Pohl-Göns (Hessen)

Wetteraukreis Karte Pohl-Göns mit seinen derzeit ca. 1.400 Einwohnern ist heute ein Ortsteil der Stadt Butzbach im hessischen Wetteraukreis - etwa 20 Kilometer südlich von Gießen gelegen (Karte aus: ortsdienst.de/hessen/wetteraukreis).

Zusammen mit den jüdischen Familien aus Kirchgöns bildeten die Juden aus Pohl-Göns eine kleine jüdische Gemeinde, deren Anfänge im 18.Jahrhundert lagen. Mitte der 1920er Jahre beschlossen die jüdischen Familien aus Pohl-Göns und aus den Nachbardörfern Ebers-Göns, Espha, Niederkleen und Oberkleen den Bau eines neuen Synagogengebäudes in Pohl-Göns; soweit vorhanden, wurden die Beträume in den Nachbarorten geschlossen.

Kleinanzeige aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Sept. 1926

Ihre neue, 1926 eingeweihte Synagoge befand sich im Randbereich des alten Ortskerns an der Giesener Straße; das Gebäude erreichte man über ein Nachbargrundstück. Neben 27 Männerplätzen standen 20 für Frauen zur Verfügung.

 Synagoge in Pohl-Göns (Bauskizze)

Ein kurzer Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit” vom 3.12.1926 informierte über die bevorstehende Einweihung des neuen Synagoge:

                      

Um einen Minjan zustande zu bringen, mussten manchmal Juden aus den Nachbarorten Lang Göns und Niederkleen geladen werden.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch ein Friedhofsgelände in Pohl-Göns; zudem gab es ein kleinflächiges Beerdigungsareal in Kirch-Göns.

Juden in Pohl-Göns:

        --- 1770 ...........................   2 jüdische Familien,

    --- 1830 ...........................  25 Juden,*    * mit Kirch-Göns

    --- um 1860 .................... ca.  20   “  ,

    --- 1900 ...........................  48   “  ,

    --- 1905 ...........................  64   “  ,*

    --- um 1930 ........................   5 jüdische Familien (ca. 20 Pers.),

    --- 1940 (Sept.) ...................   keine.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 204

Fast alle jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt im Viehhandel; im Nebenerwerb wurde meist eine kleine Landwirtschaft betrieben. Ein Textilladen im Dorf hatte einen jüdischen Eigentümer.

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Pohl-Göns noch fünf jüdische Familien, deren Angehörige bis 1940 das Dorf verließen. Das Synagogengebäude überstand den Novemberpogrom von 1938 äußerlich unbeschadet; doch wurde die Inneneinrichtung demoliert. Heute nutzt eine Schreinerei das Gebäude als Lagerraum.

  Ehem. Synagoge (Pohl-Göns) 05.JPG

Ehem. Synagogengebäude (Aufn. aus: Th. Altaras, um 1980  und  Ch., 2011, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Mehrere sog. "Stolpersteine" erinnern an ehemalige jüdische Einwohner, die Opfer des NS-Gewaltherrschaft geworden sind.

 

verlegt im Springerweg (Aufn. Ch., 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Heute legen noch die beiden jüdischen Friedhöfe Zeugnis davon ab, dass jüdische Familien in der Region ansässig waren.

Jüdischer Friedhof in Pohl-Göns u. Kirch-Göns (Aufn. Ch., 2014/2015, aus: commons.wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 203/204

Thea Altaras, Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945?, Königstein i. Ts. 1988, S. 192 f.

Susanne Gerschlauer, Synagogen, in: Ulrich Schütte (Hrg.), Kirchen und Synagogen in den Dörfern der Wetterau. Wetterauer Geschichtsblätter - Beiträge zur Geschichte u. Landeskunde, Band 53, Friedberg (Hessen) 2004, S. 317 - 320

Pohl-Göns mit Kirch-Göns, in: alemannia-judaica.de (mit wenigen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Hanno Müller, Familienbuch Butzbach Band 5: Judenfamilien in Butzbach und seinen Stadtteilen, ?

Werner Wagner, Pohl-Göns, ein Ort am Pfahlgraben (Limes), in Seniorenzeitung 13/2008 (online abrufbar unter: geschichtsverein-butzbach.de)

Verlegte Stolpersteine in Pohl-Göns bzw. Kirch-Göns, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Butzbach