Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

Magdeburg an der Elbe ist die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt; mit derzeit mehr als 230.000 Einwohnern steht sie bei den Großstädten Deutschlands auf Platz 32.

Die jüdische Gemeinde in Magdeburg war die älteste in Mitteldeutschland.

Eine jüdische Gemeinde Magdeburg wird bereits in einer Urkunde Kaiser Ottos I. aus dem Jahre 965 erwähnt; danach waren die dort ansässigen Juden der bischöflichen Macht unterworfen. Bestätigt wurden die dem Erzbischof übertragenen Privilegien bezüglich der Magdeburger Juden durch eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahre 973. Die damaligen Erzbischöfe zeigten sich gegenüber den Juden sehr aufgeschlossen; dabei dürften aber vor allem wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle gespielt haben. Die Juden Magdeburgs waren vor allem Händler, die die schiffbare Elbe als wichtigen Handelsweg nutzten und damit erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt beitrugen.

Die Juden durchlebten in Magdeburg eine wechselvolle Geschichte; mal durften sie sich ansiedeln, mal wurden sie vertrieben. Erstmalig wurde die damals relativ große jüdische Gemeinde Magdeburgs während des Ersten Kreuzzuges vernichtet; wer nicht fliehen konnte, wurde ermordet. Jahrzehnte später kehrten überlebende Flüchtlinge nach Magdeburg zurück; 1146 kam es zu einer zweiten Verfolgungswelle.

Anfang des 13.Jahrhunderts verwüsteten kaiserliche Truppen Ottos IV. - im Konflikt mit dem Erzbischof Albrecht II. - das "Judendorf", das aber bald wieder aufgebaut wurde; dieses Viertel lag außerhalb der Stadt - nahe der alten Sudenburg - und war durch Graben und Tor geschützt; dort gab es auch eine Synagoge. Im Jahre 1261 wurde das "Judendorf" das zweite Mal geplündert und zerstört - diesmal von erzbischöflicher Seite. Die jüdischen Bewohner wurden gefangengesetzt und erst gegen Zahlung eines hohen Lösegelds wieder freigelassen. Im Jahre 1302 überfiel der Mob abermals das "Judendorf", erschlug mehrere Bewohner und plünderte die Behausungen.

Eine der ältesten jüdischen schriftlichen Überlieferungen ist eine Thora-Rolle der Magdeburger Juden aus dem 14.Jahrhundert, die sich heute in der Bibliothek in Wolfenbüttel befindet. Die Juden Magdeburgs mussten gegen Ende des 15.Jahrhunderts fluchtartig die Stadt verlassen; damit erlosch die große jüdische Gemeinde Magdeburgs für die nächsten 200 Jahre. Das ehemalige "Judendorf" wurde nun „Mariendorf“ genannt; auch die Synagoge hieß nun „Marienkapelle“; diese wurde bei der Belagerung Magdeburgs 1550/1551 aber zerstört.

Erst 1705 wurde wieder ein Schutzjude, Abraham Liebermann, in der Stadt aufgenommen; dieser gründete als Hoffaktor ein Handelsunternehmen. Eine nennenswerte jüdische Ansiedlung erfolgte erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts; es bildete sich eine Gemeinde. Die ersten Betstuben befanden sich in der Kleinen Münzstraße und in der Prälatenstraße.

Mitte des 19.Jahrhunderts zählte die liberale jüdische Gemeinde etwa 800 Mitglieder. Diese weihte 1851 ihre Synagoge in der Alten Schulstraße (heute Julius-Bremer-Straße) ein, die zu dieser Zeit nach Meinung des damaligen Rabbiners Moritz Güdemann „schmuck- und geschmacklos” gewesen sein soll.

