Mainbernheim (Unterfranken/Bayern)

Mainbernheim ist mit ca. 2.300 Einwohnern eine kleine Kommune im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Möglicherweise haben einzelne Juden bereits 1382 in Mainbernheim gelebt - als der Ort Stadtrechte erhielt. Im Jahre 1414 wurde Mainbernheim das königliche Privileg zur Aufnahme bzw. Ausweisung von Juden zuteil. Nachweislich haben aber erst im 15.Jahrhundert einige wenige jüdische Familien in Mainbernheim gelebt, so sind z.B. 1489/1490 deren sechs hier ansässig gewesen; diese standen unter dem Schutz des Würzburger Bischofs und betrieben Geldhandel. Ob es damals einen Betraum gab, kann nicht eindeutig belegt werden. Zu Beginn des 16.Jahrhunderts wurden sie vermutlich von hier vertrieben.

Um 1700 wurden die Wurzeln der neuzeitlichen Gemeinde in Mainbernheim gelegt; 1698 ist erstmals wieder ein jüdischer Bewohner erwähnt.

Bei der Erstellung der Matrikel (1817) sind für Mainbernheim 18 jüdische Familienvorstände aufgelistet: mehrheitlich bestritten die hier lebenden Juden ihren Lebensunterhalt durch Weinhandel. Ihre Blütezeit erreichte die jüdische Gemeinde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts; jeder 12. Ortsbewohner gehörte damals dem mosaischen Glauben an.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörten eine 1748 erbaute Synagoge in der Brunnengasse und ein Schulgebäude; vorher bestand bereits ein Betraum.

Für die Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer in Anstellung.

    aus: „Der Israelit“ vom 27.8.1891 und vom 1.9.1902

Als auf Grund der starken Abwanderung jüdischer Familien gegen Mitte des 19. Jahrhunderts das Ende der Gemeinde drohte, war die Abhaltung von Gottesdiensten infrage gestellt; doch als sich die Zahl der Gemeindeangehörigen bei ungefähr 50 Personen stabilisierte, konnte die Kultusgemeinde bis zu Beginn der 1930er Jahre fortbestehen.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Rödelsee beerdigt.

Bis um 1870 war Mainbernheim Sitz eines Bezirksrabbinats, dem ca. 30 Gemeinden untergeordnet waren.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2089/Mainbernheim%20Israelit%2020111867.jpg  Letztmalige Ausschreibung der Rabbinerstelle (aus: "Der Israelit" vom 20.11.1867)

Mit dem Tode des Distriktrabbiners Faust Löw Thalheimer (1871) wurde der Sitz nach Kitzingen, später nach Würzburg verlegt.

Juden in Mainbernheim:

    --- um 1715 .....................   7 jüdische Familien,

    --- 1813 ........................ 129 Juden (ca. 8% d. Bevölk.),

    --- 1837 ........................ 140   “  ,

    --- 1867 ........................  44   “   (ca. 3% d. Bevölk.),

    --- 1890 ........................  48   “  ,

    --- 1900 ........................  39   “  ,

    --- 1910 ........................  48   “   (3,5% d. Bevölk.),

    --- 1925 ........................  32   “  ,

    --- 1933 .................... ca.  25   “  ,

    --- 1939 (Mai) ..................  13   “  ,

    --- 1942 (Okt.) .................  keine.

Angaben aus: Baruch Z.Ophir/F.Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945, S. 351

und                 Mainbernheim, aus: alemannia-judaica.de                                            

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch wenige jüdische Familien im Ort.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurden Synagoge und Schulgebäude stark beschädigt; von einer Brandlegung sah man ab, weil Nachbargebäude gefährdet waren; so „begnügte“ man sich, das Dach der Synagoge abzudecken. Beteiligt an den Ausschreitungen waren ca. 50 ortsansässige SA-Angehörige und zahlreiche Bewohner der Stadt. Unter Beteiligung der Ortspolizei wurden sechs von Juden bewohnte Häuser durchsucht; dabei soll es auch zu Misshandlungen gekommen sein. Wohnungsinventar und Hausrat wurden zerschlagen; dabei waren auch Jugendliche aktiv. Alle männlichen Gemeindeangehörigen wurden ins Gefängnis nach Kitzingen verbracht. Das Synagogengebäude ging anschließend in Privathand über und wurde nach dessen Umbau als Wohnhaus genutzt.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20386/Mainbernheim%20KK%20MZ%20Liebenstein%20Justin.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20386/Mainbernheim%20KK%20MZ%20Liebenstein%20Leon.jpg

J-Kennkarten gebürtiger Mainbernheimer Juden - ausgestellt in Mainz 1939

Im Jahre 1942 war das Ende der jüdischen Gemeinde in Mainbernheim besiegelt: die letzten vier jüdischen Bewohner wurden nach Würzburg abtransportiert, von hier aus nach Izbica bei Lublin bzw. nach Theresienstadt deportiert. Nachweislich sind 15 längere Zeit in Mainbernheim lebende jüdische Bewohner Opfer des Holocaust geworden.

