Madfeld (Nordrhein-Westfalen)

Madfeld - derzeit ca. 1.300 Einwohner - ist seit 1975 ein Ortsteil der Stadt Brilon im Osten des Sauerlandes.

Die erste Ansiedlung einer jüdischen Familie in Madfeld erfolgte zu Beginn des 18.Jahrhunderts; erst allmählich zogen weitere zu, die einen Geleitbrief der Grafen von Padberg erhalten hatten. Eine jüdische Gemeinde bildete sich in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts, zu einer Zeit, als auch der jüdische Friedhof angelegt und über die Errichtung einer Synagoge nachgedacht wurde. Der erste Betraum war ein Anbau an ein Wohnhaus, das 1855 einem Brande zum Opfer gefallen war. 1858 konnten die wenigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde ein kleines, schlichtes Synagogengebäude einweihen.

1883 nahm die jüdische Privatschule in Madfeld den Unterricht auf; sie war im Synagogengebäude untergebracht. Damit waren die jahrelangen Bemühungen der hiesigen jüdischen Familien erfolgreich; denn zuvor hatten ihre Kinder die katholische Volksschule besucht, Religionsunterricht war durch die Eltern bzw. kurzzeitig auch durch einen Privatlehrer erfolgt. Nach 1883 waren nun die Madfelder Juden bemüht, die Privatschule in eine öffentliche Schule umzuwandeln – doch ohne Erfolg. In der Folgezeit musste die Schule – auch auf Grund von Lehrerwechseln - immer wieder geschlossen werden.Nur mit Unterstützung der Kommune Madfeld konnte der Schulbetrieb 1895 und 1912 kurzzeitig wieder aufgenommen werden.

Ein Bestattungsgelände für die Judenschaft in Madfeld wurde vermutlich gegen Mitte des 18.Jahrhunderts am östlichen Ortsrand an der Eggestraße angelegt; dessen erstmalige urkundliche Erwähnung stammt aber erst von 1830.

Als Filialgemeinde gehörte Madfeld seit 1855 dem Synagogenbezirk Padberg an, agierte jedoch weitgehend selbstständig von diesem.

Juden in Madfeld:

         --- 1737 ............. 5 - 6 jüdische Familien (knapp 30 Pers.),

    --- um 1790 ..........   9     “       “     ,

    --- 1834 .............  13     “       “   (knapp 60 Pers.),

    --- 1844 .............  78 Juden,

    --- 1855 .............  96   “  ,

    --- 1867 .............  81   “  ,

    --- 1890 .............  10 jüdische Familien,

    --- 1911 ............. 6 - 7   “         “   ,

    --- 1939 .............     3   “         “   ,

    --- 1943 (Dez.) ...... keine.

Angaben aus: Ursula Hesse, Jüdisches Leben in Alme, Altenbüren, Brilon, Madfeld, Messinghausen, ..., S. 152

Über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bewohner gibt ein Schreiben des Amtmanns aus dem Jahre 1846 Auskunft: „ ... In dem 930 Seelen zählenden bekanntlich sehr armen und in Ermangelung von sonstigen Erwerbsquellen nur lediglich vom Ertrage des geringen und wenig ergiebigen Ackerbaus lebenden Dorfe Madfeld, welches auf eine besorgniserregende Weise mit Beiliegern und unbemittelten Menschen überfüllt ist, sind bereits 77 und unter diesen 5 vergleitete Juden, eine Gesellschaft, welche - mit wenigen Ausnahmen - ihren Lebensunterhalt größtentheils aus der Dürftigkeit der übrigen Einwohner entnimmt.

In der Mitte des 19.Jahrhunderts hatte die Judenschaft Madfelds ihren zahlenmäßigen Höchststand erreicht; in den nun folgenden Jahrzehnten ging die Zahl der jüdischen Ortsbewohner langsam, aber stetig zurück, da Madfelder Juden im Zuge der Industrialisierung in die aufstrebenden Städte vor allem des Ruhrgebiets verzogen. Mitte der 1920er Jahre löste sich die jüdische Gemeinde schließlich auf.

Zu Beginn der NS-Zeit lebten in Madfeld nur noch etwa fünf jüdische Familien.

In den Abendstunden des 9.November 1938 setzten Nationalsozialisten, die mit Lastwagen nach Madfeld herantransportiert worden waren, das inzwischen als Scheune genutzte Synagogengebäude in Brand; wenige Wochen später war es völlig aus dem Dorfbild verschwunden. Mehrere jüdische Männer wurden festgenommen und ins KZ Sachsenhausen verschleppt, Anfang 1939 wieder frei gelassen.

Die letzten fünf in Madfeld lebenden jüdischen Bewohner wurden 1942 bzw. 1943 nach Theresienstadt deportiert.

Insgesamt sind 25 gebürtige bzw. längere Zeit am Ort lebende Juden Madfelds in den Vernichtungslagern ums Leben gekommen; nur vier überlebten die Lagerhaft.

Heute findet man auf dem mit einem Holzzaun umfriedeten jüdischen Friedhof in Madfeld – er war in der NS-Zeit schwer geschändet worden - noch ca. 40 Grabsteine, davon stammt der älteste aus dem Jahre 1759.

http://www.juedische-friedhoefe.info/files/Juedische%20Friedhoefe/Friedhoefe/Sauerland/Madfeld/Der%20Friedhof/K1024_Bild%20W+G%20Heumann%20_007050.JPG Jüdischer Friedhof Madfeld (Aufn. aus: juedische-friedhoefe.info)

Der 1898 in Madfeld geborene Siegfried Heimberg - seit 1920 als selbstständiger Kaufmann tätig - war 1945 führend an der Wiederbegründung der Jüdischen Gemeinde Dortmund beteiligt und in den folgenden Jahren deren Vorsitzender. Von 1946 bis 1965 besaß er gleichzeitig den Vorsitz des Landesverbandes der Jüdischen Kultusgemeinde Westfalen-Lippe und hat - bis zu seinem Tode (1965) - entscheidenden Anteil am Aufbau israelitischer Gemeinden in dieser Region gehabt.

Auf dem Dortmunder Friedhof fand Siegfried Heimberg seine letzte Ruhe (Abb. aus: wikipedia.org, 2013)

[vgl. Alme und Brilon (Nordrhein-Westfalen)]

Weitere Informationen:

Ursula Hesse, Jüdisches Leben in Alme, Altenbüren, Brilon, Madfeld, Messinghausen, Rösenbeck, Thülen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart - Zur Erinnerung, Hrg. Stadt Brilon, Brilon 1991, S. 145 - 205

G. Birkmann/H. Stratmann, Bedenke vor wem du stehst - 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe, Klartext Verlag, Essen 1998, S. 85

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 359

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen - Regierungsbezirk Arnsberg, J.P.Bachem Verlag, Köln 2005, S. 299 - 301