                                                 Synagoge in der Großen Schulstraße (hist. Aufn., um 1900)

              Über die Einweihung der Magdeburger Synagoge wurde am 15.September 1851 wie folgt berichtet:

„ ... Die Synagoge hat ihren Haupteingang von der Straße; durch eine Vorhalle tritt man in die Halle, ... Der innere Raum ist höchst einfach gehalten, sehr hoch, gewölbt, die Balkensparren in gothischer Form aus den Wänden hervortretend. Von dreien Seiten hohe Emporen auf schlanken Säulen, dem Eingang von der Straße gegenüber die Orgel, dem Eingang vom Hofe gegenüber auf der Morgenseite die heilige Lade. ... Die übrigen Seiten habe hohe Fenster, so daß die Halle sehr licht ist; am Abend geschieht die Beleuchtung durch drei bronzene Krornleuchter mit 150 Kerzen, und viele kleinere unter den Emporen. ... Am 14ten, Vormittags 10 1/2 Uhr, geschah die feierliche Einweihung unter außerordentlicher Theilnahme der städtischen Behörden und Bevölkerung, so wie der der Umgegend. Es waren 1.800 Karten ausgegeben worden außer dem sehr zahlreichen fungierenden Personal, so daß der Raum, ohne zu großes Gedränge, circa 2.000 Personen faßte. ...“

(aus: „Allgemeine Zeitung des Judenthums”, 15.Jg., Nr. 40)

Erst nach dem Total-Umbau und Ausbau Ende der 1890er Jahre erhielt das Gebäude seine prächtige Ausstattung. Die Synagoge bot nun mehr als 1.000 Personen Platz.

                 Die „Magdeburger Zeitung” schrieb dazu am 29.September 1897:

„ ... Die Synagoge ist sowohl im Innern wie im Äußern vollständig umgewandelt und es ist ein stattliches, im maurischen Stil gehaltenes Gebäude geworden, das schon mit seinen äußeren Formen das Auge fesselt und im Innern mit seiner einfach vornehmen zweckentsprechenden Einrichtung einen würdigen Eindruck macht. Die Architektur darf als gediegen bezeichnet werden. ...”

Finanziert wurde der Synagogenbau u.a. durch den Verkauf der Sitzplätze; der jeweilige Käufer erhielt eine Urkunde, die ihm seinen Platz als Eigentum auswies. Gleichzeitig wurden in unmittelbarer Nähe ein neues Schulgebäude und ein Gemeindehaus errichtet. Eine jüdische Schule gab es in Magdeburg seit 1834; ihr erster Leiter war bis 1862 Rabbiner Dr. Ludwig Philippson gewesen.

Bekannte Rabbiner Magdeburgs:

 Ludwig Philippson (geb. 1811 in Dessau), der seine rabbinische Ausbildung ganz traditionell bei Privatlehrern in Berlin erhalten hatte, wurde im jungen Alter zum Rabbiner in Magdeburg berufen und übte dieses Amt etwa zwei Jahrzehnte lang aus. Bis zu seinem Tode fungierte er als Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“. Mit 50 Jahren zog er sich nach Bonn zurück, wo er schriftstellerisch tätig wurde und sich für die Emanzipation der deutschen Juden engagierte. Philippson war auch maßgeblich an der Gründung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ in Berlin beteiligt. Im Alter von 68 Jahren verstarb Ludwig Philippson 1889 in Bonn.

  Moritz Güdemann (geb. 1835 in Hildesheim) trat 1862 die Nachfolge L. Philippsons als Magdeburger Rabbiner an; während seiner kurzzeitigen Tätigkeit in der Stadt verfasste er eine Monographie „Zur Geschichte der Juden in Magdeburg“ (1866); eine weitere historische Arbeit behandelte das Rabbinerwesen im Mittelalter. Daneben veröffentlichte der religiös konservativ eingestellte Güdemann verschiedene wissenschaftliche Werke zur vergleichenden Religionsgeschichte und jüdischen Sitten- und Kultusgeschichte. Im Jahre 1866 wurde Moritz Güdemann als Prediger nach Wien berufen und dort 1894 zum Oberrabbiner ernannt. 1918 verstarb er in Baden (bei Wien).

                                                                                                       Siegel des Rabbiners M. Güdemann

Bereits 1834 war in Magdeburg eine jüdische Religionsschule gegründet worden; wurden anfangs etwa 50 Kinder beschult, waren es 1922 etwa 260 Kinder, die in zwölf Klassen Unterricht erhielten.

1816 konnte die Gemeinde ihren großflächigen Friedhof am Fermersleberweg im Stadtteil Sudenburg in Benutzung nehmen; nahe der Trauerhalle wurden mehrere Steine des mittelalterlichen Begräbnisplatzes aufgestellt. Die erste jüdische Begräbnisstätte („judenkever“) lag nahe der Elbe nahe Buckau und existierte bereits im 13.Jahrhundert; nach der Vertreibung der Magdeburger Juden wurde die Fläche eingeebnet und in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt. Nur ein einziger Grabstein aus dem Jahre 1269 (!) ist noch erhalten geblieben.