Eine Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge trägt die folgenden Worte:

In Mainbernheim bestand bis 1942 eine jüdische Kultusgemeinde,

deren Synagoge sich im Hause Untere Brunnenstraße befand.

Zur Erinnerung an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger.

 Diese beiden sog. „Stolpersteine“ in der Brunnengasse erinnern an das ermordete Ehepaar Hausmann (Aufn. T. Schleicher, 2009).

Stolpersteine 0689.JPG Weitere Steine befinden sich in der Herrnstraße/Ecke Klostergasse und in der Sonnengasse (Aufn. A., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Im südöstlich von Mainbernheim gelegenen Dornheim - heute ein Ortsteil der Stadt Iphofen - gab es bis 1939/1940 eine kleine jüdische Kultusgemeinde. In den 1860er Jahren erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit ca. 60 Personen ihren Höchststand; dies entsprach etwa 14% der Dorfbevölkerung. Eine aus der Mitte des 18.Jahrhunderts stammende Synagoge, eine Mikwe und ein Gemeindehaus gehörten zu den Einrichtungen der Dornheimer Kultusgemeinde. Verstorbene fanden auf dem 1816/1817 angelegten Friedhof in Hüttenheim ihre letzte Ruhe.

Die im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts einsetzende Abwanderung führte dazu, dass um 1920/1930 nur noch wenige jüdische Familien im Dorf lebten. Ende November 1941 wurden die drei letzten jüdischen Dorfbewohnerinnen ins Ghetto Riga deportiert.

Eine Tafel am Gebäude der alten Schule erinnert an die ehemalige jüdische Gemeinde.

[vgl. Dornheim (Unterfranken/Bayern)]

Unter den sog. „Rindfleisch-Verfolgungen“ von 1298 soll auch die mittelalterliche Judengemeinde in Iphofen stark gelitten haben, genauso unter den Verfolgungen des Jahres 1336. Trotz der massiven Ausschreitungen siedelten sich in den folgenden Jahrzehnten wieder Juden in Iphofen an. Urkundlich nachweisbar ist ein um 1450 bestehendes „Judenquartier“ in der „Judengaßen“. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebten im Amt Iphofen fünf Schutzjuden, die meist als Geldverleiher tätig waren. Sie verfügten damals auch über eine Synagoge, was den Unwillen der katholischen Bevölkerung hervorrief. Im Jahre 1686 wurden alle Iphöfer Juden ausgewiesen. - Einziges ‚Zeugnis’ jüdischer Vergangenheit in Iphofen ist heute eine bildliche Darstellung eines Hostienfrevels in der „Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut“, der sog. „Blutskirche“ am Lindenplatz. Demnach sollen 1294 zwei Juden eine Hostie geschändet haben; als aus dieser Blut floss, wollte man sich von der Hostie befreien. Bei dem Versuch, die Hostie loszuwerden, soll diese in einem Spinnennetz hängengeblieben sein; daraufhin ergriff ein übernatürliches Licht das Spinnennetz, was den Nachbarn gewahr wurde. Nachdem man der Juden habhaft geworden war, richtete man sie hin. Auf dem Gelände ihrer zerstörten Behausung erbaute man später die Kapelle „Zum Heiligen Blut“.

Anm.: Derartige Beschuldigungen des „Hostienfrevels“ sind aus verschiedenen Orten belegt, so aus Röttingen, Lauda, Möckmühl, Weikersheim und Würzburg; sie dienten als Vorwand für blutige Massaker an zahlreichen jüdischen Gemeinden im weiten Umkreis.

In einem weiteren Ortsteil von Iphofen, in Nenzenheim, gab es auch eine jüdische Kultusgemeinde.

[vgl. Nenzenheim (Bayern)]

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F.Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München 1979, S. 169/170 (Dornheim) und S. 351/352 (Mainbernheim)

Gerhard Wilhelm Daniel Mühlinghaus, Der Synagogenbau des 17. u. 18.Jahrhunderts im aschkenasischen Raum, Dissertation, Philosophische Fakultät Marburg/Lahn, 1986, Band 2, S. 250

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 51, S. 78/79 und S. 95

Germania Judaica, Band III/2, Tübingen 1995, S. 784/785

Harald Schwillus, Hostienfrevellegende und Judenverfolgung in Iphofen. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Kirche zum hl. Blut im Gräbenviertel, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter Bd. 58 (1996), S. 109 - 140

Albert Liess (Bearb.), Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941 - 1943. Begleitband zur Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg u. des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Unterfranken, München 2003 (Der Band enthält Abbildungen aus einem Fotoalbum, die von der Gestapo zusammengestellt wurden.)

Mainbernheim, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Iphofen, in: alemannia-judaica.de

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Bd. 13, Würzburg 2008, S. 199 

Torsten Schleicher (Red.), Erinnerung an Mainbernheims Juden, in: „Main-Post“ vom 20.3.2009

Auflistung der in Mainbernheim verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mainbernheim