Rehna (Mecklenburg-Vorpommern)

Bildergebnis für rehna mecklenburg vorpommern plz karte Rehna ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 3.500 Einwohnern im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern – ca. 35 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Schwerin (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Die jüdische Gemeinde von Rehna gehörte in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts zu den ältesten und auch größten israelitischen Gemeinden im westlichen Mecklenburg.

Um 1730 hielten sich erstmals fahrende Händler jüdischen Glaubens in Rehna auf. Herzog Karl Leopold war es, der 1734 die jüdische Familie Hinrichsen an seinem Hof duldete. Doch erst zehn Jahre später ist die erste Ansiedlung - nach Zahlung eines Schutzgeldes an den regierenden Herzog - verzeichnet: es waren zwei jüdische Hausierer, denen im Jahre 1744 der Herzog Christian Ludwig – gegen den Willen des Rehnaer Magistrats – deren Niederlassung zugestanden hatte.

Mit der Niederlassung von zwei jüdischen Familien in Rehna im Jahre 1744 wurden damit die Wurzeln der jüdischen Gemeinde gelegt.

1756 wurde gesetzlich angeordnet, dass jüdische Hausierer ausschließlich „Packen tragend auf dem Lande“ (also nur mit dem, was sie auf dem Rücken tragen konnten) Hausierhandel treiben durften. Um diese Beschränkung zu umgehen, ließen sich angeblich einige Juden Rehnas christlich taufen und durften fortan auf dem Markt Handel treiben.

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts entstand in Rehna eine jüdische Gemeinde, die dann in den Folgejahrzehnten bedeutender als die nahen Gemeinden Grevesmühlen und Gadebusch gewesen sein soll; so bestanden Handelsbeziehungen der Rehnaer Juden nach Moisling bzw. Lübeck, aber auch nach Hamburg, Schwerin und Wismar. Im Jahre 1828 gab es in Rehna elf christliche und zwölf jüdische Kaufleute, von denen acht schon vor 1813 in der Kleinstadt wohnhaft waren. Beschwerden des Magistrats beim Großherzog, die Anzahl jüdischer Gewerbetreibender zu begrenzen bzw. zu reduzieren, waren jedoch erfolglos. Jahre später (1835) gab es dann insgesamt 26 jüdische Gewerbetreibende in der Stadt (zehn Hausierer, sechs Händler mit Läden und zehn Produktenhändler).

Um 1820, als die Gemeinde ihren zahlenmäßigen Höchststand erreicht hatte, errichtete man eine Synagoge in der heutigen Krugstraße. Schon bereits 1793 hatte die landesherrliche Genehmigung zum Bau einer Synagoge vorgelegen, doch auf Grund fehlender finanzieller Mittel konnte man das Vorhaben erst Jahrzehnte später realisieren.

Auch eine Schule gehörte damals zu den gemeindlichen Einrichtungen.

Nördlich des Ortes (auf dem Bauhoffeld) hatte man bereits 1799/1800 einen eigenen Friedhof angelegt; nun musste man die Verstorbenen nicht mehr nach Schwerin bringen, um sie dort zu begraben

Die jüdischen Familien aus Grevesmühlen, die die gemeindlichen Einrichtungen mitgenutzt hatten, lösten sich um 1865/1870 von der Rehnaer Kultusgemeinde.

Juden in Rehna:

        --- um 1745 ........................  2 jüdische Familien,

    --- 1804 ........................... 63 Juden,

    --- 1818 ........................... 99   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

    --- 1824725 ........................ 17 jüdische Haushalte,

    --- 1860 ........................... 93 Juden,

    --- 1867 ........................... 46   “  ,

    --- 1891 ...........................  2   "  ,

    --- 1910 ........................... ein  “ (n).

Angaben aus: Klaus Bollensdorf, Die jüdische Gemeinde, in: ‘Rehnaer Miniaturen’, 2001, S. 124 - 133

Da die Kosten für die Unterhaltung des Synagogengebäudes nicht mehr aufgebracht werden konnten, wurde es um 1880/1885 meistbietend auf Abbruch verkauft. Die Ritualien waren zuvor auf dem Friedhof ‚begraben’ worden. Infolge einer in den 1860er Jahren erfolgten Abwanderung in größere Städte (wie Rostock) und Überalterung ihrer Mitglieder löste sich die jüdische Kultusgemeinde im Jahre 1883 offiziell auf; zurückblieben zwei Familien aus Rehna und drei aus Gadebusch.

Eine bekannte jüdische Kaufmannsfamilie trug den Namen Levissohn; sie handelte mit Daunen/Federn sowie Tuch- und Manufakturwaren. Zur Familie gehörten elf Kinder, von denen eines Helene Levissohn war; sie verfasste 1937 ihre Erinnerungen an die Zeit in Rehna.

Der jüdische Friedhof in Rehna, auf dem nach 1880 keine Begräbnisse mehr vorgenommen worden waren, wurde vermutlich in der NS-Zeit - oder kurze Zeit danach - abgeräumt und eingeebnet; Grabsteine wurden als Treppenstufen und Schwellen zweckentfremdet.

Die einzigen noch sichtbaren Hinterlassenschaften der jüdischen Gemeinde sind die Eingangsstufen am Hotel "Stadt Hamburg"; sie stammen von der Synagoge.

In der ca. 15 Kilometer entfernten Kleinstadt Gadebusch gab es bis Anfang der 1920er Jahre eine kleine jüdische Gemeinschaft. Um 1830/1840 erreichte die Gadebuscher Judenschaft mit ca. 50 Angehörigen seinen personellen Höchststand; danach sank deren Zahl, so dass sich die verbliebenen zuletzt der Gemeinde Rehna anschlossen. Ihren Betraum hatte die kleine jüdische Gemeinde in der Steinstraße eingerichtet; ein eigener Friedhof war aber nicht vorhanden.

Weitere Informationen:

Otto Bruhn, Die Juden in Rehna - Manuskript aus den 1930er Jahren, Stadtarchiv Rehna (Anm.: antisemitisch gefärbt)

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 572/573

Klaus Bollensdorf, Jüdische Lehrer in Rehna, in: Beiträge zur Geschichte des jüdischen Schulwesens in Mecklenburg- Schwerin, Schwerin 1999, S. 36 - 42

Klaus Bollensdorf, Die jüdische Gemeinde, in: ‘Rehnaer Miniaturen’, 2001, S. 124 - 133

Klaus Bollensdorf, Der jüdische Begräbnisplatz, in: ‘Rehnaer Miniaturen’, 2001, S. 139 ff.

Auf den Spuren der Rehnaer Juden, online abrufbar unter: rhena.de (vom 26.5.2008)

Jürgen Gramenz/Sylvia Ulmer, Ehemaliges jüdisches Leben in Rehna, in: Geschichte der Juden in Mecklenburg, Aufsatz vom 21.8.2016, in: http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Rehna