1816 wurde ein neues, ca. 20.000 m² großes Friedhofsgelände in Sudenburg (heute Stadtteil Leipziger Straße) eingeweiht, auf dem im Laufe der Zeit mehr als 2.300 Grabstätten entstanden; 1856 wurde hier eine Trauerhalle errichtet. Nur kurzzeitig existierte eine weitere um 1840 angelegte Begräbnisstätte.

Juden in Magdeburg:

         --- 1806/07 .................   eine jüdische Familie,

     --- 1809 ....................    84     “       “   n,

     --- 1811 ....................   288 Juden,

     --- 1817 ....................   330   “  ,

     --- 1840 ................ ca.   600   “  ,

     --- 1856 ....................   850   “  ,

     --- 1859 ................ ca. 1.000   “  ,

     --- 1885 .................... 1.815   “  ,

     --- 1900 .................... 1.925   “  ,

     --- 1910 .................... 1.843   “  ,

     --- 1925 .................... 2.361   “  ,

     --- 1933 .................... 1.973   “  ,*     * andere Angabe: ca. 3.000 Pers.

     --- 1939 ....................   726   “  ,

     --- 1942 ....................     ?   “  ,

     --- 1946 ................ ca.   120   “  ,

     --- 1980 ................ ca.    20   “  ,

     --- 1997 ................ ca.   160   “  .

Angaben aus: Geschichte jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt - Versuch einer Erinnerung, S. 179 f.

http://www.firmenverzeichnis-magdeburg.de/wp-content/uploads/magdeburg-1900.jpg Ansicht Magdeburg um 1900 (aus: firmenverzeichnis-magdeburg.de)

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts und insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg wuchs die Zahl der nach Magdeburg zugewanderten Juden sprunghaft an. 1925 erreichte die Mitgliederzahl der Gemeinde einen Höchststand von 2.361 Personen. Die wirtschaftliche Entwicklung Magdeburgs wurde wesentlich von jüdischen Geschäftsleuten und Unternehmern mitgeprägt. Anfang der 1930er Jahre gab es hier mehr als 400 Geschäfte und Gewerbebetriebe in jüdischen Besitz, die vor allem im Zentrum der Stadt angesiedelt waren.

Breiter Weg, um 1930/35 (Aufn. aus: wikipedia.org, PD-alt)

In Magdeburg befand sich auch der Stammsitz der jüdischen Zirkusdynastie der Blumenfelds. Ihr Zirkusunternehmen war aus den Kunstreitergesellschaften entstanden und trat 1811 erstmals unter dem Namen „Circus Blumenfeld“ auf. In Magdeburg besaß die Familie seit ca. 1900 einen fast 3.000 Personen fassenden festen Zirkusbau. Ende der 1920er Jahre löste sich das Unternehmen auf (Konkurs).

 Anzeige für Zirkus-Vorstellungen in Worms (1878)

Anm.: Nach 1945 wagte Arthur Blumenfeld, Überlebender der Shoa, einen Neuanfang in Berlin. Allerdings musste der Zirkus bereits 1949 seinen Betrieb wieder einstellen.

Die zu Beginn der NS-Zeit einsetzenden Boykotte und Hetzkampagnen veranlassten viele Juden Magdeburgs, ihre Heimatstadt zu verlassen und in die Emigration zu gehen.

In der Pogromnacht wurde die große Synagoge zerstört. Zuvor hatten Angehörigen der SA, SS und HJ diese geplündert und die Inneneinrichtung demoliert.

http://gedenkjahr-magdeburg.de/wp-content/uploads/2015/11/Zerst%C3%B6rte-Synagoge-MD.jpg Zerstörtes Synagogeninnere (hist. Aufn., Stadtarchiv)

Der zur Einweihung der Synagoge gestiftete Thoravorhang konnte gerettet werden und befindet sich heute im Besitz der Synagogengemeinde. Das Synagogengrundstück ging 1939 in kommunalen Besitz über; anschließend wurde das Gebäude auf Anordnung der Stadtverwaltung gesprengt. Bekannte Magdeburger Juden wurden verhaftet und mehr als 100 von ihnen ins KZ Buchenwald verschleppt.

