Käsmark/Kežmarok (Slowakei)

http://deacademic.com/pictures/dewiki/79/Okres_kezmarok.png Käsmark (oder auch Kesmark) ist das von derzeit ca. 17.000 Menschen bewohnte slowakische Kežmarok (ung. Késmárk) – am Fuße der Hohen Tatra, ca. 15 Kilometer nordöstlich von Poprad gelegen (Karte aus: deacademic.com).

Erst ab Mitte des 19.Jahrhunderts ließen sich jüdische Familien in Käsmark nieder; ihre Ansässigkeit war lange Zeit auf den Widerstand der deutschen Bevölkerungsgruppe gestoßen. Doch die Anwesenheit von Juden in der Zipser Region reicht bereits viel länger zurück: Heimat der meisten hier lebenden jüdischen Familien war das kleine Dorf Huncovce (Unsdorf). So zählten die Familien zu Beginn ihrer Ansässigkeit in Käsmark zunächst noch zur jüdischen Gemeinde Huncovce.

In den 1870er Jahren ließ die hiesige Judenschaft, deren Angehörigenzahl schnell angewachsen war, einen Synagogenbau (mit maurischen Stilelementen) errichten, der immerhin über 500 Plätze verfügte.

Synagoge von Käsmark (hist. Postkarte)

Der erste Rabbiner (Abraham Greenburg) amtierte in Käsmark von 1874 bis 1918; unter seiner Leitung wurde eine Jeschiwa gegründet.

Die meisten Kinder jüdischer Eltern besuchten die allgemeinen städtischen Elementarschulen, in denen bis Ende der 1920er Jahre Deutsch die Unterrichtssprache war.

Ein jüdischer Friedhof befand sich am nördlichen Stadtrand.

Juden in Käsmark/Kežmarok:

--- 1851 .........................    29 Juden,

--- 1890 ..................... ca.   660   “  ,

--- 1910 ......................... 1.050   “  (ca. 17% d. Bevölk.),

--- 1921 ......................... 1.279   “  ,

--- 1930 ......................... 1.160   “  ,

--- 1937 ..................... ca.   700   “  ,

--- 1940 ......................... 1.085   “  ,

--- 1944 (Sept.) .................   118   "  ,

--- 1945 .........................    95   “  ,

--- 1948 ..................... ca.   380   “  ,

--- 1949 ..................... ca.   140   "  .

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), S. 616

und                  Kežmarok, in: kehilalinks.jewishgen.org/kezmarok

Starý Kežmarok - Hlavné námestie.jpeg  Starý Kežmarok - Radnica a námestie.jpeg

Straßenzüge in Käsmark, hist. Aufn., um 1910/1920 ? (Abb. aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei)

Mehrheitlich lebten die Juden von Kežmarok in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen; mehr als 80% der gewerblichen Betriebe verschiedenster Art waren im Besitz jüdischer Familien, darunter auch reiche Kaufleute, die als Großhändler landwirtschaftliche Produkte aus der Region vertrieben. Auch die hiesige Ärzteschaft setzte sich zumeist aus Juden zusammen. Während des Ersten Weltkrieges erreichten zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Galizien die Stadt; zumeist waren es chassidische Juden.

Die zionistische Bewegung, die nach der Jahrhundertwende Eingang in der Stadt gefunden hatte, konnte nach Ende des Ersten Weltkrieges zahlreiche Anhänger unter der Jugend rekrutieren.

Mit der Staatsgründung der Slowakei bekamen die zahlreichen jüdischen Bewohner (es gab in der Stadt mehr als 100 Geschäfte und ca. 25 Betriebe in jüdischem Besitz) die Folgen gewalttätiger antisemitischer Übergriffe zu spüren, die vor allem von der lokalen deutschen Bevölkerungsgruppe getragen wurden. Jüdische Geschäfte wurden alsbald geschlossen, Kinder aus öffentlichen Schulen verwiesen, Männer zur Zwangsarbeit verpflichtet u.a.

Ende März 1942 begannen die Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager auf polnischem Boden; zu den Verschleppten gehörten auch Juden aus der Region.

Als im Jahre 1944 deutsche Truppen die Stadt besetzten, sollen mehrere hundert Juden von Einsatzgruppen ermordet worden sein; nur wenigen gelang die Flucht; sie schlossen sich Partisaneneinheiten in der Umgebung an.

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren lebten in Kežmarok ca. 400 jüdische Bewohner, von denen die meisten alsbald nach Palästina/Israel auswanderten.

An die ehemalige jüdische Gemeinde erinnern heute noch ihr Friedhof, auf dessen Gelände mehr als 400 Grabsteine zu finden sind; die Beschriftungen der Steine sind in hebräischer, deutscher oder ungarischer Sprache.

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Teilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. Ashley Bugg, 2015, in: ashleighbugg.wordpress.com)

Weitere Informationen:

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 616

Kežmarok (Slovakia), Hrg. Beit Hatfutsot – The Muzeum of the Jewih People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/kezmarok

Kežmarok, online abrufbar unter: kehilalinks.jewishgen.org/kezmarok/

Madeleine Isenberg (Red.), “Reviving” the Kezmarok Jewish Cemetery, in: “Roots-Kay” -Newsletter of the Jewish Genealogical Society of Los Angeles, 2004

Maros Borský, Synagogue Architecture in Slovakia towards creating a memorial landscape of lost community, Dissertation (Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg), 2005, S. 205

Kežmarok, online abrufbar unter: holocaust.cz/zdroje/clanky-z-ros-chodese/ros-chodes-2009/zari-14/kezmarok/ (in deutscher Spache in Vorbereitung)