Mährisch-Schönberg (Mähren)

Die nahe der polnischen Grenze liegende Stadt Mährisch-Schönberg ist das heutige tschech. Sumperk.

Der erste urkundliche Beleg für die Existenz jüdischer Familien in Mährisch-Schönberg stammt aus dem Jahre 1531; bereits um die Jahrhundertmitte soll sich in Schönberg eine Gemeinde gebildet haben. Wirtschaftlich motivierte Konflikte mit den Stadtbewohnern, dazu der Vorwurf, die Pest eingeschleppt zu haben, führten um 1585 zur Ausweisung der jüdischen Bewohner; der Wert ihrer unbeweglichen Habe wurde den abziehenden Juden, die sich in Siedlungen in der Region niederließen, in Gold erstattet. Das Siedlungsverbot in Mährisch-Schönberg wurde vom Magistrat der Stadt bis Mitte des 19.Jahrhunderts aufrecht erhalten; nur zu Jahrmärkten war Juden erlaubt, hier Handel zu treiben; doch waren sie zuweilen mannigfaltigen Schikanen ausgesetzt. Mit den gewonnenen Freiheiten von 1848 wurde auch das Siedlungsverbot in Mährisch-Schönberg aufgehoben, und es setzte eine zögerliche Zuwanderung jüdischer Familien ein. 1870 gründete man einen Synagogenverein; 20 Jahre später schlossen sich dessen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Mährisch-Aussee an.

Seit 1911 bestand in Mährisch-Schönberg ein jüdischer Friedhof.

                               

Zeremonienhalle und Teilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. 2014, aus: wikimedia.org)

Juden in Mährisch-Schönberg:

         --- 1900 .................. 162 Juden,

    --- um 1925 ...............  50 jüdische Familien,

    --- 1930 .............. ca. 200 Juden.

Angaben aus: Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, S. 84

                       Ortsansicht (hist. Postkarte, um 1915)

Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht wurden auch in Mährisch-Schönberg die antijüdischen „Maßnahmen“ eingeleitet, die letztendlich zur Auslöschung der jüdischen Gemeinschaft führten. Im September 1942 deportierten die NS-Besatzungsbehörden die hiesigen jüdischen Familien nach Theresienstadt; fast alle wurden von hier aus nach Maly Trostinec verschleppt; nur ein einziger soll überlebt haben.

Seit 1999 erinnert eine Gedenktafel an die Opfer des Holocaust. 

Zwei Jahre zuvor wurde eine Dauerausstellung zur Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde eröffnet, die auch über die religiösen Riten ihrer Angehörigen informiert.

Weitere Informationen:

Franz Harrer, Geschichte der Stadt Mährisch-Schönberg, Mährisch-Schönberg 1923

Josef Hoff, Geschichte der Juden in Mährisch-Schönberg, in: Hugo Gold, Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn 1929, S. 379/380

Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, Olamenu-Verlag, Tel Aviv 1974, S. 82

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1264