 

zerstörte Geschäfte in Magdeburg Nov. 1938 (Bundesarchiv)

1940/1941 wurden die noch in Magdeburg verbliebenen Juden in „Judenhäusern“ konzentriert; solche Häuser befanden sich in der Arndtstraße, in der Brandenburger Straße und in der großen Mühlenstraße. Anschließend setzten die Deportationen ein. Insgesamt verloren in der Zeit des Nationalsozialismus mehr als 1.500 Magdeburger Juden ihr Leben.

Von Mitte Juni 1944 bis Februar 1945 bestand in Magdeburg ein größeres Außenkommando des KZ Buchenwald mit männlichen, meist jüdischen Häftlingen aus Ungarn; diese mussten für die Braunkohlen-Benzin AG Zwangsarbeit leisten. Im Lager waren insgesamt ca. 2100 ‘Arbeitssklaven’ inhaftiert; ihre Todesrate war sehr hoch. Ca. 400 Häftlinge wurden am 22.12.1944 ins KZ Bergen-Belsen überstellt; nach einem Bombenangriff wurden weitere 465 Häftlinge nach Buchenwald abtransportiert. Je ein Männer- u. Frauenkommando bestand außerdem bei den Poltewerken, einer Munitionsfabrik; das Frauen-Außenkommando hatte zunächst dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück unterstanden, war ab 1.9.1944 dem KZ Buchenwald unterstellt. Bei den Frauen handelte es sich vorwiegend um Russinnen und Polinnen, die am 13.4.1945 nach Ravensbrück evakuiert wurden.

Unmittelbar nach Kriegsende gründete sich erneut eine jüdische Gemeinde in der Elbestadt; 1946 sollen sich etwa 120 Juden in Magdeburg aufgehalten haben. Ihre Gottesdienste hielt die Gemeinde in verschiedenen Räumlichkeiten ab. Von 1950 bis 1965 diente ein Haus in der Klausener Straße als Synagoge und Verwaltungsgebäude. Die Synagogengemeinde Magdeburgs - zu DDR-Zeiten eine von acht Gemeinden - umfasste Anfang der 1980er Jahre nur noch etwa 20 Mitglieder; in den 1990er Jahren wuchs ihre Zahl durch jüdische Zuwanderer aus den GUS-Staaten erheblich an; 1997 waren es ca. 160, 2005 knapp 700 Mitglieder. Ab 1968 befand sich das Gemeindezentrum in der Gröperstraße; hier ist auch der Landesverband jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalts untergebracht.

In der Nähe der ehemaligen Synagoge ließ die Stadt Magdeburg im November 1988 ein Mahnmal des Künstlers Josef Bzdok errichten; auf den mannshohen Tafeln erinnert ein Inschriftentext an die 1.521 Magdeburger Juden, die Opfer der NS-Herrschaft wurden.

                                                        Mahnmal (Aufn. dpa, 2013)

Seit 1999 trägt das Gelände den Namen „An der Alten Synagoge“. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde 2004 durch die „Magdeburgische Gesellschaft von 1990 e.V.“ ein Relief zur Erinnerung an die 1938 zerstörte Synagoge erstellt.

Im Klosterbergegarten wurde Ende der 1970er Jahre eine Stele aufgestellt, die Szenen aus dem Leben von Anne Frank darstellt und Texte aus ihrem Tagebuch zitiert. Die von dem Berliner Bildhauer Gerhard Rommel geschaffene Stele steht im Original auf dem Schulhof der Anne-Frank-Realschule im Mecklenburg-Vorpommerschen Tessin.

  

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof am Fermersleber Weg - älterer Teil  (Aufn. H.-P. Laqueur, 2007)

Mehr als 2.200 erhalten gebliebene Grabsteine auf dem Friedhofsgelände am Fermersleberweg weisen heute noch auf die Größe und Bedeutung der jüdischen Gemeinde Magdeburgs hin. Am Eingang des Friedhofs befindet sich ein Gedenkstein mit folgender Inschrift:

Die Toten mahnen

Zum Gedenken der jüdischen Opfer,

die durch den brutalen faschistischen Terror unter unsäglichen Leiden gemordet und ermordet wurden.

