Rybnik/Oder (Oberschlesien)

 Das oberschlesische Rybnik gehörte seit dem ersten Schlesischen Krieg (1740) zum preußischen Staatsgebiet und wurde später Kreisstadt im Regierungsbezirk Oppeln. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel diese an Polen.

Rybnik zu Beginn des 19.Jahrh. (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Juden siedelten sich im 19. Jahrhundert vermehrt in der aufstrebenden Industriestadt Rybnik an; gegen Ende der 1780er Jahre soll der Ort knapp 50 jüdische Bewohner gehabt haben. In den 1840er Jahren ließ die Gemeinde eine neue Synagoge in der Schlossstraße errichten, die einen hölzernen Bau aus dem Jahre 1811 ablöste. Die Finanzierung des Synagogengebäudes – eingeweiht 1848 - konnte nur durch einen Kredit des Barons Durand aus Baranowitz gesichert werden.

                                 Synagoge in Rybnik (hist. Postkarte, um 1940)

Bis 1877 suchten die jüdischen Kinder eine eigene Schule auf, ehe sie danach der katholischen Ortsschule zugewiesen wurden. Seit 1815 verfügte die Gemeinde über einen eigenen Friedhof; zuvor waren Verstorbene in Nikolai (poln. Mikolow) nahe Kattowitz beerdigt worden.

Als das Begräbnisareal in Rybnik 1931 aus sanitären Gründen geschlossen wurde, fanden fortan Beerdigungen in Loslau statt.

Juden in Rybnik:

    --- um 1785 .......................   40 Juden,

--- 1815 ..........................  160   “   (ca. 12% d. Bevölk.),

--- 1825 ..........................  267   “  ,

    --- 1835 ..........................  312   “   (ca. 16% d. Bevölk.),

    --- 1845 ..........................  371   “  ,

    --- 1855 ..........................  365   “   (ca. 13% d. Bevölk.),

    --- 1910 ..........................  365   “   (ca. 3% d. Bevölk.),

    --- 1913 ...................... ca.  380   “  ,

    --- 1923 ...................... ca.  120   “  ,

    --- 1927 ..........................  154   “  ,

--- 1931 ...................... ca.  260   “  .

Angaben aus: P.Maser/A.Weiser, Juden in Oberschlesien

Die Gemeinde umfasste vor dem Ersten Weltkrieg fast 400 Angehörige. Als die Stadt auf Grund des Versailler Vertrages an den neu entstandenen polnischen Staat fiel, zog in der Folgezeit etwa ein Drittel der jüdischen Bevölkerung – vor allem wohlhabendere deutsche Juden - aus Rybnik weg; denn die Rybniker Juden waren vermehrt zur Zielscheibe antisemitischer Attacken der polnischen und der deutschen Minderheitsbevölkerung geworden. Die ärmeren polnischen Juden hingegen verblieben zumeist am Ort. Die jüdischen Familien, die weiterhin in der Stadt lebten - 1931 waren es noch etwa 260 Personen -, wandten sich nun zunehmend zionistischen Ideen zu. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges flüchtete ein Teil der Juden aus der Stadt, die meisten wurden von den NS-Behörden zur Zwangsarbeit eingesetzt; so mussten z.B. im Frühjahr 1940 die Männer Grabsteine vom jüdischen Friedhof entfernen und das Areal einebnen. Ende 1939/Anfang 1940 wurde das Synagogengebäude in Brand gesetzt und anschließend die Ruine niedergelegt. Etwa 100 Juden Rybniks wurden Ende Mai 1940 in das Arbeitslager von Trzebinia verschleppt.

Um die Jahreswende 1944/1945 gab es in Rybnik ein Außenlager von Auschwitz, in dem mehrere hundert männliche Häftlinge aus Osteuropa zur Zwangsarbeit im Bergbau eingesetzt waren. Mitte Januar 1945 wurde das Lager liquidiert und die Häftlinge auf den Todesmarsch geschickt bzw. per Bahn nach Mauthausen abtransportiert. Etwa gleichzeitig war Rybnik Durchgangsort für Zehntausende von Häftlingen aus östlich gelegenen KZ-Lagern.

Der Anfang der 1930er Jahre geschlossene jüdische Friedhof  wurde 1940 "abgeräumt", die Grabsteine zweckentfremdet benutzt bzw. auf eine Müllkippe gebracht. Nur wenige wieder aufgefundene Grabsteine erinnern heute noch an die jüdische Geschichte von Rybnik.

Cmentarz żydowski w Rybniku - stan obecny Ehem. jüdisches Friedhofsgelände in Rybnik (Aufn. M. Płoszaj)

In Loslau (poln. Wodzisław Śląski) – südlich von Rybnik in Richtung tschechische Grenze gelegen - sind einzelne jüdische Familien seit dem 17.Jahrhundert nachweisbar. Eine selbstständige Gemeinde existierte aber erst seit den 1840er Jahren. Eine Synagoge wurde Mitte der 1820er Jahre erbaut; sie löste ein Gebäude ab, das 1822 während eines Schadenfeuers zerstört worden war. 1814 wurde auf einem Hügel nahe der Stadt der jüdische Friedhof angelegt.

                                                                             Synagoge in Loslau (hist. Aufn.)

Juden in Loslau:

    --- um 1635 .......................   2 jüdische Familien,

    --- 1748 ..........................  12     “       “    ,

--- 1789 .......................... 126 Juden,

    --- 1814 ...................... ca. 150   “  ,

    --- 1890 ...................... ca. 300   “  ,

    --- 1920 ...................... ca. 500   “  ,

--- 1930 ...................... ca. 100   “  .

                             Angaben aus: P.Maser/A.Weiser, Juden in Oberschlesien

Nach der Volksabstimmung, die den Anschluss an Polen zur Folge hatte, verließen die meisten einheimischen jüdischen Familien die Stadt in Richtung Deutschland. Juden aus Galizien und dem westlichen Russland zogen nun hierher; allerdings wurden sie von der einheimischen Bevölkerung abgelehnt, die alsbald ihren Unmut mit einem Handelsboykott der jüdischen Kaufleute Ausdruck verlieh. Ihrer Existenz beraubt verließen daraufhin zahlreiche Juden die Stadt; die Gemeinde löste sich auf. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen wurden die noch verbliebenen Juden in Ghettos/Lager „umgesiedelt“.

vgl. Loslau (Oberschlesien)

Weitere Informationen:

Franz Idzikowski, Geschichte der Stadt und ehemaligen Herrschaft Rybnik in Oberschlesien, Breslau 1861

John Walczak, Rybnik. Ein Überblick über die Stadt von den Anfängen bis 1980, Rybnik 1986

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1108

Rybnik, in: sztetl.org.pl

Mirella Michnik Auf den Spuren der Juden in Rybnik, o.O. o.J.

Magdalena Płoszaj (Red.), Rybnik, in: kirkuty.xip.pl