Partenheim (Rheinland-Pfalz)

Partenheim mit derzeit ca. 1.500 Einwohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Wörrstadt im Kreis Worms-Alzey – ca. 25 Kilometer südwestlich von Mainz gelegen.

Wann sich die ersten Juden in Partenheim - auf dem Territorium der Freiherren von Wallbrunn und von Wambold gelegen - niederließen, ist nicht bekannt; erst seit dem 19.Jahrhundert lassen sich genauere Angaben über die jüdische Dorfbevölkerung machen: So verdienten die Familienvorstände ihren Lebensunterhalt als Schuhmacher oder Metzger, als Vieh- oder Weinhändler; einige betrieben zudem eine kleine Landwirtschaft.

In der Schmiedgasse besaß die Gemeinde ein winziges Bethaus; eine Synagogenordnung aus dem Jahre 1859, die für alle Religionsgemeinden der Kreise Oppenheim und Alzey galt, regelte die Kultusangelegenheiten. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts verfügte die Gemeinde auch über eine eigene Schule mit einem von ihr angestellten Lehrer.

Stellenanzeigen von 1865 und 1870

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden auf dem jüdischen Friedhof in Jugenheim beerdigt, der auch solche aus den Ortschaften Nieder-Saulheim, Essenheim, Stadecken sowie Vendersheim aufnahm.

[vgl. Jugenheim (Rheinland-Pfalz)]

Die Gemeinde Partenheim gehörte zum Rabbinatsbezirk Alzey.

Juden in Partenheim:

    --- 1804 ...............  75 Juden,

    --- 1824 ............... 110   “   (ca. 9% d. Dorfbev.),

    --- 1830 ............... 130   “  ,

    --- 1855 ............... 165   “   (ca. 15% d. Dorfbev.),

    --- 1861 ............... 119   "  ,

    --- 1880 ...............  68   "   (ca. 6% d. Dorfbev.)

    --- um 1900 ........ ca.  35   “  ,

    --- 1905 ...............  27   “  ,

    --- 1922 ...............   4 jüdische Familien,

    --- 1932 ........... ca.  20 Juden,

    --- 1939 ............... keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 194

und                 Partenheim, in: alemannia-judaica.de

Ab den 1860/1870er Jahren wanderten vermehrt Juden aus Partenheim ab. 1881 kam es zu Ausschreitungen gegen die jüdische Ortsbevölkerung; in einem Artikel der Zeitschrift „Der Israelit” vom 9.2.1881 wurde wie folgt darüber berichtet:

Aus Rheinhessen. Auch in unserer Provinz hat die Antisemitenbewegung böse Früchte gezeitigt. In den beiden, meistens von Protestanten bewohnten Dörfern Partenheim und Jugenheim ist die bekannte antisemitische Petition fast von allen protestantischen Bewohnern derselben unterzeichnet worden. - "Was von Berlin kömmt," sagte ein Bürgermeisterei-Adjunkt, "ist gut und muss unterschrieben werden." Dabei ließen es aber die Herren Antisemiten nicht bewenden. Sie warfen den Juden die Fenster ein; schwere Steine wurden auf die Dächer geworfen, die natürlich großen Schaden gelitten haben. Schon haben sich einige Israeliten entschlossen, diese beiden Dörfer zu verlassen und nach Mainz oder Bingen zu ziehen. - Gegen die in den genannten Dörfern wohnenden Juden liegt nicht die geringste Beschwerde vor; es sind fleißige, friedliche Menschen, und unter ihnen befinden sich keine Wucherer. Der Hass ist ein künstlich geschürter, lediglich durch die von Berlin ausgehende Antisemitenbewegung angefacht, Während der großen Kälte in den verflossenen Wochen hatte man, um den Juden einen Schabernack zu spielen, auf das Strengste verboten, für die Juden am Sabbat Feuer anzumachen und die Wärmeöfen zu bedienen, sodass die Armen gezwungen waren, bei 12 Grad Kälte in ungeheizten Zimmern zu sitzen.  ... Wie wir vernehmen, sind von der Behörde energische Maßregeln ergriffen worden, um die Wiederkehr der Exzesse zu verhindern.

                        aus der Zeitschrift „Der Israelit” vom 18.Mai 1881

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Gemeinde nur noch aus sehr wenigen Familien bestand, musste man den Gottesdienst in der eigenen Synagoge einstellen; die jüdischen Dorfbewohner besuchten fortan die Synagoge in Jugenheim. Aber auch die Zahl der jüdischen Bewohner Jugenheims war schon stark rückläufig; Anfang der 1930er Jahre gab es auch hier keine jüdische Gemeinde mehr. Anfang des Jahres 1938 wurde das Synagogengebäude in Partenheim verkauft; so entging es einer möglichen Inbrandsetzung während des Novemberpogroms; durch Kriegseinwirkung wurde es dann völlig zerstört.

Zu welchem Zeitpunkt die ca. 20 Juden, die 1932/1933 im Dorf lebten, den Ort verlassen haben, kann nicht eindeutig belegt werden; als sicher gilt, dass 1939 keine jüdischen Bewohner mehr in Partenheim lebten.

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J-Kennkarten zweier gebürtiger Partenheimer Juden – ausgestellt 1939 in Mainz

Mindestens 14 aus Partenheim stammende Personen mosaischen Glaubens wurden Opfer der Shoa.

Im Jahre 2015 wurde eine schlichte Gedenkstele aufgestellt; geschaffen vom Alzeyer Steinmetz Klaus Bambach steht diese am Platz an der Weed. Die aus gelben Sandstein bestehende Säule trägt eine Bronzetafel mit stilisiertem Chanukkaleucher und der Inschrift: Zum Gedenken der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Ortes, die unter der nationalsozialistischen Diktatur entehrt, verfolgt und ermordet wurden. Uns allen eine Mahnung zur Wachsamkeit…“

                     http://rheinhessen-evangelisch.de/uploads/pics/gedenk.jpg Aufn. aus: rheinhessen-evangelisch.de

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 194/195

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 310

Partenheim, in: alemannia-judaica.de

Ulla Grall (Red.), Gedenkstele Partenheim erinnert an im Holocaust ermordete jüdische Mitbürger, in: „Allgemeine Zeitung - Rhein Main Presse“ vom 11.5.2015