Errichtet von der Deutschen Demokratischen Republik

https://c1.staticflickr.com/9/8120/8613174161_c1f8ab01fb_b.jpg Hinter der Trauerhalle (Abb. aus: flickr.com) erinnert ein anderer Stein an die jüdischen Kinder, die in den Vernichtungslagern ermordet wurden.

Ein ins Leben gerufener „Förderverein Neue Synagoge Magdeburg” hat sich zum Ziele gesetzt, ein größeres Gebäude in der Gröperstraße zu einer Synagoge umbauen zu lassen. Zwischenzeitlich hat die Gemeinde eine Bleibe in der Markgrafenstraße gefunden.

2005/2006 hat sich die Stadt Magdeburg dem „Stolperstein“-Projekt angeschlossen; im Frühjahr 2007 wurden dann die ersten 13 sog. „Stolpersteine“ in der Elbestadt verlegt.

http://bilder.t-online.de/b/72/45/09/44/id_72450944/610/tid_da/geschmueckte-stolpersteine-in-magdeburg.jpg http://magdeburger-chronist.de/md-chronik/start/Stolpersteine.JPG

"Stolpersteine" (Aufn. J. Wolf/dpa  und  Th. Garde, aus: magdeburger-chronik.de)

Inzwischen erinnern im Stadtgebiet ca. 470 kleine quadratische Messingtäfelchen (Stand: 2016) an die letzten freigewählten Wohnstätten ehemaliger jüdischer Bewohner und anderer, die Opfer der NS-Diktatur geworden sind. Begleitend zu der Verlegung der sog. "Stolpersteine" ist ein Gedenkbuch angelegt worden, das die ermordeten NS-Opfer erfasst hat und Biographisches aus ihrem Leben festhält.

http://www.volksstimme.de/storyimage/MA/20121009/ARTIKEL/310099832/AR/0/AR-310099832.jpg&MaxW=505&ImageVersion=default Am 18. März 2007 wurde der erste Stolperstein am Magdeburger Rathaus verlegt; er erinnert an Dr. Herbert Goldschmidt, der von 1919 bis 1933 Bürgermeister von Magdeburg war. Am 11. März 1933 war er von einem SA-Trupp aus dem Rathaus geschleppt, durch die Straßen der Stadt zum "Braunen Haus" getrieben und dort in "Schutzhaft" genommen worden. 1942 wurde Dr. Goldschmidt ins Ghetto Riga deportiert und dort ermordet.

Inzwischen hat man den Neubau eines jüdischen Gemeindezentrums ins Auge gefasst. Erste Bauentwürfe wurden 2014 der Öffentlichkeit präsentiert; entstehen soll das Gebäude an der Julius-Bremer-Straße in der Innenstadt.

geplantes jüd. Gemeindezentrum - Computergraphik (Gemeinde Magdeburg, 2014) 

Weitere Informationen:

Ludwig Philippson, Einweihung der neuerbauten Synagoge, in: Allgemeine Zeitung des Judenthums, 15.Jg., Nr. 40 vom 29.9.1851

Moritz Güdemann, Zur Geschichte der Juden in Magdeburg, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 14/1865, S. 241 ff.

M. Spanier, Zur Geschichte der Juden in Magdeburg, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Heft 3/1892, S. 392 - 395

Meyer Kayserling, Ludwig Philippson - Eine Biographie, Leipzig 1898

Abraham Lewinsky, Der jüdische Hofbankier der Magdeburger Erzbischöfe im 14.Jahrhundert, in: Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums, 48.Jg./1904, S. 457 f.

Emanuel Forchhammer, Beiträge zur Geschichte der Juden mit besonderer Beziehung auf Magdeburg und die benachbarte Gegend, in: Gemeindeblätter für Stadt und Land Magdeburg, Heft 1/2, 1911

Moritz Spanier, Geschichte der Juden in Magdeburg, Magdeburg 1923/24

Renate Ragwitz, Frauenkommandos des KZ Buchenwald, Buchenwaldheft 15/1985, S. 27

Helmut Eschwege, Geschichte der Juden im Territorium der ehemaligen DDR, Dresden 1990, Band I, S. 319 f.

Zeugnisse jüdischer Kultur - Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Tourist Verlag GmbH, Berlin 1992, S. 197 f.

