Mährisch-Budwitz (Mähren)

Die um 1230 entstandene Marktsiedlung Mährisch-Budwitz ist das heutige tschechische Moravske Budejovice unweit der österreichischen Grenze.

Erste urkundliche Hinweise auf jüdisches Leben in Mährisch-Budwitz liegen aus der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts vor; weitere Angaben stammen aus den Stadtbüchern aus dem 16.Jahrhundert, die Rückschlüsse auf das damalige Leben der jüdischen Gemeinde zulassen. Es kann davon ausgegangen werden, dass damals hier eine nicht unbedeutende Gemeinde existierte, die über eine Synagoge und einen eigenen Rabbiner verfügte. Die hiesigen Juden verdienten ihren Lebensunterhalt zumeist im Geldverleih an die Stadtbürger und an die im Umland lebenden Bauern; daneben trieben sie Handel mit Getreide, Vieh und Kleidern. Der wachsende Reichtum und die zunehmende wirtschaftliche Macht der Juden rief den Neid und Hass der christlichen Bevölkerung herauf; dies führte dazu, dass 1564 die Juden aus der Stadt verjagt wurden; ihr bewegliches Gut durften sie mitnehmen. In den folgenden drei Jahrhunderten war die Stadt Mährisch-Budwitz „judenfrei“; denn die Bürger ließen eine erneute Ansiedlung nicht zu. Ob zu Beginn des 17.Jahrhunderts zeitweilig Juden ansässig waren, kann nicht eindeutig belegt werden; doch wird in einer Chronik berichtet, dass 1630 erneut Juden aus Mährisch-Budwitz vertrieben wurden.

Erst Ende des 18./Anfang des 19.Jahrhunderts hielten sich jüdische Händler wieder zum Besuch der Jahrmärkte in der Stadt auf, doch eine dauerhafte Ansiedlung in Mährisch-Budwitz scheiterte weiterhin an der feindseligen Einstellung der Bürger.

Erst mit den neu gewonnenen Freiheiten des Jahres 1848 siedelten sich zögerlich einige jüdische Familien dauerhaft in Mährisch-Budwitz an; die Budwitzer Juden besaßen zunächst keine selbstständige Gemeinde, sondern waren der Kultusgemeinde Schaffa angeschlossen; erst in den 1890er Jahren konstituierte sich eine autonome Gemeinde.

Über einen eigenen Synagogenbau verfügte die hiesige Judenschaft ab 1910; zuvor waren Gottesdienste in einer Betstube abgehalten worden.

   

 Synagoge in Mährisch-Budwitz (hist. Aufn.) und Zeichnung (Miroslav Vomácka, 2006)

Eine kleine Schule, die in wechselnden Räumen von Privathäusern untergebracht war, sorgte für die religiöse Erziehung der Kinder.

Ihre Verstorbenen begruben die hiesigen Juden auf den Friedhöfen der Umgebung, so in Trebitsch, Jamnitz, Piesling oder in Pullitz. Erst 1908 überließ die Stadt der Gemeinde ein Areal, das nun als israelitischer Friedhof diente; zeitgleich gründete sich in Mährisch-Budwitz eine Beerdigungsbruderschaft.

Juden in Mährisch-Budwitz:

        --- bis 1848 ........... keine Juden,

    --- 1848 ...............    19   “  ,

    --- 1869 ...............    58   “  ,        

    --- 1880 ...............    94   “  ,

    --- 1890 ...............   127   “  ,

    --- 1907 ...............    97   “  ,

    --- 1921 ...............    98   “  .

Angaben aus: Hugo Gold, Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, S. 362

http://imgl.aklex.de/9398a.jpg Ortszentrum (hist. Postkarte, um 1920)

Während der deutschen Okkupation wurden 1942 alle noch verbliebenen jüdischen Einwohner aus Mährisch-Budwitz deportiert; zunächst wurden sie nach Theresienstadt verschleppt, von hier in die Vernichtungslager auf polnischem Boden deportiert; nur sehr wenige sollen überlebt haben.

Das im Jugendstil gestaltete Synagogengebäude wurde nach 1945 als Lagerraum benutzt; 1977 erfolgte dessen Abriss. So erinnert heute nur noch der weit außerhalb der Stadt liegende Friedhof an die ehemalige jüdische Gemeinde.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/94/%C5%BDH_Moravsk%C3%A9_Bud%C4%9Bjovice_11.jpg  File:ŽH Moravské Budějovice 07.jpg

Jüdischer Friedhof mit Taharahaus (Aufn. Jitka Erbanová) und einzelne Gräber (Aufn. aus: commons.wikipedia.org)

2009 wurde eine Gedenktafel in der Prager Straße angebracht, die an die einstige jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus erinnert.

Weitere Informationen:

Josef Fiser, Geschichte der Juden in Mährisch-Budwitz, in: Hugo Gold, Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn 1929, S. 343 - 367

Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, Olamenu-Verlag, Tel Aviv 1974, S. 82

Lenka Jičínská-Smetanová/Petr Jičínský, Židovské komunity v Moravských Budějovicích a v Jemnici ve sčítacích operátech [Die jüdischen Gemeinden in Mährisch-Budwitz und Jemnitz im Spiegel der Volkszählungsbogen], in: Moravští Židé v rakousko-uherské monarchii 1780-1918 / Mährische Juden in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1780 – 1918, Brno 2003, 279 - 285