sztetl.org.pl

    Blick auf das Schwedter Tor (colorierte Postkarte um 1900)

Anfang der 1930er Jahre war die jüdische Bevölkerung bereits auf etwa 30 Personen gesunken. Während der „Kristallnacht“ wurde die Synagoge im Innern zerstört; das äußerlich erhaltene Gebäude diente in der Folgezeit als Lagerhaus.

Über das Schicksal der wenigen jüdischen Bewohner liegen kaum Informationen vor.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bestand in Königsberg ein Außenlager des FKL Ravensbrück; Häftlinge (zumeist Frauen aus Warschau) waren hier zu Erdarbeiten am lokalen Flughafen eingesetzt. Im März 1945 wurden die Frauen nach Ravensbrück evakuiert („Todesmarsch“).

Heute erinnern nur noch sehr wenige Steinrelikte an das völlig in Vergessenheit geratene jüdische Begräbnisareal; es ist heute eine mit Bäumen bestandene Grünfläche; ein dreisprachig abgefasste Beschilderung weist auf den einstigen jüdischen Friedhof hin.

Ehem. jüdisches Begräbnisgelände mit Infotafel (Aufn. Matteusz Atroszko, aus: neumark.pl)

Weitere Informationen:

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust, New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 2, S. 643

Die Geschichte der Juden in Königsberg (2), "die Zeitung Chojeńska", No. 10 vom 6.3.2012,. No. 11 vom 13.3.2012, No. 12 vom 20.3.2012, No. 13 vom 27.3.2012, No. 14/15 vom 3.4.2012 (online abrufbar unter: gazetachojenska.pl)

Chojna, in: sztetl.org.pl