Günter Kuntze, Unter aufgehobenen Rechten. Juden unerwünscht, Block-Verlag, Magdeburg 1992

Günter Adlung, Als die Pest wütete, wurden die Juden zum Sündenbock, in: ‘Magdeburger Volksstimme’ 1992

Jüdisches Kult- und Kulturgut. Spuren zur Geschichte der Juden in Magdeburg. Ausstellung Sept./Nov. 1992, Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg, Magdeburg 1992

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 487 – 495

Germania Judaica, Band II/2, S. 505 – 210, Band III/2, Tübingen 1995, S. 772 – 783 und Band III/3, Tübingen 2003, S. 1953 - 1958

Karl-Heinz Kärgling, Meideburg - du wol gebauwates hus. Von den Schicksalen der Juden und Christen im mittelalterlichen Magdeburg, in: Matthias Puhle (Hrg.), Hanse - Städte - Bünde, Magdeburg 1996, S. 250 f.

Lothar Mertens, Davidstern unter Hammer und Zirkel - Die jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR und ihre Behandlung durch Partei und Staat 1945 - 1990, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York 1997

Geschichte jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt - Versuch einer Erinnerung, Hrg. Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, Wernigerode 1997, S. 179- 200 und S. 295/296

Cornelia Seibert, Magdeburg, in: Jutta Dick/Marina Sassenberg (Hrg.), Wegweiser durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, S. 124 - 141

Daniel Mourkojannis, Ludwig Philippson: Prediger, Publizist und Politiker - Die Reformarbeit in seiner Magdeburger Gemeinde, in: Jutta Dick/Marina Sassenberg (Hrg.), Wegweiser durch das jüdische Sachsen-Anhalt, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, S. 254 f.

Holger Brülls, Synagogen in Sachsen-Anhalt, Arbeitsberichte des Landesamtes für Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt 3, Verlag für Bauwesen, Berlin 1998, S. 136 - 141, S. 186 – 197 und S. 259 - 263

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus - Eine Dokumentation II, Hrg. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999, S. 564 ff.

Julius H. Schoeps (Hrg.), Neues Lexikon des Judentums, Gütersloher Verlaghaus, Gütersloh 2000, S. 538

Hans-Jürgen Krenzke, Kirchen und Klöster zu Magdeburg, Hrg. Büro für Öffentlichkeitsarbeit, Magdeburg 2000

M. Brocke/Chr. Müller, Haus des Lebens - Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Reclam Verlag, Leipzig 2001, S. 209/210

Lothar Mertens, Schwieriger Neubeginn - Die Jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR bis 1952/53, in: J. H.Schoeps (Hrg.), Leben im Land der Täter. Juden im Nachkriegsdeutschland 1945 - 1952, Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2001, S. 171 ff.

R. Golz/A. Ostrovskij (Hrg.), Probleme und Wege der Integration jüdischer Immigranten: aus dem Leben von Mitgliedern der wissenschaftlichen Gesellschaft bei der Synagogen-Gemeinde der Stadt Magdeburg, hrg. von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 2004

Karlheinz Kärgling, Zur mittelalterlichen Geschichte der Juden in Magdeburg. Der Fernhandel als Quelle von Lebenserfahrung und Gelehrsamkeit, in: Magdeburg. Die Geschichte der Stadt 805 - 2005, Dössel /Saalekreis 2005, S. 229 - 246

Matthias Puhle, Unerwünscht, verfolgt, ermordet: Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933 – 1945, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Jan. – Aug. 2008 (verschiedene Aufsätze)

Giuseppe Veltri/Christian Wiese (Hrg.), Jüdische Bildung und Kultur in Sachsen-Anhalt von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus, minima judaica 7, Metropol-Verlag, Berlin 2009, S. 147 – 174 („Ludwig Philippsons bürgerliches Judentum“)

Harald Lordick/Beata Mache, ... nahm in Hauptsachen so entschieden das Wort. Ludwig Philippson – Rabbiner und Publizist (1811 – 1889), in: Kalonymos. Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Heft 4/2011, S. 1 - 6

Verlegte Stolpersteine in Magdeburg - ein Gedenkbuch (mit detaillierten Angaben zu den betroffenen Personen/Familien), online abrufbar unter: magdeburg.de/Start/Bürger-Stadt/Stadt/Ehrungen-Preise/Stolpersteine 

Waltraud Zachhuber, Ein Foto spricht zu uns. Stolpersteine für jüdische Schulkinder in Magdeburg, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2015